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Bahn und Land ziehen positive Expo-Bilanz

Trotz des Milliardendefizits und der geringer als erwartet ausgefallenen Besucherzahlen haben das Land Niedersachsen und die Deutsche Bahn eine positive Bilanz der Weltausstellung Expo 2000 gezogen. Das Expo-Defizit werde durch Steuereinnahmen von mindestens 2,7 Mrd. DM voll kompensiert.

rtr HAMBURG. Trotz des Milliardendefizits und der geringer als erwartet ausgefallenen Besucherzahlen haben das Land Niedersachsen und die Deutsche Bahn eine positive Bilanz der Weltausstellung Expo 2000 gezogen. Ministerpräsident Sigmar Gabriel (SPD) sagte am Freitag in Hannover, das Expo-Defizit werde durch Steuereinnahmen von mindestens 2,7 Mrd. DM voll kompensiert. Deshalb sei die Weltausstellung in finanzieller Hinsicht durchaus erfolgreich gewesen. Auch die Bahn teilte mit, sie ziehe eine positive Bilanz. Aus unternehmerischer Sicht sei man jedoch nicht zufrieden, schränkte Bahn-Chef Hartmut Mehdorn ein. Die Weltausstellung geht am nächsten Dienstag zu Ende.

Gabriel sagte, einer erst vor wenigen Tagen vorgelegten Untersuchung der Unternehmensberatung Roland Berger und der Universität Frankfurt zufolge würden die von der Weltausstellung ausgelösten Steuereinnahmen auf 2,74 Mrd. DM geschätzt. "Das ist die Minimal-Variante", fügte Gabriel hinzu. Mit 1,4 Mrd. DM fließe der Löwenteil davon dem Bund zu. Das betriebswirtschaftliche Defizit der Expo werde mit rund 2,36 Mrd. DM zwar dramatisch höher ausfallen, als vor Beginn der fünf Monate währenden Veranstaltung prognostiziert worden sei. Es werde aber durch die Steuereinnahmen voll kompensiert. Der Bund und das Land Niedersachsen müssen sich das Defizit teilen. Berichten zufolge will der Bund aber seinen Anteil erhöhen.

Unter Einbeziehung von Investitionen in Bundesfernstraßen und S-Bahnen, die der Expo zugerechnet werden, kommen die Gutachter sogar auf Einnahmen von 3,5 Mrd. DM. Einschließlich weiterer Investitionen, die zwar zur Expo fertig gestellt wurden, aber vermutlich auch ohne sie irgendwann errichtet worden wären, werden den Angaben zufolge der Weltausstellung sogar 3,9 Mrd. DM an Steuereinnahmen zugerechnet.

Gabriel sagte, neben dem finanziellen Aspekt habe die Expo auch einen beachtlichen Beschäftigungseffekt gehabt. "Es war eine rundherum erfolgreiche Veranstaltung. "Mir geht es so, wie vermutlich vielen Hannoveranern und Niedersachsen: Ich finde es schade, dass die Expo jetzt vorbei ist", sagte der Regierungschef.

Bahn: Aus unternehmerischer Sicht nicht zufrieden

Die Bahn zog eine positive Bilanz, obwohl sie mit 2,2 Mill. in Fernzügen nach Hannover beförderten Expo-Besuchern weit hinter ihrer Planung von 5 Mill. Reisenden zurück blieb. Statt erwarteter Erlöse von 400 Mill. DM wurden den Angaben zufolge nur 125 Millionen Mark erzielt. Bahn Mehdorn-Chef zeigte sich unzufrieden mit wirtschaftlichen Ergebnis und kritisierte die Expo-Organisatoren scharf. Die Bahn habe sich auf die Zahlen der Expo verlassen und auf dieser Basis ihre Prognosen vorgenommen. "Gemessen daran können wir aus unternehmerischer Sicht nicht zufrieden sein", sagte Mehdorn.

Als wichtigster bundesweiter Vertriebspartner verkaufte die Bahn an ihren Schaltern den Angaben zufolge rund vier Millionen Expo-Eintrittskarten. 13 % aller Expo-Besucher seien mit fahrplanmäßigen und Sonderzügen nach Hannover gereist, teilte die Bahn weiter mit. Insgesamt 4,2 Mill. Nahverkehrskunden hätten zudem das kurz vor der Weltausstellung eröffnete S-Bahn-Netz in Hannover für Fahrten zur Expo genutzt.

Die Organisatoren der Expo rechnen damit, dass bis Dienstag rund 18 Mill. Gäste die Weltausstellung besucht haben werden. Bei der Kalkulation vor Expo-Beginn waren 40 Mill. Besucher und ein Defizit von nur 400 Mill. DM angenommen worden.

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