Balance zwischen Flexibilität und Sicherheit gefunden
Zeitarbeit entschärft Arbeitskräftemangel

Aus der niederländischen Wirtschaft ist Zeitarbeit nicht mehr weg zu denken. Es ist das Land mit der höchsten Zeitarbeitsquote der Welt: gut 4 % der berufstätigen Bevölkerung arbeiten mit Vermittlung eines Zeitarbeitsbüros. Insgesamt beschäftigen Zeitarbeitsfirmen mehr als 700 000 Menschen ganztags oder in Teilzeit.

BRÜSSEL. Nach jahrelangem Boom gibt es 2 500 Zeitarbeitsfirmen, darunter vier börsennotierte Konzerne, mit einem seit 1985 mehr als verdoppelten Gesamtumsatz von 6,6 Mrd. ?. Die Top 10 tragen davon 90 %. Der niederländische und deutsche Marktführer Randstad ist weltweit Nummer drei.

Eine staatliche Subventionierung von Zeitarbeit gibt es nicht. Die Branche entwickelte sich eigenständig und trug seit den 80er-Jahren bis Mitte der 90er-Jahre nach Einschätzung des Arbeitsministeriums in Den Haag deutlich zur Senkung der ursprünglich hohen Arbeitslosigkeit bei. Die Arbeitslosenquote liegt derzeit bei 2,3 %.

Seit einigen Jahren führt jedoch die niedrige Arbeitslosigkeit zu einem derartigen Arbeitskräftemangel, dass sogar den Zeitarbeitsfirmen Arbeitskräfte fehlen, die eigentlich Engpässe entschärfen helfen wollen. "Trotz ihrer großen Bedeutung gelingt es der Branche nicht, die 175 000 offenen Stellen zu besetzen", sagte ein Sprecher des Arbeitsministeriums.

Um Zeitarbeit zu stimulieren sowie den Markt zu flexibilisieren und die Rechtsstellung des Zeitpersonals zu verbessern, handelte die noch amtierende sozial-liberale Regierung 1998 mit Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften ein Gesetz "Flexibilität und Sicherheit" aus. Es gilt als eine der großen Leistungen des so genannten niederländischen "Poldermodells". Seither ist es für Arbeitgeber leichter, Zeitarbeitskräfte zu beschäftigen - und auch, sich von auf Zeit beschäftigtem Personal wieder zu trennen. Sie können einen Mitarbeiter zum Beispiel drei Jahre hintereinander auf Zeit beschäftigen, bevor sie ihm einen festen Vertrag geben müssen.

Als Gegenleistung für diese Flexibilisierung zu Gunsten der Arbeitgeber erhielten die Arbeitnehmer bestimmte Sicherheiten. Sobald Zeitpersonal für ein Jahr unter Vertrag stehen, müssen sie von der Zeitarbeitsfirma fest angestellt werden und erwerben Rentenansprüche. Wer die Beiträge zahlt, regelt ein Tarifvertrag. Oft teilen sich Zeitarbeitsgesellschaft und Arbeitnehmer die Beitragszahlungen. Zudem gibt es extra für Zeitarbeitskräfte eine kollektive Regelung für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Überdies dient es auch den Arbeitnehmern, die nach dreijähriger Entsendung zum selben Unternehmen das Recht auf einen Anstellungsvertrag haben.

Die in Deutschland aktuelle Diskussion darüber, nach welchen gesetzlichen oder tariflichen Maßstäben Zeitkräfte entlohnt werden sollten, ist in den Niederlanden seit 1999 durch einen Tarifvertrag zwischen Zeitarbeitsbranche und Dienstleistungsgewerkschaft geklärt: Danach erhalten Zeitkräfte den Lohn, den auch die Stammbelegschaften in den jeweiligen Einsatzbetrieben bekommen. Die Befürchtung, Zeitarbeit könne damit an Attraktivität für die Arbeitgeber verlieren, hat sich nicht bestätigt.

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