Bald DFB-Juniorencoach
"Fußball-Gott" Kohler tritt ab

In zwei Endspielen winkt Jürgen Kohler das einzigartige Happyend einer großen Fußball-Karriere: Der Welt- und Europameister möchte sich nach den letzten 90 Bundesliga-Minuten mit der Meisterschale und am kommenden Mittwoch nach 19 Profijahre mit dem Gewinn des Uefa-Cups von Borussia Dortmund und der großen Bühne verabschieden.

sid DORTMUND. Im Vorfeld seines 397. Punktspiels am kommenden Samstag gegen Werder Bremen versprach er den treuen Fans: "Wir werden deutscher Meister." Für Gefühlsduseleien und Erinnerungen bleibt vor dem dramatischen Saisonfinale und dem Uefa-Cup-Endspiel am nächsten Mittwoch in Rotterdam gegen Feyenoord Rotterdam keine Zeit, obwohl Kohler schon vor Wochen andeutete: "Wenn du ein halbes Leben mit dem verbracht hast, was dir Spaß macht, dann kommt schon Wehmut auf. Nach guten Spielen ist das Gefühl am stärksten." Und zuletzt zeigte der 36-Jährige, dass er noch immer ein Leistungsträger ist. Eine eigens für den 105-maligen Nationalspieler organisierte Riesen-Fete des Dortmunder Fanprojekts am Donnerstagabend mit rund 15 Bands, Solisten und bekannten Kabarettisten im Freizeitzentrum West konnte er nicht besuchen, sandte jedoch per Video eine Grußbotschaft.

Für die BVB-Anhänger war und ist Kohler der "Fußball-Gott", für die Klubführung ein vorbildlicher Arbeitnehmer und Sympathieträger. Deshalb hat Präsident Dr. Gerd Niebaum den Weltmeister (1990) und Europameister (1996) am Mittwoch als ehrenamtliches Mitglied ab dem 1. Juli in den Wirtschafts- und Beirat des Klubs berufen. Dazu Niebaum: "Wir freuen uns sehr, dass uns Jürgen, wie angekündigt, nach seiner aktiven Laufbahn für diese Tätigkeit zur Verfügung steht." Allzu gern hätte Niebaum den Musterprofi in die Vereinsarbeit eingebunden, zeigte aber Verständnis dafür, dass Kohler sich für die Tätigkeit als Juniorencoach beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) entschied. "Ich möchte der Borussia ein bisschen von dem zurückgeben, was der Verein für mich getan hat", erklärte Kohler.

Sein Erfolgsweg begann mit einer Meisterschaft mit Bayern München, es folgte der italienische Titel mit Juventus Turin und der Uefa-Cup-Sieg 1993 (im Finale gegen Dortmund), bevor er zu den Westfalen wechselte und dort bereits 1995 und 1996 die "Salatschüssel" sowie 1997 die Champions-League-Trophäe und den Weltpokal in den Händen halten konnte. Nur der DFB-Pokal wird in Kohlers stolzer Sammlung fehlen. Der eisenharte Abwehrspieler, der seine Bundesliga-Karriere 1983/84 unter den Fittichen des damaligen Kulttrainers Klaus Schlappner bei Waldhof Mannheim begann, hat alle Höhen und Tiefen des Geschäfts erlebt. Ein Innenbandriss im ersten Spiel der Euro 1996 in England und eine anschließende lange Zwangspause sowie der Fast-Abstieg des BVB vor zwei Jahren gehörten zu den schwersten Zeiten. Unvergessen sind aber auch die Duelle auf internationalem Parkett gegen den niederländischen Ausnahemstürmer Marco van Basten oder das Champions-League-Halbfinale 1997 bei Manchester United (1: 0), als Kohler als "Bodyguard" von Eric Cantona den Ball gleich dreimal von der Linie kratzte.

Kohler hat an Schnelligkeit und Spritzigkeit verloren, nur mit Routine sind die Defizite jedoch nur teilweise zu kompensieren. Deshalb ist der "Kokser", wie ihn die Kollegen rufen, überzeugt: "Der richtige Zeitpunkt zum Abschied ist gekommen. Wenn man zum siebten Mal 29 geworden ist, sollte man das realistisch sehen." Nur in punkto Titelkampf am Samstag hegt Kohler noch die schönsten Fußball-Träume.

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