„Bankassurance“ ist das Zauberwort der Versicherer
Versicherungen überwinden Landes- und Branchengrenzen

Die Welt der europäischen Finanzdienstleister hat sich rasant verändert und zwingt die Versicherer, sich aus ihrem bisherigen Terrain auf neue Märkte hervorzuwagen - nicht nur geografisch.

In allen europäischen Ländern arbeiten die Regierungen daran, ihren Bürgern die Verantwortung für die Altersvorsorge zurückzuübertragen. Bei diesen Reformen sind einige EU-Länder schneller als andere. Doch überall ist die Überzeugung groß, dass der Markt für langfristige Geldanlage und Vermögensplanung beste Wachstumsaussichten verspricht. In Deutschland ist die Bundesregierung die Reform des bestehenden, staatlichen Rentensystems angegangen und fördert mit Steueranreizen die private Vorsorge. In Großbritannien hat die Regierung Blair im April ein neues, steuerbegünstigtes "Stakeholder"-Pensionssystem eingeführt. Hier steht Branchenbeobachtern zufolge eine Verdopplung dieses Marktes bevor - eines Marktes, in dem durch Provisionen traditionell gut verdient wird.

Um diesen wachsenden, lukrativen Markt kämpfen aber auch immer mehr Wettbewerber. Je zäher der Kampf, desto wichtiger werden Effizienz, Größe und Präsenz rund um den Globus.

Konzerne schließen sich zusammen

Diese Überlegungen hegte die britische Versicherung Prudential PLC, als sie ein Übernahmeangebot an den US American General Corp-Konkurrenten machte. Die Fusion sollte Größe und eine führende Position auf dem US-Versicherungsmarkt sichern, stieß aber bei den Aktionären auf Missfallen und wurde durch den US-Konkurrenten AIG vereitelt. Erfolgreicher agierte die niederländische ING-Gruppe. Sie nutzte ihre im Vergleich zum US-Wettbewerb relativ hohe Marktbewertung, um durch den Kauf von Reliastar und Aetna in den USA einzusteigen. Ähnlich machte es die französische Axa SA, die die Minderheitseigner ihrer US-Tochter Axa Financial Operations auszahlte. Richtung Osteuropa expandierten die CGNU PLC und Zürich Financial Services, während Prudential den Wachstumsmarkt Asien im Visier hat.

Verbraucher erwarten mehr Rendite

Doch Wachstum allein war nicht ausschlaggebend für all diese Fusionen. Es gilt auch, veränderten Kundenansprüchen gerecht zu werden. Die Verbraucher erwarten mehr Rendite auf ihre Vermögensanlagen. Die klassischen Sparanlagen der Banken oder die Festzins- oder Rentenprodukte der Versicherungen werfen nicht mehr genug Rendite ab, um den Kundenansprüchen zu genügen. Die im vergangenen Jahr zu Ende gegangene Hausse an den Aktienmärkten hat den Anlegern risiko- und renditereichere Finanzprodukte nahe gebracht. Einige Banken wagen sich mit langfristigem Vermögensmanagement auf das Terrain der Versicherer vor. Und die Versicherer kämpfen um diesen provisionsreichen Markt, indem sie umgekehrt in das Vermögensmanagement vordrängen. "Bankassurance" ist der magische Name für den Zwittermarkt zwischen Bank- und Versicherungsgeschäft.

Zwittermarkt zwischen Bank- und Versicherungsgeschäft

Mit diesem Ziel ging die Allianz AG ihre Übernahme der Dresdner Bank an. Diese bisher weltweit größte Übernahme einer Bank durch eine Versicherung bringt der Allianz die Kompetenz eines Fondsmanagers (durch die Dresdner-Tochter Deutscher Investment-Trust) sowie das Vertriebsnetz der Dresdner Bank-Niederlassungen. - Zuvor hatte die Allianz bereits durch die Übernahme der Fondsmanager Nicholas Applegate und Pimco Schritte in Richtung Bankassurance gemacht. Eine ähnliche Strategie verfolgt die Schweizer Versicherung Swiss Life, die mehrere Privatbanken kaufte, um ihre Produktpalette bei der Vermögensplanung auszubauen. Die französische Axa erwarb den US- Fondsmanager Sandord Bernstein.

Dasselbe Ziel verfolgen andere Versicherer mit Vertriebsabkommen an Stelle von Fusionen. In Großbritannien gründete CGNU ein Joint Venture mit der Royal Bank of Scotland, während Legal & General gleichzeitig mit zwei Banken, Barclays PLC und Alliance & Leicester, zusammenarbeitet. Branchen- und auch Landesgrenzen überschritten die französische Axa durch ein Vertriebsbündnis mit der Deutschen Bank sowie die britische CGNU, die sich mit Italiens Uni-Credito und der Spaniens Bancaja zusammentat.

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