Bald am Ende?
Anwälte raten Anlegern der Göttinger Gruppe zum Ausstieg

Anlegeranwälte und Verbraucherschützer spekulieren seit Monaten über den Zeitpunkt einer möglichen Insolvenz der Göttinger Gruppe (GG).

rrl DÜSSELDORF. So vermutet der Münchner Anwalt Wilhelm Lachmair bereits jetzt: "Das Geld ist weg." Lachmair hat nach eigenen Angaben Forderungen von jeweils 30 bis 50 Mandanten zu Klagen zusammengefasst. Die sechste Klage sei in Vorbereitung. Die jeweiligen Ansprüche schwankten zwischen 600 000 und 850 000 Euro. Seine Erfahrung mit der Zahlungsmoral: "Die Göttinger Gruppe zahlt seit längerem erst, kurz bevor ein Besuch des Gerichtsvollziehers droht." Lachmairs Göttinger Kollege Jürgen Machunsky hat Ähnliches erlebt. Mehrfach habe er sich nach außergerichtlichen Vergleichen mit der Göttinger Gruppe einen "Titel" besorgen müssen. "Wenn der Titel da war, wurde gezahlt." Ein "Titel" ist ein Gerichtsurteil, das es erlaubt, Forderungen durch einen Gerichtsvollzieher eintreiben zu lassen.

Ein solches Zahlungsgebaren lässt unter Kaufleuten die Alarmglocken klingeln. Nur darf im Fall der GG nicht übersehen werden, dass bis zu 40 Jahre laufende Ratensparverträge mit Anlegern jeden Monat Geld in die Kassen spülen. Wie lange damit der laufende Geschäftsbetrieb am Leben gehalten werden kann, lässt sich nicht vorhersagen. Doch - langfristig betrachtet - wären Liquiditätsprobleme aus mehreren Gründen nicht verwunderlich:

Der Absatz der typischen und atypischen stillen Beteiligungen, z.B. "Pensions-Sparplan" getauft, ist immer schwieriger geworden, weil häufig vor diesen Angeboten gewarnt wurde. Allen voran ging der "DFI-Gerlach-Report". Seine seit 1993 währende Auseinandersetzung mit der GG endete im Januar 2002, als der Bundesgerichtshof die Revision der GG gegen ein Urteil des Oberlandesgerichts Köln nicht annahm. Das Urteil gestattet es dem DFI, das Beteiligungsmodell der GG als "modifiziertes Schneeballsystem" zu bezeichnen (Az.: 15 U 58/94 v. 6.3.01). Ab Mitte 1998 machten auch häufiger auflagenstarke Zeitungen und Fernsehmagazine auf Ungereimtheiten in den Geschäften der GG aufmerksam. Umso mehr Anlegern erschien das GG-Angebot dubios, und immer häufiger begriffen Finanzvertriebe, welches Haftungsrisiko sie durch den Verkauf der GG-Beteiligungssparpläne eingingen.

Ende 1999 untersagte das damals zuständige Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BaKred) der GG, Guthaben aus Sparplänen in Raten auszuzahlen. Die stattdessen notwendigen Einmalauszahlungen führen automatisch zu schnellerem Kapitalabfluss. Ein Jahr später stellt die GG den Vertrieb der stillen Beteiligungen ein.

Die Schieflage des von der GG übernommenen Bankhauses Partin kostete Geld, brachte die GG zusätzlich ins Gerede und bescherte ihr erneut heftige Auseinandersetzungen mit dem BaKred, das im August 2001 Insolvenzantrag für Partin stellte.

Anwälten gelingt es immer häufiger, Anleger von weiteren Ratenzahlungen zu befreien. Das schmälert die Einnahmen.

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