Bankchef Klaus-Peter Müller ist für eine Konsolidierung im Inland offen
Commerzbank: Verlust bei Großkunden

Er hat sich für eine Konsolidierung im Inland ausgesprochen. Diese sei ein guter erster Schritt vor einer europäischen Konsolidierung.

nw/rtr FRANKFURT/M. Die Commerzbank wird im Geschäft mit großen Firmenkunden voraussichtlich einen operativen Verlust machen. Von den 400 Mill. Euro Erträgen müssten 360 Mill. Euro für Wertberichtigungen abgezogen werden, sagte Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller gestern in London. Nach Abzug der weiteren Kosten werde operativ ein Minus unter dem Strich stehen. Ein großer Teil der Wertberichtigungen entfällt nach Angaben einer Sprecherin auf den Medienkonzern Kirch.

Das Geschäft mit mittelständischen Kunden sei hingegen nicht das Hauptrisiko, betonte Müller. Die in diesem Segement anfallenden Wertberichtigungen würden mit 270 Mill. Euro absolut und relativ niedriger ausfallen als die im Großkundengeschäft. Dieser Trend zeige sich nicht nur im laufenden Jahr, sondern habe sich bereits in der Vergangenheit abgezeichnet: Zwischen den Jahren 1999 und 2001 habe die Bank im Geschäft mit kleinen und mittleren eine Eigenkapitalrendite von über 20 % erzielt.

Im dritten Quartal hatte die Commerzbank einen Verlust vor Steuern von 133 Mill. Euro verbuchen müssen, nach einem Minus von 279 Mill. Euro im Vorjahreszeitraum.

Mit Blick auf die Spekulationen über einen Zusammenschluss von Commerzbank und Hypo-Vereinsbank (HVB) sagte Müller, er sei nicht gegen Fusionen im Inland. Eine Konsolidierung innerhalb Deutschlands würde er gern als ersten Schritt sehen für eine europäische Konsolidierung. Clement Booth, Vorstand der Münchener Rück, bekräftigte gestern,der Rückversicherer habe grundsätzlich keine Einwände gegen eine Fusion beider Häuser, wolle sie aber nicht dazu drängen. "Wir sind nicht aktiv hinter der Szene tätig, um sie in eine Fusion zu treiben", sagte er der Agentur Reuters in London. Es gebe allerdings bei beiden Banken Punkte, die sich nicht durch eine Fusion lösen ließen. Booth sagte aber auch, die Schaffung einer größeren Einheit könne den Vertrieb von Versicherungsprodukten verbessern. Die Münchener Rück hält an der HVB 25,7 % und an der Commerzbank 10,4 % der Anteile.

Stefan Best, Analyst dre Ratingagentur Standard & Poor?s (S&P) glaubt, dass eine Konsolidierung in Deutschland notwendig ist, um die strukturellen Probleme - hohe Kosten, zu geringe Margen, starke Fragmentierung des Marktes - zu lösen (siehe Bericht auf Seite 26). Best schreibt in der gestern veröffentlichten Studie über den deutschen Bankensektor aber auch, S&P erwarte, dass es zu neuen Fusions- oder Akquisitionsversuchen erst dann kommen werde, wenn die Restrukturierungsprozesse weiter fortgeschritten seien.

Die Aktie der Commerzbank, die in den vergangenen Tagen über 30 % an Wert gewonnen hatte, war gestern unter den Tagesverlierern im Aktienindex Dax. Händler führten das auf eine Herabstufung der Investment Bank Merrill Lynch auf ?Verkaufen? zurück. Deren Analyst Stuart Graham glaubt nicht, dass eine Fusion oder Übernahme die Antwort auf die aktuellen Probleme der Banken ist. Mögliche Kostensenkungen würden nicht die Kernprobleme der sich reduzierenden Vermögenswerte und der Ertragsschwäche lösen. Zudem warnt Graham vor den Risiken der Fusionsumsetzung und vor Klumpenrisiken in dem vereinigten Kreditportfolio. Graham schätzt den gegenwärtigen Wert nach Fusion und Restrukturierung auf drei Mrd. Euro, die Risikoaktiva könnten um 34 Mrd. Euro reduziert werden. Dennoch überwiegen laut Graham die Risiken. "Beide Banken würden ihren Aktionären mehr nutzen, wenn sie ihre eigenen Restrukturierungspläne getrennt umsetzen."

Quelle: Handelsblatt

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