Baisse zehrt Reserven auf
Lebensversicherungen senken versprochene Renditen

Die Kunden der Lebensversicherer müssen künftig mit niedrigeren Überschussbeteiligungen rechnen. Die Unternehmen werden ihre bisherigen Zusagen nicht halten können.

DÜSSELDORF/FRANKFURT/M. Fallende Aktienkurse, niedrige Zinsen und zum Teil auch schwache Immobilienmärkte setzen den Lebensversicherern zu. Die Gesellschaften schreiben ihren Kunden seit Jahren höhere Zinsen gut als sie an den Kapitalmärkten verdienen. Mit der Börsen- und Zinsflaute schwinden die Reserven, aus denen zugebuttert wird. Die Folge: Die Branche muss ihre Leistungen senken.

Im Schnitt hat die Branche ihren Kunden für das vergangene Jahr noch 7 % "Überschussbeteiligung" auf die Sparguthaben gutgeschrieben. Das funktioniert nur, weil in früheren Jahren wesentlich mehr verdient wurde. Mit den Überschüssen hatten die Unternehmen Reservepolster aufgebaut, aus denen sie seit Beginn der Niedrigzinsphase ihre Anlageergebnisse für die Kunden aufbessern konnten. Vielen Versicherern fehlen dazu nun die Mittel.

"Hier trennt sich die Spreu vom Weizen", sagt Reiner Will, Geschäftsführer der Rating-Agentur Assekurata in Köln, "die Zins- und Aktienentwicklung stellt die Versicherer vor Probleme". Fast alle Gesellschaften haben 1997 bis 1999 in großem Stil Aktien verkauft. Seit Frühjahr 2000 wird es eng, weil die Börse nicht mehr läuft.

Besonders hart erwischt hat es die Hannoversche Lebensversicherung. Neue Policen kalkuliert sie seit Anfang Februar nur noch mit einer Verzinsung von 6 %. Altkunden bekommen Sätze von 6,5 bis 6,75 %. Der Grund: Die am Markt erzielte Rendite der Kapitalanlagen (Nettoverzinsung) ist bei dem Unternehmen auf 5,2 % eingebrochen - nach 7,1 % im Jahr 1999. Die Reservedecke ist seit 1998 sehr dünn. "Eine Glättung der Nettoverzinsung ist nicht möglich gewesen, da dazu die Reserven momentan nicht ausreichen", sagt eine Sprecherin. Ausgerechnet die Hannoversche ist wegen ihrer transparenten Ausschüttungspolitik Liebling der Verbraucherschützer. Die Kehrseite: Das Reservepolster blieb dünn, die Schwäche der Kapitalmärkte schlägt schnell durch.

Helmut Müller, Präsident des Bundesaufsichtsamtes für das Versicherungswesen (BAV): "Immer weniger Gesellschaften kommen darum herum, die Überschussbeteiligung empfindlich in Richtung 6 % zu senken. Wer Reserven hat, darf nicht vergessen, dass die auch mal aufgebraucht sind."

Besser geht es beispielsweise der Allianz Leben. Der Marktführer hat hohe Reserven aufgebaut. Diese so genannten stillen Reserven liegen bei knapp 20 % der gesamten Kapitalanlagen. Das gibt einen langen Atem: Um ihren seit drei Jahren konstanten Satz von 7,5 % durchzuhalten, werden weiter Aktien versilbert. Ergebnis einer guten Anlagestrategie: Im Vorteil sind Gesellschaften, die schon vor vielen Jahren Aktien günstig gekauft haben.

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