Bahnchef erneut auf Konfrontationskurs zu Verkehrsminister Bodewig
Mehdorn schlägt Alarm

Hartmut Mehdorn befürchtet schweren Schaden für die Bahn AG, falls über die von ihm abgelehnte Trennung von Netz und Bahnbetrieb erst nach der Bundestagswahl 2002 entschieden wird.

HB BERLIN. Die Diskussion um eine Herauslösung des Schienennetzes aus dem Bahnkonzern gefährdet nach Ansicht von Bahnchef Hartmut Mehdorn die Sanierung des Unternehmens. Die Ungewissheit über die Zukunft wirke sich verheerend auf die Motivation der Mitarbeiter aus, solange eine Rückkehr des Netzes unter staatliche Kontrolle nicht vom Tisch sei, sagte Mehdorn dem Handelsblatt.

Der Bahnchef drängt auf eine rasche Lösung. Für ihn ist es unvorstellbar, die Entscheidung über eine Trennung von Netz und Transportunternehmen bis nach der Bundestagswahl hinauszuzögern. Damit würde die Unternehmensentwicklung im Bahnkonzern praktisch für fast zwei Jahre lahm gelegt.

Bahnchef Mehdorn geht damit erneut auf Konfrontationskurs zu Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD). Dieser hatte sich in der seit letztem Herbst geführten Trennungsdiskussion zunächst abwartend geäußert. Dann aber verkündete er auf dem Parteitag der Grünen in Stuttgart im März überraschend, die Trennung sei beschlossene Sache. Wie zahlreiche andere Politiker auch erhofft sich Bodewig von dieser Lösung einen intensiveren Wettbewerb und mehr Verkehr auf dem Schienennetz.

Dies löste den strikten Widerspruch des Bahnchefs aus. Nach einer Aussprache mit dem Minister wurde Mehdorn in die von Bodewig aufgestellte "Task Force" aufgenommen, die "ergebnisoffen" Lösungsvorschläge erarbeiten soll - bis nach der Bundestagswahl 2002, um das Thema aus dem Wahlkampf herauszuhalten.

"Die Politik spielt derzeit mit der Bahn Fußball und will mitten im Spiel die Regeln ändern, das kann nicht gut gehen", warnte Mehdorn. Er bekräftigte die Auffassung, dass die Trennung von Netz und Betrieb den Eisenbahnbetrieb gravierend störe. Eine staatliche Netz AG bedeute einen Rückschritt in der Bahnreform, weil letztlich wieder eine Behörde geschaffen werde.

Mit der Trennungsdiskussion lenkt die Politik nach Mehdorns Meinung von den eigentlichen Problemen ab. Immer noch gebe es keine Chancengleichheit auf dem Verkehrsmarkt. Nun werde versucht, über die Herauslösung der Infrastruktur "die Sache mit Ordnungspolitik einfach wegzuretuschieren". Ins Bild passe da auch, dass die drei im Aufsichtsrat sitzenden Staatssekretäre schon heute ein übergeordnetes Kontrollgremium bildeten und der Bundesrechnungshof durch die Hintertür die Bahn kontrollieren wolle: "Da trägt der Eigentümer eine Hose mit Gürtel und Hosenträger ", ärgert sich Mehdorn.

Die Bahn sei kein Monopolist. Es gebe zu ihr stets Alternativen - in jedem Fall auf der Straße. Die Bahn AG betreibe auch keinen Verdrängungswettbewerb gegen regionale Schienenverkehrsanbieter: "Wir brauchen die kleinen Bahnen als Ergänzung zu unserem Angebot."

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