Archiv
Ballack quält sich für das Island-Spiel

Die Unterkunft liegt idyllisch im Wald und ist weiträumig abgesperrt. Teamchef Rudi Völler mag diese Häuser, "die ein bisschen kleiner sind", denn dort könnten sich die deutschen Fußball-Nationalspieler ungezwungen bewegen, "ohne die Mitbewohner aufzuschrecken". Hier in Reinbek bereitet sich die Nationalmannschaft zurzeit auf das EM-Qualifikationsspiel gegen Island am Sonnabend vor.

sth REINBEK. Als die Kollegen gestern trainierten, ist Michael Ballack alleine durch den Wald gelaufen. "Die Verletzung ist noch da", sagt der Nationalspieler vom FC Bayern. Nichts schwerwiegendes, und überhaupt: "Ich kenn ja die Situation." Gerade deshalb hat Karl-Heinz Rummenigge ausgesprochen, dass es besser wäre, wenn sich Ballack mal richtig auskurieren würde, anstatt wieder den Messias für Deutschland zu spielen. Ballack hatte daraufhin dem Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern geraten, "nicht so einen Scheiß zu erzählen". Die Angelegenheit ist inzwischen bereinigt, aber die Aufregung zeigt, welche Bedeutung Ballack inzwischen besitzt - für die Nationalmannschaft, aber auch für die Bayern, bei denen Ballack so etwas wie der Super-Superstar ist. "Sonst hätte er am Samstag nicht gespielt. Er ist zu wichtig, um auf ihn zu verzichten", sagt Völler. Das gilt auch für das DFB-Team.

Das Verhältnis zwischen Ballack und der Nationalmannschaft ist von wechselseitiger Abhängigkeit geprägt. "Der richtige Sprung zum Weltklassespieler war sicherlich in der Nationalmannschaft", sagt Völler. Der Teamchef verweist gerne auf die Ausscheidungsspiele zur WM gegen die Ukraine vor zwei Jahren, eine Art Erweckungserlebnis - für den deutschen Fußball und für Michael Ballack. Dass der das Team dann ins WM-Finale geschossen hat, "war kein Durchbruch mehr, sondern eine Bestätigung dessen, was er drauf hat", sagt Völler.

Auffällig war der Wandel in der öffentlichen Wahrnehmung während der WM 2002. Vorher galt Ballack als begnadeter Fußballer ohne Kampfgeist, danach als einer, der sich für das Team aufgeopfert hat. Weil er nicht nur Fußballer, sondern auch eine wichtige Werbefigur ist, sagt Ballack: "Natürlich ist die Nationalmannschaft eine Stufe höher als der Verein, vor allem vom öffentlichen Interesse her." Rummenigge wird das gar nicht gerne hören.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%