Bahn verzichtet auf Regionaltarife
Bewegung in Bahn-Tarifkonflikt

Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn sind sich Gewerkschaften und Arbeitgeber in der fünften Runde näher gekommen. Die Bahn verzichtet inzwischen auf die Forderung nach regional differenzierten Tarifen. Damit sei die Voraussetzung geschaffen, weiter zu kommen, erklärte der Chef der Bahngewerkschaft Transnet, Norbert Hansen am Freitagsabend am Rande der Verhandlungen.

HB/dpa BERLIN. Ein neues Lohnangebot hatte die Bahn bis zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht vorgelegt. Beide Seiten betonten die Absicht, in dieser Runde eine Einigung zu erzielen und notfalls das Wochenende durchzuverhandeln. Regional differenzierte Tarifverträge und Entgelte sowie komplett neue Tarifstrukturen waren Kernforderungen des Bahn-Managements.

Damit wollte das bundeseigene Unternehmen auf den schärfer werden Wettbewerb durch billigere Konkurrenten reagieren. Hansen erklärte in einer Verhandlungspause, die Absicht der Bahn, einen Tarifabschluss mit Strukturveränderungen zu verbinden, sei vom Tisch. "Es gibt somit eine gute Chance, fertig zu werden." Ähnlich äußerte sich der Chef der Verkehrsgewerkschaft GDBA, Klaus-Dieter Hommel. Er sei "froh, dass die Paketlösung vom Tisch ist". Laut Bahn-Personalvorstand Norbert Bensel wurden die "Themen eingegrenzt": Dazu zählten vor allem die Ost-West-Anpassung und die Entgelthöhe. "Wir wollen zu einem Ergebnis kommen", sagte er.

Zuvor hatte Transnet für den Fall eines Scheiterns der Verhandlungen mit massiven Streiks gedroht. Sollte bis zu diesem Wochenende keine Verhandlungslösung gefunden werden und auch eine mögliche Schlichtung keine Einigung bringen, werde es eine "Welle harter Streiks" geben, hatte Hansen vor den Gesprächen angekündigt. Vor mehreren tausend Bahn-Beschäftigten forderte Hansen auf einer Kundgebung vor der Konzernzentrale ein verbessertes Lohnangebot. Vor den Gesprächen war der Ton zwischen den Gewerkschaften und dem Management wegen eines Streits über die weitere Konzernpolitik deutlich rauer geworden.

Transnet und GDBA fordern für die 160 000 Bahn-Angestellten fünf Prozent höhere Entgelte sowie eine sofortige Anpassung der Ost-Einkommen an West-Niveau. Die getrennt verhandelnde Lokführergewerkschaft GDL, die vor allem einen Spartentarifvertrag fordert, hatte vor mehr als einer Woche das Scheitern erklärt und die Schlichtung angerufen. Davor gab es regionale Warnstreiks von Transnet/GDBA sowie einen bundesweiten Protest der Lokführer.

Das letzte Lohnangebot der Bahn sah für 2003 zwei Einmalzahlungen von je 200 Euro vor. Im nächsten Jahr sollten die Entgelte um mindestens zwei und im Jahr 2005 um weitere 1,8 Prozent angehoben werden. Der Tarifvertrag soll nach dem Willen der Bahn bis Ende Februar 2006 laufen. Die Bahn hatte sich laut Transnet zuletzt zu einem Stufenplan zur Ost-West-Anpassung bereit erklärt. Derzeit erhalten die Ost-Bahner 90 Prozent des Westniveaus. Die in Aussicht gestellte Bonuszahlung nach einem Gewinn im Jahr 2004 sah zuletzt durchschnittlich 200 Euro vor.

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