Banken bemühen sich im Bereich Alternativ-Investments um mehr Transparenz
Der lange Weg zum gläsernen Hedge Fund

Hedge Funds sind derzeit die Lieblingskinder der Anleger. Und dies, obwohl sie zahlreiche Schwachstellen aufweisen. Die Banken in Europa bemühen sich darum, dies abzustellen. Die Schaffung neuer Plattformen soll den Nachteil der Intransparenz und Illiquidität von Hedge Funds beseitigen.

Private und institutionelle Anleger können bereits heute ihr Kapital breit diversifiziert in Hedge Funds investieren. Dabei müssen sie auch nicht auf die bei Kapitalanlagen wichtigen Faktoren Liquidität und Transparenz verzichten. Bisher galten Hedge Funds als illiquide und intransparente Investmentvehikel. Doch dies beginnt sich zu ändern. Viele Investoren wurden in der Vergangenheit durch die zahlreichen Schwachstellen von Hedge Funds abgeschreckt. So wurde gesagt, diese alternativen Investmentformen würden meistens nicht oder nur in geringem Maße reguliert und würden wegen der fehlenden Liquidität und Transparenz kaum abschätzbare Risiken aufweisen.

Diese Besorgnis der Anleger hat auch heute noch durchaus ihre Berechtigung. Doch die Finanzwelt arbeitet daran, diese Schwächen abzustellen. Eine steigende Anzahl von Banken und Versicherungen bauen so genannte MA-Plattformen auf, über die Anleger in Hedge Funds investieren. können. Ziel dieser Managed Accounts (MA) ist vor allem die Minimierung der Risiken sowohl für Endkunden als auch für die diese Produkte strukturierenden Banken und Versicherungen.

Was sind Managed Accounts (MAs) im allgemeinen Verständnis? Hedge Fund-Manager arbeiten mit ausgewählten Prime Brokern, die die Transaktionen des Hedge Funds abwickeln, finanzieren und über die einzelnen Positionen des jeweiligen Managers Buch führen. Zu diesem Zweck werden Konten bei den Prime Brokern als "Managed Accounts" eröffnet.

Was sind MA im Sinne dieses Artikels? Während sich die meisten Anbieter von Multi-Manager-Hedge-Fund-Produkten nur über Kauf und Verkauf von relativ illiquiden Hedge-Fund-Anteilen absichern, hedgen sich einige Anbieter ausschließlich über MA-Transaktionen. Der Unterschied zu klassischen Managed Accounts liegt darin, dass die in diesem Beitrag beschriebenen MA Konten sind, die von der Bank, die solche Produkte mit zahlreichen Hedge-Fund-Managern strukturiert, und nicht - wie sonst üblich - vom Hedge Fund-Manager bei einem der Prime Broker eingerichtet werden. Dies reduziert die Möglichkeit eines Missbrauchs; denn Hedge Fund-Manager verwalten Geld lediglich "treuhänderisch" auf dem Kontro des Prime Brokers der investierenden Bank. Alle Transaktionen können so permanent vom Risikoteam der Bank überwacht werden.

Konzept gegen drei Handicaps

Das MA-Konzept kann insbesondere drei wesentlichen Nachteilen von Hedge Funds entgegenwirken: Illiquidität, mangelnde Regulierung und Unsicherheit sowie Intransparenz. Angenommen, eine Bank strukturiert ein Hedge-Fund-Index-Zertifikat, dessen Index aus 10 gleichgewichteten MA zusammengesetzt ist, und dessen investierter Nominalwert 100 Mill. beträgt. Die Bank lässt 10 Mill. jedem einzelnen Konto (MA) zufließen, das von den jeweiligen Hedge Fund-Managern treuhänderisch verwaltet wird. Die MA entsprechen in diesem Fall nicht bloßen Transaktionskonten. Sie dienen vielmehr auch dazu, die Transparenz, Liquidität und Risikokontrolle für die strukturierende Bank und somit die Sicherheit des Investments für die Endkunden eines solchen Zertifikates zu erhöhen.

Der Großteil der Banken, die Zertfikate ohne die Existenz einer eigenen MA-Plattform emittiert haben, können sich in der Regel lediglich über Hedge-Fund-Anteile absichern, die im Vergleich zum MA sehr illiquide und intransparent sein können. Die Nachteile und Risiken werden nicht selten an den Kunden durchgereicht und können u.a. hohe Spreads, komplizierte Rückkaufmechanismen und geringere Risikokontrollmöglichkeiten des Emittenten zur Folge haben.

Bei den Produkten mit MA stellt sich die Situation anders dar. Sowohl Prime Broker als auch Hedge Fund-Manager berichten nämlich (nicht selten täglich) sämtliche Transaktionen an die Bank, die das entsprechende Hedge Fund-Produkt strukturiert hat. Zudem können die Mandate (Investmentrichtlinien) eines MA mit den einzelnen Managern abgesprochen werden. Dies gilt z.B. für den maximalen Hebel, für das Kreditrisiko, für die Anlageklassen und für die geographischen Regionen, in denen ausschließlich investiert werden darf.

Durch diese Kontrollfunktion können riskante oder illiquide Transaktionen wie z.B. Strategien in "Distressed Securities" oder "Bank Loans" unterbunden werden und lediglich liquide und/oder gelistete Wertpapierklassen erlaubt werden.

Die von der Bank vergebenen Mandate können so flexibel gestaltet werden, dass die einzelnen Hedge Fund-Manager in ihrer Investmententscheidung nicht eingeschränkt werden und in rund 99 % der Fälle Transaktionen innerhalb des Hedge Funds genau denen des MA entsprechen. Daher kann der MA in der Rgegel als eine Art "Schattenkonto" zum bisherigen MA des Hedge-Fund--Managers aufgefasst werden. Sollten gewisse Transaktionen mit dem Mandat nicht vereinbar sein, können diese zwar im Hedge Fund ausgeführt werden, jedoch nicht oder nur abgewandelt im MA.

Die Hinzunahme von MA intensiviert den Kontakt zwischen der strukturierenden Bank und den Hedge-Fund-Managern und auch deren Prime Brokern. Sie verbessern die Liquidität und die Transparenz und stellen sicher, dass riskante Transaktionen, die nicht dem bisherigen Risikoprofil des Hedge Funds und damit auch nicht den Mandatsrichtlinien des MA entsprechen, vermieden werden.

Sollten dennoch Unregelmäßigkeiten auftreten, so können diese von den Risikomanagern der Bank täglich erkannt werden. Bei Verstoß gegen die festgelegten Richtlinien muss der Hedge Fund-Manager im Extremfall ausgetauscht werden. MA-Plattformen sorgen auch für eine hohe Flexibilität bezüglich der Asset Allocation, der strategischen Vermögensaufteilung. Dabei kann der für diesen Bereich zuständige so genannte " Asset Allocator" die jeweilige Aufteilung der Vermögenswerte monatlich oder manchmal sogar wöchentlich ändern.

Tägliche Schätzkurse

Auf dem MA-Ansatz beruhende Produkte wie Zertifikate machen es der Bank möglich, täglich Schätzkurse zu ermitteln und wöchentliche eine offizielle Wertermittlung vorzunehmen und auf dieser Basis einen entsprechenden Bericht an den Kunden zu übermitteln. Auf diese Weise kann auch eine hohe Transparenz und eine Handelbarkeit der Produkte erreicht werden. Ein weiterer Nebeneffekt des MA-Ansatzes ist, dass nur seriöse Hedge Fund-Manager gewillt sind, sich dem Kontrollprozess - der so genannten "Due Dilligence" - und dem sich anschließenden Monitoring-Prozess zu unterziehen. So werden "schwarze Schafe" unter den Hedge Funds von Anfang an ausgeschlossen. Denn wer etwas zu verbergen hat, ist sicherlich nicht gewillt, sowohl Einzelheiten seiner Strategie als auch alle seine einzelnen Positionen offenzulegen, da somit Unregelmäßsigkeiten sofort erkennbar wären.

Die Liquidität und Handelbarkeit eines Zertifikats erhöht sich durch die Anwendung des MA-Ansatzes drastisch. So ermöglichen Zertifikate mit MA einen täglichen Handel mit einem maximalen Spread von 1%. Einige am Markt befindliche illiquide Zertifikate können im Extremfall lediglich quartalsweise zurückgegeben werden.

Für den Anleger ist es von Nach- teil, dass er auf diese Weise nicht in das gesamte Hedge Fund-Spektrum investieren kann. Festzustellen ist allerdings, dass viele renommierte Hedge-Fonds-Manager bereit sind, das MA-Konzept anzuwenden. Zudem dürften immer mehr Banken und Versicherungen solche MA-Plattformen aufbauen. Ohne Umsetzung

des Konzeptes bleiben die vielzähligen Risiken eines Hedge-Fund--Investments erhalten. Der Anleger sollte sich des Mottos besinnen, wonach Vertrauen gut, Kontrolle jedoch besser ist. Viel zu oft sind renommierte Hedge-Funds, die sich teilweise über Jahrzehnte bewährt hatten und denen die Branche großes Vertrauen schenkte, in unerwartete Schwierigkeiten geraten. Diese Probleme hätten durch das MA-Konzept fast komplett vermieden werden können.

An Hedge Fund-Investments interessierte Anleger sollten einige wichtige Punkte beachten: Die MA-Plattform eines Anbieters sollte schon seit mehreren Jahren erfolgreich existieren und über mindestens 50 MA verfügen. Ein Risikoteam innerhalb der die Plattform betreibenden Bank sollte über genügend erfahrene Mitarbeiter und eine gute Software zur Risikoanalyse verfügen, um die gewonnenen Informationen kompetent aufbereiten und auswerten zu können.

Philip Piltz ist Hedge-Fund-Experte bei Société Générale in Paris.

Quelle: Handelsblatt

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