Bahnbetreiber entdecken den Transport von Lkw und Containern
Kombinierter Verkehr kommt europaweit in Fahrt

Der Kombinierte Verkehr, der Lkw und Container auf der Schiene befördert, kommt in Fahrt. Vor dem Hintergrund der Lkw-Maut sehen große und kleine Bahnbetreiber wachsende Chancen in dem Geschäft, das bislang als zu teuer und wegen der Umladevorgänge von der Straße auf die Schiene und wieder zurück als zu umständlich galt.

DÜSSELDORF. Jetzt erwartet die Branche jährliche Wachstumsraten zwischen 5 und 10 %. Die Liberalisierung des Bahnverkehrs, die EU-Osterweiterung, der Wettbewerb der Seehäfen und ein starkes Wachstum der Containerströme bringen dem Kombinierten Verkehr nach Ansicht von DB- Cargo-Vorstand André Zeug "starken Rückenwind". Die Maut allein bringe das Geschäft nicht sprunghaft nach vorne. Gleichwohl hätten die Spediteure erstmals das Gefühl, dass ihnen die Straße nicht mehr unbegrenzt zur Verfügung steht.

Ähnlich urteilt Gudrun Winner- Athens, Vorsitzende des Verwaltungsrates der Kombiverkehr KG. Die Gesellschaft ist größter europäischer Betreiber eines Netzes von 100 Zügen, die jede Nacht nach festem Fahrplan fahren. Sie befördern komplette Lastzüge, Lkw-Aufbauten, Sattelauflieger und Container. Allein auf den deutschen Strecken habe man im letzten Jahr 25 % Wachstum erzielt. Spediteure, die bisher die Alternative Schiene nicht entdeckt hätten, könnten nun eher zum Umsteigen bewegt werden.

"Da ist unglaublich viel in Bewegung", beobachtet Klaus Sporenberg, Prokurist bei dem Eisenbahnunternehmen Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK). Mit der Swiss Rail Cargo, einer Gemeinschaftstochter der Schweizer Bundesbahnen (SBB), des Huckepack- Spezialisten Hupac und der HGK, sind die Kölner mit eigenen Loks in das Nord-Süd-Gütergeschäft auf der Route Rotterdam - Schweiz eingestiegen.

20 Züge der erst 2002 gegründeten Firma transportieren auf dieser Strecke täglich Chemie- und Mineralölprodukte und fahren im Kombinierten Verkehr. Den großen Wettbewerber Deutsche Bahn, der vor allem über die Aktivitäten seines Nachbarn SBB wenig begeistert ist, habe die Schienenpartnerschaft in Köln weniger im Blick, betont Sporenberg: "Wir versuchen einfach, die Kisten von der Straße auf die Schiene zu holen."

Auch DB Cargo hat sich neu aufgestellt

In die Schweiz zieht es auch Matthias Raith, Geschäftsführer der Essener Rail4chem. Dort hat die auf Chemie-Transporte spezialisierte Bahnfirma, an der BASF sowie die Transportspezialisten Bertschi, Hoyer und VTG-Lehnkering beteiligt sind, eine Tochter gegründet. Ziel sei , so Raith, ein europaweit tätiges Bahnunternehmen zu werden. Kombinierter Verkehr mache bei ihm bereits 20 % des Geschäfts aus.

Auch DB Cargo hat sich für die Kombi-Sparte neu aufgestellt. Vor einigen Wochen gliederte sie den Bereich, der letztes Jahr 17 % der Güter-Tonnage und rund 550 Mill. zum Cargo-Umsatz von 3,3 Mrd.Euro beisteuerte, in die eigenständige Firma Railion Intermodal Traction aus. Schnell, flexibel und kostengünstig soll das Unternehmen losgelöst von der Muttergesellschaft arbeiten. Vorstand Zeug gibt unumwunden zu: "Geld verdienen kann man in diesem Geschäft nur mit einfachen Strukturen, wie es uns die Privaten vormachen. Bis 2005 will er seinen Geschäftszweig in die schwarzen Zahlen führen.

Mit 50 eigenen Loks geht das neue Unternehmen an den Start und schafft sich so Unabhängigkeit von der internen Logistik von DB Cargo. In der Branche gilt das als einer der entscheidenden Schritte. Kombiverkehr-Geschäftsführer Werner Maywald: "Wir sind sehr happy darüber, dass unser Carrier künftig über eigenes Equipment verfügt." Das erhöhe die Pünktlichkeit; bei ausländischen Bahnen passiere es immer wieder, dass ein Zug wegen fehlender Lok einfach abgestellt werde.

Seit einem Jahr ist DB Cargo 50-Prozent-Gesellschafter bei Kombiverkehr, neben rund 240 Spediteuren. 2002 holte die Firma knapp 900 000 Lkw-Einheiten auf die Schiene. Von der Partnerschaft, so Winner-Athens, habe das Geschäft profitiert: Heute liege die Pünktlichkeitsquote im nationalen Netz über 90 % - früher habe es manchmal Verspätungen von Tagen gegeben.

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