Bahn will langfristig alle Speisewagen abschaffen
Mitropa will außerhalb der Bahnhöfe wachsen

Wer künftig im ICE 3 mit Tempo 300 von Köln nach Frankfurt fährt, kann dieses Erlebnis nicht im Speisewagen genießen: Es wird nur Steh-Bistros geben. Die Mitropa, Servicetochter der Bahn, sucht insgesamt ein schlankeres Konzept. Eine schwarze Null in der diesjährigen Bilanz sichert vorerst das Überleben.

FRANKFURT/M. Zum Geburtstag am Samstag gab es Sekt und Orangensaft für die Gäste in den Zügen: Die Mitropa AG, hundertprozentige Tochter der Deutschen Bahn AG mit traditionsreichem Namen, wurde 85 Jahre alt. In der Unternehmenszentrale in Frankfurt keimt derweil Hoffnung auf, auch den 90. Geburtstag erleben zu können. Nachdem die Bahn bereits die Zerschlagung der chronisch defizitären gastronomischen Tochter anpeilte, ist der Bestand jetzt zunächst gesichert, sagte Vorstandschef Oskar Mayr dem Handelsblatt.

Nach verlustreichen Jahren - zuletzt 2000 mit 30 Mill. DM bei 686 Mill. DM Umsatz - will die Mitropa in diesem Jahr die "schwarze Null" erreichen. Das Unternehmen habe sich eine wesentlich flachere Struktur gegeben: Rund 500 Mitarbeiter - vorwiegend aus den Führungsetagen - mussten gehen. Eine Kapitalrendite von 14 % bis 2004 hält Mayr, der im vorigen Jahr zur Mitropa stieß, für machbar.

Den konsequenten Sparkurs lobt auch der Mutterkonzern. Hans G. Koch, Marketing-Vorstand der DB Reise & Touristik AG: "Die Mitropa hat ein Jahr der Sanierung erfolgreich hinter sich gebracht." Doch ganz zufrieden sind die Bahner mit den Gastronomen gleichwohl nicht. "Wir müssen den Service wieder nach vorne bringen", fordert Koch von den Mitropa-Mitarbeitern.

Keine Renaissance des Speisewagens

Wie sich bessere Dienste in den Zügen mit der verordneten Sparsamkeit vereinbaren lassen, wollen Bahn - und Mitropa-Beschäftigte jetzt in gemeinsamen "Workshops" herausfinden. Dass es kaum zu einer Renaissance des Speisewagens kommt, ist allen Beteiligten klar. Koch gibt die Marschrichtung vor: "Generell wollen wir ein Bistro-Konzept". Er denkt dabei nicht an verräucherte Stehkneipen im Zug, die die Mitropa derzeit betreibt. "Es kann nicht das Bistro sein, das wir heute haben. Da muss uns was einfallen", sagt Koch - "mit ein bisschen mehr Zeitgeist und mehr Variationen."

Auf der nächstes Jahr in Betrieb gehenden Hochgeschwindigkeitsstrecke Köln - Frankfurt sollen sämtliche 300 km/h schnelle ICE 3 dann ein zweigeteiltes Bistro haben - eins für Raucher, eins für Nichtraucher. Die heute schon mit Restaurant ausgestatteten Züge werden umgebaut, wenn man erst einmal weiß wie. Der Mitropa denkt dabei an ein attraktives, preisgünstiges Sortiment, "mit Finger Food und schmackhaften kleinen Gerichten", sagt Mitropa-Chef Mayr. Verbessert werden soll auch der Service am Platz.

Ausbau stationärer Aktivitäten

Unterdessen versucht das Unternehmen, das neben der rollenden Schienengastronomie in Tages- und Nachtzügen über 200 gastronomische Betriebe in Bahnhöfen und 27 Autobahn-Raststätten betreibt, seine stationären Aktivitäten auszubauen. Während heute 55 % des Umsatzes im Zug und 45 % an festen Standorten gemacht werden, soll dieses Verhältnis umgekehrt werden. Dazu will die Mitropa verstärkt die Expansion in Einkaufszentren suchen. In Wuppertal wurde der Anfang gemacht, in Kassel und Dresden folgen weitere Betriebe. Zudem sind drei neue Autobahn-Rasthäuser im Bau. Mit den Gewinnen im stationären Bereich will Mayr die hohen Fixkosten im logistisch anspruchsvollen rollenden Geschäft ausgleichen.

Die Bahn AG beobachtet solche Aktivitäten genau. Denn sie würde gern darauf verzichten, weiterhin jährlich 70 Mill. DM an "Service-Entgelt" an die Mitropa zu überweisen.

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