"Baisse nährt die Baisse"
Banken raten zu gesunder Skepsis beim Einstieg

Die Börsen befinden nach Einschätzung der Commerzbank weltweit in einem Teufelskreislauf.

ddp. FRANKFURT. Nach dem Motto "Die Baisse nährt die Baisse" trübe sich mit fortgesetzten Kursverlusten das konjunkturelle Umfeld weiter ein, und Konsumenten wie Investoren hielten sich zurück - mit abermals negativen Folgen für die Wirtschaft und die Ertragsaussichten der Unternehmen, hebt das Frankfurter Geldinstitut am Freitag in seinem Wochenbericht hervor. Angesichts der desolaten Verfassung der Aktienmärkte, die sich immer mehr einer vernünftigen fundamentalen Betrachtung entzögen, rät es zu einem defensiven Anlageverhalten. Bei Neuengagements sollte auf jeden Fall auf dividendenstarke und günstig bewertete Titel geachtet werden.

Das Stuttgarter Bankhaus Ellwanger & Geiger sieht die Aktienmärkte vor einem Scherbenhaufen. Nach den panikartigen Verkäufen der vergangenen Tage zeigten Umfragen unter Analysten, dass die Stimmung auf einem Tiefpunkt sei. Die augenblickliche Schwarzseherei und die Erfahrung der zurückliegenden zweieinhalb Jahre "lassen es sicherlich ratsam erscheinen, mit gesunder Skepsis dem Aktienengagement gegenüber zu stehen" betonten die Privatbankiers. Allerdings sollten sich Anleger "in keinem Falle von diesem abwenden", fügten sie hinzu. Beim Dax sollte in einer stark überkauften Marktlage eine technische Erholung in die Bereiche um 3250 Zähler wieder möglich erscheinen.

Die DZ-Bank verweist ebenso wie die Commerzbank auf den Absturz des Dax im Wochenverlauf auf den niedrigsten Stand seit Anfang 1997. Nachdem die Angst vor erneuten Attentaten nach dem ersten Jahrestag des 11. September weiter verebbt sei, dominierten die Entwicklung des Irak-Konfliktes und die Vorberichtssaison in den USA das Geschehen an den Weltmärkten, heißt es. Vor allem die Gewinnwarnung von JP Morgan Chase und Gerüchte über erhöhte Ausfallrisiken im Kreditportfolio der US-Bank hätten auf die Stimmung am Aktienmarkt gedrückt. Die Zusage Iraks, erneut Inspekteure der Vereinten Nationen ins Land zu lassen, habe die Stimmung nur kurzfristig aufhellen können.

Differenziert fallen die Erwartungen zur Auswirkung der Bundestagswahl auf die Aktienkurse aus. Deren Ausgang werde wohl keine spürbaren Auswirkungen haben, sofern eine stabile Regierungsmehrheit zu Stande kommt, sagt die Commerzbank voraus. Allenfalls einige Meinungskäufe ausgewählter Aktien halten die Analysten der Bankgesellschaft Berlin für möglich: Im Falle eines Sieges Schröders könnten für kurze Zeit die Aktien der Deutschen Telekom oder die Postaktien favorisiert werden, während ein Wahlsieg Stoibers Meinungskäufe zu Gunsten der Versorger auslösen könnte. Die DZ-Bank vertritt hingegen die Ansicht, dass der Ausgang der Bundestagswahl nur geringe Auswirkungen auf den Gesamtmarkt haben dürfte. Die Bereitschaft der Volksparteien zu umfassenden Reformen sei nicht erkennbar. Daher dürfte der Ausgang der Wahl auch für den Fall eines Regierungswechsels nur kurzfristig Auswirkungen auf die Entwicklung der deutschen Aktien haben, betont die Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank.

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