Ballsport
Die Angst des Batsman

Für anglophile Deutsche ist das Cricket eine Alternative - trotz des dicken Regelwerks.

Jerome übt schon mal. In mächtigen Sätzen hechtet er aus dem U-Bahn-Abteil, rennt in Richtung Körnerplatz und keucht dazu ein höfliches "Late" und "Sorry", das aber wegen der Hetze kaum verständlich ist und auch deswegen nicht ganz so klar, weil Jerome ein Australier ist, der in Berlin lebt.

Er ist Cricketspieler, was an seinem blütenweißen Outfit - weißes Polohemd, lange, weiße Baumwollhose, weiße Sportschuhe - heute Morgen unschwer zu erkennen ist. Gegen die Graumäusigkeit des gewöhnlichen Berliner U-Bahn-Publikums hebt er sich ab wie ein Schneemann gegen eine Kohlenhalde.

Jerome hat?s eilig, weil Punkt 11 Uhr heute Morgen ein Viertelfinale gegen eine Mannschaft aus dem Norddeutschen angesetzt ist; das Team des "Berlin Cricket Clubs" (BCC) ist natürlich fest entschlossen, das Spiel zu gewinnen. Dem Team des Hamburger SV geht zwar kein herausragender Ruf voraus, aber man weiß ja nie.

Jerome hätte sich seinen morgendlichen Sprint sparen können. Gegen 11.15 Uhr ist der BCC im Halbfinale der Deutschen Cricket Liga (DCL), das an diesem Wochenende in Berlin stattfindet, ohne auch nur einen einzigen Ball geworfen, geschlagen oder gefangen zu haben. Die Gäste aus dem Norden wussten von nichts - ein Organisationsdesaster, das die Berliner Cricketiers aber hinnehmen wie einen walisischen Frühlingsregen.

Schnell ist ein Trainingsspielchen angesetzt, und schnell sind die Wickets an beiden Seiten des Pitches postiert. Die beinhohen, dreistangigen Wickets werden vom Batsman, dem Mann mit dem Schläger, gegen den werfenden Bowler verteidigt - und zwar im 20 mal 3 Meter umfassenden Grasstreifen namens Pitch.

Der Bowler, der jetzt anläuft, muss wohl ein exzellenter 100-Meter- Läufer sein - so schnell sprintet er bis kurz vor die Begrenzung. Dann schleudert er windmühlenartig den Wurfarm, dass man sich Sorgen wegen der Fliehkraft machen muss, und katapultiert den roten Lederball in die Richtung des Wickets, indem er der Kugel vielleicht noch eine In-sich-Drehung ("spin") mit auf die Flugbahn gibt, um sie für den abwehrenden Schlagmann (Batsman) so hart, schnell und unberechenbar zu machen, dass der Mühe hat - und möglichst verfehlt.

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