Bank of England profitiert bei ihrer turnusmäßigen Auktion
Unsicherheit an den Märkten treibt Anleger in Goldanlage

Nach den Terroranschlägen in den USA und den weltweiten Einbrüchen an den Aktienmärkten schichten viele Investoren ihr Portfolio zu Gunsten von Gold um. Das Edelmetall gilt als sichere Wertanlage in Zeiten politischer Unruhen und Kriege und Finanzmarktkrisen

DÜSSELDORF. Experten sind sich aber uneins darüber, ob die Verunsicherung zu einer dauerhaften Erholung des Goldpreises führen wird.



Am Dienstag war der Preis für die Feinunze sprunghaft um 5,4 % auf rund 287,15 $ gestiegen und erreichte damit ein 3-Monats-Hoch. Auch gestern blieb der Goldpreis bei rund 279 $ pro Unze auf hohem Niveau.

Davon profitierte die Bank of England. Sie führte gestern einer ihrer regelmäßigen Auktionen über 20 Tonnen Gold durch und verkaufte umgerechnet 643 200 Unzen. Die Bank of England reduziert seit zwei Jahren kontinuierlich ihre Goldreserven. "Der Markt hat die 20 Tonnen förmlich weggesogen", beschrieb ein Händler die Situation.

Die britische Zentralbank meldete, bei der Auktion habe die Nachfrage das Angebot um das 4,3-fache übertroffen. Der Verkaufspreis wurde gegen Mittag bei 280 $ je Unze festgelegt. Bei der gleichen Auktion im Juli hatte der Preis noch bei 267 $ gelegen, im Mai bei 268 $.





Weitere Entwicklung des Goldpreises strittig



Experten gehen davon aus, dass auch heute und am Freitag noch kleinere Geldmengen in Gold investiert werden. Die weitere Preisentwicklung hängt jedoch stark von den Reaktionen an den Weltbörsen ab. "So lange politische Unsicherheit vorherrscht, wird sich der Goldpreis auf hohem Niveau bewegen", sagt Commerzbank-Experte Horst Ferklass. Zumindest kurzfristig werden Banken und auch kleine Anleger dem Edelmetall treu bleiben, glaubt er.

Dieser Meinung ist auch Matthew Keen, Analyst von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Er schätzt die Furcht der Anleger und ihre Entscheidung für weniger volatile Werte jedoch als längerfristig ein. "Andere Anlageformen sind nicht geeignet, die Fondsgelder aufzunehmen", glaubt er.

Die niedrigen Leitzinsen in den USA und der Schock auf Grund der Attentate treibe viele Investoren in die Goldanlage. Deshalb, so Keen, werde der Goldpreis weiter steigen: "Am Ende dieser Woche könnte der Kurs bei 290 $ liegen", sagt er. Auch in den kommenden sechs Monaten werde Gold wegen der großen Unsicherheit gefragt bleiben, prognostiziert Keen: "Wer kann schon garantieren, dass alle US-Finanzinstitute die Folgen des Attentats überstehen werden."

Roger Breitkopf von der Deutschen Bank hingegen glaubt, dass sich die Preise schnell wieder auf einem niedrigeren Niveau von etwa 275 $ einpendeln werden. Die meisten Investoren, die sich für Gold entscheiden wollten, hätten das inzwischen getan.

Zwar gebe es von den richtungsweisenden New Yorker Märkten derzeit keine Vorgaben, weil der Handel dort ausgesetzt wurde. Doch spräche vieles dafür, dass sich im Goldhandel bald wieder "eine gewisse Vernunft" einstelle.

Auch Philip Klapwijk, Chef von Goldfields Mineral Services glaubt, dass der Goldpreis zurück auf das alte Niveau fallen könnte. Er fürchtet, dass der Terroranschlag die US- und damit die Weltwirtschaft in eine Rezession stürzen könnte. In diesem Fall jedoch würden die Goldkäufe auf Grund geringerer Nachfrage nach Schmuck wieder zurückgehen.

Dieser Meinung ist auch J.P.-Morgan Analyst Martin Squires. Er schließt einen starken Rückgang der Investitionen und des Konsumentenvertrauens nicht aus. Das aber bliebe nicht ohne Wirkung auf die Metallmärkte.

Die Furcht vor einer Rezession wirkte sich gestern bereits deutlich auf die Preise für Kupfer und Aluminium aus. Kupfer (in drei Monaten lieferbar) fiel an der London Metal Exchange um 1,6 % auf 1 444 $ pro Tonne. Aluminium (Lieferung im Dezember) fiel um 1,2 % auf 1 375 $ pro Tonne. Die Metalle gaben damit ihre Vortagesgewinne wieder ab.

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