Bald mehr Handynutzer als Festnetz-Telefonierer
Russlands Mobilfunker dominieren in Osteuropa

Der Moskauer Telefonkonzern MTS (Mobilnyje Tele-Systemy) ist auf der Überholspur: Erstmals hat der Konzern mehr Kunden als seine bisher führenden polnischen Konkurrenten - mit 4,4 Millionen Kunden hat MTS inzwischen die meisten Handy-Abonnenten in ganz Osteuropa.

MOSKAU. MTS gehört zu den Stars der osteuropäischen Telekombranche. Die Aktien des russischen Marktführers werden an westlichen Börsen gehandelt, die Deutsche Telekom AG hält einen Anteil von 40 % an dem Unternehmen. Analysten in Moskau erwarten, dass MTS im dritten Quartal die Führung gegenüber anderen Anbietern in Mittel- und Osteuropa ausweiten kann und deutlich über fünf Millionen Kunden haben wird. Grund für den Optimismus: Russen werden wohl in Zukunft das Handy dem Festnetz-Telefon vorziehen. Denn der Aufbau von Mobilfunknetzen ist in dem riesigen Land wesentlich billiger und geht schneller als das Verlegen moderner Glasfaserleitungen, und das alte Festnetz ist schlecht ausgebaut und marode.

Ende Juli hatten 12,5 Millionen Russen ein Handy

Pro Nummer kostet ein neues Mobilfunknetz nach Berechnungen der Moskauer Investmentbank Renaissance Kapital 200 bis 300 $, ein Festnetzanschluss 500 $. Ende Juli hatten 12,5 Millionen Russen ein Handy, zu Jahresbeginn waren es noch 8 Millionen gewesen. Insgesamt haben 7 % der 145-Millionen-Bevölkerung ein Mobiltelefon, 21 % ein stationäres Gerät.

Hinzu kommt: Die Mobilfunknetze sind nach wie vor regional stark zersplittert. MTS und der zweitgrößte russische Anbieter, Vimpel-Com, sind bisher die einzigen, die durch Übernahmen regionaler Anbieter ihre nationalen Marken ausbauen.

Auch lange Wartezeiten auf den Festnetzanschluss, die üblichen Bestechungsgelder und die immer wieder aufflammende Diskussion, dass Festnetz-Telefonieren künftig nicht mehr nur eine Monatspauschale, sondern zusätzlich Gebühren pro Gespräch kosten soll, wirken zu Gunsten der Handynetz-Betreiber.

Konkurrenz ist erbarmungslos

Doch die Konkurrenz unter den russischen Mobilfunk-Anbietern ist erbarmungslos - nicht zuletzt, weil Westkonzerne in Russlands Mobilfunk stark engagiert sind: Die Telekom bei MTS, Norwegens Telenor bei Vimpel-Com. Hinter der im November 2001 gestarteten Nummer drei, Megafon, stehen die Commerzbank, die schwedische Telia und die finnische Sonera.

Die Folge: Gewaltige Werbeschlachten treiben die Kosten für die Gewinnung neuer Kunden in die Höhe, die Tarife sind im freien Fall, und die Erlöse der Unternehmen je Kunde sinken: MTS erwirtschaftete zuletzt durchschnittlich 25 $ Umsatz pro Abonnent, während es im ersten Quartal 2001 noch 41 $ waren.

Anleger bei Vimpel-Com und MTS dennoch in jedem Falle richtig, meinen Analysten. Beide zeigten "starke Finanzergebnisse" für das erste Halbjahr 2002: MTS erwirtschaftete einen Umsatz von 564 Mill. $ und einen Reingewinn von 110,7 Mill. $. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch 372 Mill. $ Umsatz und 76 Mill. $ Gewinn gewesen. Vimpel-Com legte noch stärker zu: Von 175 Mill. $ Umsatz und 14 Mill. $ Reingewinn im ersten Halbjahr 2001 auf 318 Mill. $ Erlöse und 50 Mill. $ Profit. Russische Ölkonzerne legen ihre Milliarden-Überschüsse derzeit im Telekom-Sektor an.

Mobilfunkbetreibern wird es auf dem eigenen Markt zu eng

Russische Netzbetreiber drängen in die Nachbarstaaten und auf die Märkte Osteuropas. So hat eine Tochter der zweitgrößten russischen Ölfirma Yukos jetzt den osteuropäischen Arm des insolventen niederländisch-amerikanischen Telekomkonzerns KPN Qwest für 36,5 Mill. $ gekauft. Die Russen wollen mit den Netzen in Polen, Ungarn, Tschechien, Rumänien und der Slowakei zu einem großen Spieler in Osteuropa werden. Als nächstes sollen die russischen Mobilfunker nach Zeitungsberichten den chinesischen Markt ins Visier nehmen.

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