Banken: Analyse: Angst vor der Krise

Banken
Analyse: Angst vor der Krise

Die Nervosität in der Bankenbranche steigt.

Bundesregierung und Spitzenvertreter der Geldindustrie haben sich bereits getroffen, um die aktuelle Situation zu diskutieren und wohl eventuelle Krisenpläne auszuarbeiten. Auch aus München kamen gestern alarmierende Nachrichten: Die Hypo-Vereinsbank, zweitgrößtes Geldhaus in Deutschland, musste für 2002 einen Rekordverlust melden.

Die Angst vor einer Krise wächst. Aber so weit ist es nicht. Derzeit gibt es vielmehr keinen Grund zur Panik. Probleme würden wohl erst auftauchen, wenn es zu neuen massiven externen Schocks kommen würde. Stichworte sind ein lang anhaltender Irak-Krieg und eine tiefe weltweite Rezession.

Hypo-Vereinsbank-Chef Dieter Rampl muss sich aber trotzdem warm anziehen. Denn die Zeiten für die deutsche Geldwirtschaft werden so oder so im gerade begonnenen Jahr frostig bleiben. Rampl, erst seit sieben Wochen im Amt, hat den Besen herausgeholt und erst mal einen kräftigen Hausputz gemacht. Hohe Belastungen, Abschreibungen und Wertberichtigungen wurden, wo immer es ging, in die Bilanz für das abgelaufene Jahr gepackt. Über eine Milliarde Euro an Sondereffekten sind dabei zusammengekommen.

Das Zeugnis, das damit Rampls Vorgänger Albrecht Schmidt ausgestellt wird, könnte schlechter nicht sein. Offenbar wurde unter Schmidt zu spät reagiert und nicht energisch genug angepackt. Tiefrote Zahlen sind die Folge. Das ist bitter, besonders für die Aktionäre der Bank. Sie müssen nicht nur den herben Kursverlust der HVB-Aktie in den vergangenen Monaten verkraften. Sie werden für 2002 auch keine Dividende erhalten.

Rampl steht mit der Sanierung erst am Anfang. Er muss die Kosten weiter deutlich senken und gleichzeitig die Erträge erhöhen - schwierig genug bei dem schlechten Umfeld. Das Problem der Hypo-Vereinsbank: Ein nachhaltiges Abebben der Insolvenzwelle ist derzeit nicht in Sicht. Das trifft den Münchener Konzern besonders stark, verfügt die Hypo-Vereinsbank doch mit einem Kreditbestand von 440 Milliarden Euro über das größte Kreditbuch in Europa.

Rampl will auch einen großen Teil des Geschäfts, besonders die gewerbliche Immobilienfinanzierung, abspalten. Das erfordert einen Kraftakt sowohl des Managements als auch mit Blick auf die Kapitalbasis. Denn die Braut muss ja zunächst einmal geschmückt werden, also mit Kapital ausgestattet werden. Mangels Alternativen soll wohl die Vereins und Westbank - verkauft werden. Die Hamburger Tochter galt bisher als strategisch wichtig - es geht also an die Substanz.

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