Bank of England belässt Leitzinsen bei vier Prozent
Europäische Zentralbank wartet mit Zinserhöhung noch ab

Keine Entwarnung an der Zinsfront, aber deutlich moderatere Signale der europäischen Währungshüter als in den vergangenen zwei Monaten: "Wir glauben, dass die Risiken für die Preisstabilität im Euroraum auf mittlere Sicht nach oben geneigt bleiben", sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, im Anschluss an die Sitzung des EZB-Rates, der hundertsten seit der Gründung der Euro-Bank Mitte 1998.

HANDELSBLATT, 5.7.2002

mak/mym/qdt LUXEMBURG. Es gebe aber inflationsdämpfende Faktoren: der starke Euro und die Entwicklung der Ölpreise. "Solange diese Effekte andauern, besteht kein Grund zum Alarm", erklärte Duisenberg.

Angesichts der nach wie vor bestehenden Unsicherheiten habe der Rat beschlossen, die Euro-Leitzinsen unverändert zu lassen. Der Mindestbietungssatz für die Offenmarktgeschäfte des Eurosystems liegt damit weiterhin bei 3,25 %, die Ecksätze für den Geldmarkt wurden mit 2,25 % bzw. 4,25 % bestätigt. Auch die Bank of England beließ es bei dem Leitzinssatz von 4,00 %. "Wir haben sorgfältig die Risiken diskutiert, die mit unserer abwartenden Haltung verbunden sind - auch mit Blick auf unsere Glaubwürdigkeit", erläuterte der EZB-Chef. "Wir sind aber der Meinung, dass wir unser Vorgehen ausreichend erklären." Keine Rolle habe bei der Entscheidung die Situation an den Aktienmärkten gespielt.

Duisenberg erwartet, dass die Inflationsrate während der nächsten Monate um die Marke von 2 % pendeln wird. Um den Rückgang der Teuerungsrate auf 1,7 % im Juni schon als ein Nachlassen des Inflationsdrucks auszulegen, sei es zu früh. Dafür sei die Kerninflationsrate - Verbraucherpreisanstieg minus Energie und unverarbeitete Nahrungsmittel - im ersten Halbjahr 2002 zu hoch geblieben.

Besorgt zeigte sich Duisenberg über die Geldmenge im Euroraum: "Es steht wesentlich mehr Liquidität zur Verfügung, als erforderlich wäre, um dauerhaft inflationsfreies Wachstum zu finanzieren." Dass sich das Wachstum der Geldmenge M3 in jüngster Zeit erneut beschleunigt hat, erklärte Duisenberg u.a. mit wieder erhöhter Unsicherheit an den Finanzmärkten.

Aufschwung: Stärke ungewiss

Für die Konjunktur im Euro-Raum ist eine weitere Erholung mit einer Stärkung der inländischen und der ausländischen Nachfrage für Duisenberg nach wie vor das wahrscheinlichste Szenario. Angesichts der jüngsten Entwicklungen an den Finanzmärkten und der Unsicherheiten über die Stärke des Aufschwungs - innerhalb und außerhalb des Euro-Raumes - bleibe dieses Szenario aber mit Ungewissheit behaftet. Eine besondere Verantwortung komme dabei der Lohnpolitik der Tarifpartner zu.

Die Interventionen der Notenbanken am vergangenen Freitag erklären Duisenberg zufolge nicht das Verhalten des Euro-Wechselkurses in den darauffolgenden Tagen. "Die Beträge waren sehr gering." Möglichen Turbulenzen an den Devisenmärkten sieht der EZB-Chef gelassen entgegen. "Die Währungsreserven des Euro-Systems sind sehr hoch. Wir sind ausgerüstet, um mit jeder Katastrophe fertig zu werden, die sich irgendwo am Horizont abzeichnen könnte."

Volkswirte haben mit der Entscheidung der EZB, die Zinsen nicht zu erhöhen, gerechnet. Zudem wird ihrer Meinung nach immer unwahrscheinlicher, dass die EZB die Zinsen bald anheben wird. So rechnet Uwe Angenendt, Chefvolkswirt der BHF-Bank, damit, dass die EZB in diesem Jahr die Zinsen gar nicht mehr anheben wird. Auch Julian Callow, Chefvolkswirt für Europa bei Crédit Suisse First Boston, erwartet so bald keinen Zinsschritt: "Wir halten es für unwahrscheinlich, dass die EZB die Leitzinsen vor dem vierten Quartal 2002 anheben wird." Die Zinspolitik der EZB hänge erheblich von der Entwicklung des Euro und der Aktienmärkte ab.

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