Bakterien werden immun
Wissenschaftler warnen vor zu häufiger Verordnung von Antibiotika

Ärzte und Kliniken gehen nach Ansicht von Wissenschaftlern oft zu sorglos mit Antibiotika um. Die Verordnung der Medikamente sei bei vielen Krankheiten unnötig und überflüssig, teilte die Initiative "Zündstoff Antibiotika Resistenz" in Berlin mit.

dpa Berlin. Die Mahnung der Ärzte hat einen medizinischen Hintergrund: Viele Antibiotika büßen immer mehr von ihrer Wirksamkeit ein, weil sich die Erreger durch die häufige Anwendung an die Mittel gewöhnen und widerstandsfähig (resistent) werden. Damit wächst auch das Risiko, an einer schweren Infektion zu sterben.

Antibiotika gehören zu den am häufigsten eingesetzen Arzneimitteln. In vielen Kliniken liegen sie nach Angaben der Fachleute bereits an der Spitze der verordneten Medikamente und beanspruchen rund ein Drittel des Budgets. "Bei einer schweren Infektion macht die wachsende Unempfindlichkeit der Bakterien gegenüber Antibiotika die Behandlung nicht nur komplizierter, sondern auch teurer und riskanter", sagte Mathias Herrmann vom Institut für Mikrobiologie und Hygiene in Homburg/Saar.

Laut Hermann zeigen Studien, dass über die Hälfte aller Behandlungen mit Antibiotika im Hinblick auf die Substanzwahl, die Dosis oder die Therapiedauer fehlerhaft sind. Ursachen dafür seien unter anderem eine mangelnde Diagnostik, Fehlinterpretationen der Befunde und ein falsches Sicherheitsbedürfnis der Mediziner, ergänzte der Professor. In der Praxis würden häufig schon bei einfachen Erkältungskrankheiten Antibiotika verschrieben. Die Chancen, dass Bakterien Resistenzen gegenüber den Wirkstoffen entwickeln, steige damit an.

"Das ist ein schwer unterschätzes Problem", sagte Michael Kresken von der Gesellschaft für klinisch-mikrobiologische Forschung in Bonn. "Seit Mitte der 80er Jahre ist in Deutschland bei den meisten Bakteriengruppen eine Zunahme der Resistenz gegen viele Antobiotika zu beobachten." Die Medikamente sollten daher so wenig wie nötig und so gezielt wie möglich eingesetzt werden - und nicht nur auf einen einfachen Verdacht hin, so der Rat der Fachleute.

In der Initiative "Zündstoff Antibiotika Resistenz" haben sich die Paul Ehrlich Gesellschaft für Chemotherapie, die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie und die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie zusammengeschlossen.

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