Bahnhof war voller Menschen
Erneutes Bludbad in Israel

Am Bahnhof der israelischen Stadt Naharija nördlich von Haifa hat sich am Sonntag ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt und drei Menschen mit in den Tod gerissen. 21 weitere seien verletzt worden, teilte die Polizei außerdem mit.

Reuters JERUSALEM. Zu dem Anschlag bekannte sich die radikal-islamische Hamas-Bewegung. Kurz zuvor hatten Palästinenser einen Kleinbus mit Lehrern angegriffen und zwei Menschen erschossen. Ein Sprecher von Ministerpräsident Ariel Scharon warf Palästinenser-Präsident Jassir Arafat vor, die Gewalt zu schüren, während ein Treffen zwischen ihm und Außenminister Schimon Peres vorbereitet werde. Am Vortag hatten Soldaten einen Palästinenser in Gaza-Streifen getötet.

Der Anschlag in Naharija ereignete sich zu Beginn der Arbeitswoche in Israel, als sich zahlreiche Israelis auf dem Weg zu ihren Arbeitsstellen und viele Soldaten unterwegs zu ihren Kasernen befanden. Der Bahnhof war daher zum Zeitpunkt des Anschlags voller Menschen. Der Attentäter zündete die Bombe in einem Geschäft in der Nähe des Eingangs zum Bahnhof. Die aus Katar sendende Fernsehstation El Dschaseera berichtete, die militärischen Kassam-Brigaden der Hamas hätten sich zu dem Anschlag bekannt.

Der Angriff auf den Kleinbus mit israelischen Lehrern hatte sich zuvor im Westjordanland ereignet. "Ein Auto mit palästinensischem Nummernschild hat den Kleinbus überholt, dann eröffneten Bewaffnete aus dem Wagen das Feuer", sagte der Sicherheitschef für die jüdischen Siedlungen im besetzten Jordantal, Gad Katt, im Rundfunk. Der Fahrer und eine Lehrerin seien getötet worden. Am Vortag erschossen israelische Soldaten einen Mann, der nach palästinensischen Angaben mit einem zweiten versucht hatte, durch den Grenzzaun nach Israel zu gelangen. Panzer hätten drei Granaten auf die beiden abgefeuert, einen getötet und den anderen verwundet. Aus Kreisen der Demokratischen Front für die Befreiung Palästinas (DFLP) verlautete, die beiden seien unterwegs nach Israel gewesen, um dort Anschläge zu verüben.

Bei Rafah im Gaza-Streifen wurde nach Angaben von Krankenhausmitarbeitern und Augenzeugen ein 13-jähriger Palästinenser von israelischen Soldaten erschossen. Der Junge sei im Bauch getroffen worden, hieß es. Die israelische Armee erklärte, ihre Soldaten hätten zum Zeitpunkt des gemeldeten Zwischenfalls nicht geschossen.

Bei Ramallah im Westjordanland hatten israelische Kampfhubschrauber ein Büro der Fatah-Organisation von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat angegriffen. Die Armee erklärte, der Angriff sei eine Vergeltung für die tödlichen Schüsse von Palästinensern auf einen israelischen Soldaten am Donnerstag. Bei dem Angriff wurde offenbar niemand verletzt.

In den Bemühungen um eine Lösung des Konflikts dringt die Europäische Union (EU) jetzt auf ein intensiveres Engagement der US-Regierung. Sie möge ihre Zurückhaltung aufgeben und mehr Druck auf ihren Verbündeten Israel ausüben, erklärten die EU-Außenminister bei ihrem Treffen in Belgien. "Die USA können die Situation nicht weiter aus der Ferne betrachten. Wir wollen, dass sie sich voll engagieren", sagte Frankreichs Außenminister Hubert Vedrine. Auch die belgische EU-Ratspräsidentschaft forderte eine aktivere Rolle der USA im Nahen Osten.

Die USA hatten ihre Vermittlungsbemühungen im Nahen Osten nach dem Amtsantritt von Präsident George W. Bush im Januar verringert, während die EU sie in den vergangenen Monaten verstärkte. Der Außenpolitikkoordinator der EU, Javier Solana, hatte die Region bereist, um ein Treffen zwischen dem israelischen Außenminister Schimon Peres und Arafat zu erreichen. Dafür hatte sich auch Bundesaußenminister Joschka Fischer eingesetzt.

Solana berichtete den Ministern in Genval über seine Reise. Seine Sprecherin sagte, Arafat wollte Solana am Sonntag anrufen und ihm mitteilen, wo und wann er Peres treffen werde. Peres hatte gesagt, er wolle sich diese Woche mit Arafat treffen. In Israel verlautete indes aus hochrangigen politischen Kreisen, Ministerpräsident Scharon habe seinem Außenminister nur ein sehr begrenztes Mandat für ein Gespräch mit Arafat erteilt habe.

In Kairo kamen am Sonntag die Außenminister der Arabischen Liga zusammen. Im Mittelpunkt ihres zweitägigen Treffens steht der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern.

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