Bankchef Müller will Kapitalquote leicht senken und Kreditgeschäft selektiv ausbauen: Commerzbank sieht sich gut versorgt

Bankchef Müller will Kapitalquote leicht senken und Kreditgeschäft selektiv ausbauen
Commerzbank sieht sich gut versorgt

Die Commerzbank will im laufenden Jahr schwarze Zahlen schreiben und sieht sich in konjunkturell schwierigen Zeiten auch im Kreditgeschäft gut gepolstert. Wie Vorstandschef Klaus- Peter Müller betonte, habe sein Haus in den vergangenen Jahren nicht nur bereits notleidende Kredite wertberichtigt. Die Bank habe zusätzlich 600 Mill. Risikovorsorge gebildet für Kredite, die sie zwar als gefährdet ansieht, auf die aber noch Zinsen und Tilgung gezahlt werden, sagte Müller dem Handelsblatt. Werden Kredite nicht notleidend, könne die Risikovorsorge in den nächsten Jahren Gewinn bringend aufgelöst werden.

FRANKFURT/M. Im vergangenen Jahr hatte die Commerzbank 1,32 Mrd. Euro Risikovorsorge gebildet, 42 % mehr als im Jahr 2001. Für dieses Jahr sind rund 1,25 Mrd. Euro prognostiziert. Zum Vergleich: Die Hypo-Vereinsbank mit dem mit Abstand größten Kreditportfolio einer deutschen Bank, musste für 2002 rund 3,8 Mrd. Euro an Risikovorsorge bilden. In diesem Jahr kann der Mittelstand den Banken Probleme bereiten, wenn die Vorhersage des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) zutrifft: Er warnte gestern davor, dass sich dort die Lage im laufenden Jahr weiter verschlechtern und zu deutlichem Personalabbau und Firmenpleiten führen werde. Dennoch: Müller zeigte sich bereits Anfang Februar sehr zuversichtlich und verwies auf die mit 25 % gute Rendite der Bank im Marktsegment Mittelstand. Außerdem seien die notwendigen Wertberichtigungen hier relativ klein geblieben.

In diesem Jahr will die Commerzbank ihr Kreditgeschäft selektiv ausbauen, nachdem sie im vergangenen Jahr ihre Risikoaktiva (vor allem Kredite) deutlich reduziert und so die Kapitalquote gesteigert hatte. Ursachen waren vor allem die Entkonsolidierung der Hypothekenbank Rheinhyp und Kreditverbriefungen, die teilweise in Zusammenarbeit mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau liefen. "Außerdem haben wir im vergangenen Jahr vor allem großvolumiges, margenarmes Kreditgeschäft abgebaut. Bei Adressen, denen es nichts ausmacht, haben wir Kredite nicht verlängert", erläuterte Müller jetzt das Vorgehen des Kreditinstituts.

Die Risikoaktiva inklusive der Marktrisikopositionen hätten Ende 2002 nach Definition der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) knapp 160 Mrd. Euro betragen. Ende 2001 hatten die Risikoaktiva noch bei knapp 204 Mrd. Euro gelegen. Die Kernkapitalquote nach der BIZ-Definition (Kernkapital in Relation zu den Risikoaktiva) war daher Ende vergangenen Jahres auf 7,3 % gestiegen nach 6,2 % ein Jahr zuvor. Analysten haben dies begrüßt. Wie die Ratingagenturen hatten sie im Herbst 2002 die Kapitalschwäche deutscher Banken kritisiert.

Im Januar sei die Kernkapitalquote noch weiter auf 7,6 % gestiegen, sagte Müller, der jetzt die Bremse zieht. Denn die Verbesserung der Kapitalquote bedeutet gleichzeitig den Verzicht auf gewinnbringendes Geschäft. Daher habe die Bank jetzt beschlossen, einen Rückgang bis auf 7 % in Kauf zu nehmen bei gleichzeitigem Ausbau margenstarker Geschäfte. Alexander Hendricks von der Deutschen Bank glaubt, dass die verbesserte Kapitalposition dem Institut erlaubt, künftige Restrukturierungsmaßnahmen zu finanzieren. Diese stehen vor allem im Investmentbanking und im Asset Management an. Im März will Müller die endgültigen Pläne für den Personalabbau und die Reduzierung von Geschäftsfeldern des Verlust machenden Investmentbanking bekannt geben.

Etwas besser als noch zum Ende des dritten Quartals 2002 sieht jetzt das Wertpapierportfolio der Bank aus. Trotz weiterhin schwacher Verfassung der Aktienmärkte hätten sich die stillen Verluste im Portfolio der zum Verkauf stehenden Wertpapiere - sie machen einen großen Teil der Gesamtreserven- oder-verluste aus - reduziert, sagte Müller. Die Bewertungsreserve habe sich von minus 1,28 Mrd. Euro per 30. September 2002 auf derzeit minus 750 Mill. Euro verbessert. Daran hätten auch die Kursgewinne bei festverzinslichen Wertpapieren einen großen Anteil.

Das abgelaufene Geschäftsjahr hatte die Bank mit einem Verlust von 298 Mill. Euro nach Steuern abgeschlossen und damit schlechter abgeschnitten, als Analysten erwartet hatten. Nach Veröffentlichung des Jahresergebnisses Anfang Februar hatte Müller gesagt, die Bank werde in diesem Jahr die Ertragswende schaffen.

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