Bankanalysten begrüßen die Entscheidung
EZB dreht an der Zinsschraube

Zum fünften Mal in diesem Jahr wurde der entscheidende dritte Leitzins erhöht. Er stieg um 25 Basispunkte auf 4,5 %. Analysten bewerten diesen Schritt positiv.

ap FRANKFURT/MAIN. Erwartungsgemäß hat der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) an der Zinsschraube gedreht. Zum fünften Mal in diesem Jahr beschlossen die Euro-Währungshüter am Donnerstag, den entscheidenden dritten Leitzins zu erhöhen. Er stieg nach der Entscheidung am Donnerstag in Frankfurt am Main um 25 Basispunkte auf 4,5 %. Auch der Zinskorridor wurde angehoben und liegt nun zwischen 3,5 und 5,5 %. Analysten der deutschen Großbanken bewerteten diesen Schritt positiv.

Finanzexpertin Petra Köhler von der Dresdner Bank bezeichnete die Entscheidung als "sehr angemessen". Auf der einen Seite unterstreiche die EZB damit ihre Stabilitätsorientierung. Auf der anderen Seite reagiere sie aber auch nicht zu kräftig. Die inländische Preisentwicklung sei ohne Berücksichtigung der Energiepreise und der Wechselkurse nicht allzu stark. Auch die Geldmengenentwicklung zeige eine gewisse Abschwächung. "Das passt zu den 25 Basispunkten."

Sorgen, mit dem Zinsschritt könnte möglicherweise die gute Konjunktur gefährdet oder gar abgewürgt werden, teilte die Zinsexpertin nicht. Es gebe sehr günstige wirtschaftliche Impulse auch aus dem Inland. Dass diese durch eine Zinserhöhung von 25 Basispunkten abgewürgt werden könnten, sei nicht zu erwarten.

Köhler sagte weiter, es gebe in den USA einige Anzeichen, dass sich das dortige Wachstum leicht abschwäche. Die US-Zentralbank habe dementsprechend auf ihrer jüngsten Sitzung die US-Zinsen nicht weiter erhöht. Für den Euro-Wechselkurs sei es sehr gut, dass die Zinsen für den Euro-Raum nicht stärker angehoben wurden. "Gerade aus angelsächsischer Sicht wurde angenommen, dass eine Erhöhung um 50 Basispunkte zu viel gewesen wäre für die Konjunktur. Der moderatere Schritt ist auch daher der richtige Schritt." Die Voraussetzungen für den Euro seien günstig. Wie lange es noch dauern werde, bis sich dies auch durchschlage, sei nicht absehbar.

Analysten: 50 Basispunkte wären zu viel gewesen

DG-Bank-Analyst Michael Holstein sagte, die Zinserhöhung sei das, was die meisten Marktteilnehmer erwartet hätten. Die EZB habe diesen Schritt in Reden und Stellungnahmen vorbereitet und habe sich damit selbst unter Zugzwang gesetzt. "Die 50 Basispunkte, mit denen einige gerechnet hatten, wären nicht gerechtfertigt gewesen", meinte auch Holstein. Er halte die nun erfolgte Erhöhung für richtig. "Die EZB sollte schon zeigen, dass sie die Inflation klar über ihrer Zielmarke sieht und gewillt ist, darauf zu reagieren."

Commerzbank-Analyst Christoph Balz sprach ebenfalls von einer angemessenen Entscheidung. Es gebe Hinweise, dass die Risiken für die Preisstabilität etwas erhöht seien. Die Treiber Ölpreis und Wechselkurs seien allerdings eher kurfristige Faktoren. "Wenn die OPEC bei ihrer Sitzung im September die Ausweitung der Produktion beschließt, dürften sich die Preise logischerweise auch ändern. Für diesen Fall wären 50 Basispunkte zu viel gewesen."

Zuletzt hatte die EZB im Juni dieses Jahres an der Zinsschraube gedreht und eine kräftige Erhöhung des dritten Leitzinses um 50 Basispunkte vorgenommen.



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