Baltischer Deutschland-Gegner will nicht allein defensiv agieren
Lettland sucht Heil in der Offensive

Die Furcht vor dem Vize-Weltmeister aus Deutschland hält sich bei der lettischen Auswahl vor dem zweiten Gruppenspiel in Grenzen. Verstecken will man sich vor dem Favoriten nicht.

HB BERLIN. Nicht nur beim deutschen Team stehen vor dem zweiten Vorrundenspiel bei der Fußball-Europameisterschaft personelle Änderungen an. Der lettische Trainer Alexandrs Starkovs hat die Diskussionen im deutschen Lager über eine zweite Sturmspitze interessiert zu Kenntnis genommen.

«Ich werde taktische Änderungen vornehmen», so der Coach. «Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass Deutschland gegen uns so defensiv agiert wie gegen die Niederlande. Wir müssen Kuranyi und Bobic neutralisieren», erklärte Starkovs.

Angesichts des deutschen Angriffswirbel soll sich die lettische Auswahl allerdings nicht allein auf die Defensive beschränken. Auch seine Mannschaft soll stürmen, kündigte der frühere Profi von Daugava Riga und Meistertrainer von Skonto Riga an: «Solange die Chance besteht, wollen wir auch ins Viertelfinale. Dafür müssen wir aber am Samstag punkten.»

Sollte die Sensation gelingen und die Mannschaft schafft den Einzug in die nächste Runde, will Starkovs Haare lassen. Nach dem Erfolg über den WM-Dritten Türkei in den EM-Playoffs hatte sich der sympathische Trainer die Haare bereits bunt färben lassen. Dieses Mal dürften ihm seine Spieler mit der Schere zu Leibe rücken und eine Glatze schneiden.

Bei den Trainingseinheiten vor der Partie ließ der Auswahltrainer schon etwas von seinem taktischen Vorhaben durchblicken. So steht der gegen die Tschechen erst in der 81. Minute für den gesetzten Top-Torjäger Maris Verpakovskis eingewechselte Marian Pahars (FC Southampton) vor dem Sprung in die Startelf. Der 27 Jahre alte Angreifer gilt trotz der Treffsicherheit von Verpakovskis (33 Länderspiele/12 Tore) noch immer als Lettlands bester Fußballer.

Der gerade erst wiedergenesene Mittelfeldmann arbeitet verstärkt an seinem Comeback. «Man kann Pahars vom Spielertypen her mit Michael Ballack vergleichen. Wir haben Sondertraining mit ihm gemacht, er soll auf seinen Einsatz vorbereitet sein», erklärte Starkovs, der Pahars aber noch keine Stammplatzgarantie geben wollte. Nach seiner auskurierten Knieverletzung ist Pahars heiß auf einen Einsatz gegen den Vize-Weltmeister. «Ich bin fit und möchte spielen. Gegen große Fußball-Nationen wie Deutschland aufzulaufen, ist für jeden Spieler etwas besonderes.»

Als zweiter Spieler, der gegen Tschechien nicht in der Startelf stand, drängt Regisseur Juris Laizans in die Stammformation. Der Mittelfeldmann von ZSKA Moskau gilt als Spezialist für Standardsituationen. Kopfzerbrechen bereitet Starkovs derzeit noch, wen er für die beiden aus seiner Mannschaft nehmen soll. Möglicherweise opfert Starkovs einen defensiven Mittelfeldspieler, um der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ein Bein zu stellen.

Auf die Mithilfe vom deutschen Kapitän Oliver Kahn rechnet bei den Letten niemand. Wie erst im Vorfeld bekannt wurde, besitzt der deutsche Keeper lettische Vorfahren. «Er wird uns deswegen kein Tor schenken wollen. Aber auch wir werden gegen ihn deshalb nicht anders auftreten. Außerdem ist er ja nicht wirklich ein halber Lette. Es ist ja nicht seine Mutter, die aus Lettland kommt, sondern nur seine Großmutter.»

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