Bank Julius Bär warnt wegen Bilanzrisiken vor Rückschlag an der Wall Street – Chancen für deutsche und europäische Aktien: Enron-Pleite stürzt US-Aktienmarkt in Vertrauenskrise

Bank Julius Bär warnt wegen Bilanzrisiken vor Rückschlag an der Wall Street – Chancen für deutsche und europäische Aktien
Enron-Pleite stürzt US-Aktienmarkt in Vertrauenskrise

Die spektakuläre Pleite des US-Energiekonzerns Enron hat das Vertrauen der Anleger in den gesamten amerikanischen Aktienmarkt erschüttert.

mm FRANKFURT/M. Die durch den größten Konkurs in der Geschichte der USA ausgelöste Diskussion um fragwürdige Bilanzierungspraktiken untergrabe die Glaubwürdigkeit der Unternehmen, warnen Analysten. Dadurch könnte es zu einem empfindlichen Rückschlag an den Aktienbörsen kommen.

"Viele US-Gesellschaften haben den Spielraum der kreativen Buchführung überschritten", klagt Gérard Piasko Chief Investment Officer der Schweizer Bank Julius Bär. Die Bilanzierungsregeln nach US-GAAP würden es den Unternehmen erlauben, ein unrealistisch positives Ergebnis-Bild zu zeichnen. Angesichts der ohnehin hohen Bewertungen an der Wall Street bestehe akute Gefahr für die Kurse, falls die Investoren zu dem Schluss kommen sollten, dass die ausgewiesenen Unternehmensgewinne deutlich nach unten korrigiert werden müssten. "Das Thema ist hoch brisant und dafür verantwortlich, dass derzeit die Risiken am US-Aktienmarkt größer sind als die Chancen", lautet Piaskos Schlussfolgerung.

Auch nach Einschätzung der US-Investmentbank Goldman Sachs hat der Fall Enron und der Verdacht auf Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen weiterer Großkonzerne die Investoren tief verunsichert. Als größtes Problem haben die Goldman-Analysten die Auslagerung von Schulden aus der Unternehmensbilanz ausgemacht. Die US-GAAP-Regeln würden dafür mehrere legale Schlupflöcher bieten. Auch Piasko sieht hier ein gravierendes Problem. Der Julius-Bär-Mann zitiert Bankenschätzungen nach denen sich die außerhalb der Bilanz geparkten Schulden der US-Firmen auf bis zu 2 Bill $ belaufen könnten.

Die Lösung der aktuellen Vertrauenskrise ist nach Piaskos Meinung der "Knackpunkt" für die Entwicklung an der Wall Street in diesem Jahr. Die US-Regierung müsse die Glaubwürdigkeit durch eine Verschärfung der Bilanzregeln wieder herstellen. Je schnelle dies geschehe, desto besser stünden die Chancen, dass die US-Aktien von der wieder anspringenden Konjunktur profitieren könnten. Sollte der Gesetzgeber in Washington allerdings untätig bleiben, drohe ein weiteres enttäuschendes Aktienjahr, meint Piasko.

Klaus Aulbach, Wall-Street-Experte der BHF-Bank hält diese Befürchtungen für wenig realistisch. Zwar räumt auch er ein, dass die Bilanzprobleme die US-Börsen derzeit bremsen. Doch Aulbach ist sich sicher, dass die Vertrauenskrise schnell überwunden wird, und die Anleger schon bald den Blick wieder nach vorne, auf die erwartete Konjunkturerholung richten. "Die Enron-Krise könnte sich sogar als gute Kaufgelegenheit erweisen", hofft der BHF-Analyst.

Die Julius-Bär-Experten sehen dagegen solange die Bilanzierungsfrage "wie ein Damoklesschwert" über der Wall Street schwebt, an den deutschen und europäischen Börsen die besseren Perspektiven. Die "schlimmste Baisse der Nachkriegszeit" ist hier nach Meinung von Gerhard Grebe, Chief Investment Srategist der Julius Bär Kapitalanlage AG mit den Tiefständen vom 21. September 2001 endgültig zu Ende gegangen. Grebe hofft auf eine moderate Konjunkturerholung bei weiterhin niedrigen Zinsen und sieht für Aktien aus Deutschland und der Eurozone ein Kurspotenzial von 10 bis 15 %. Dabei empfiehlt Julius Bär vor allem konjunkturempfindliche Aktien wie Unilever, Lagardère und Renault sowie Finanzwerte wie Deutsche Bank, Hypo-Vereinsbank Swiss Re oder Münchener Rück.

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