Banken beschuldigen sich gegenseitig
Fehler beim Handelssystem machen immer die anderen

Kaum lag das Kind am Dienstag im Brunnen, da gaben bereits die ersten Banken zu verstehen, dass es nicht durch sie hineingefallen war: Ein Eingabefehler im Handelssystem hatte den Dax-Future innerhalb weniger Augenblicke um 800 Punkte abstürzen lassen und für Aufregung am Markt gesorgt, so viel ist klar. Im eigenen Haus habe selbstverständlich niemand den falschen Knopf gedrückt, heißt es nun bei mehreren Banken.

Reuters FRANKFURT. Ohne langes Nachdenken fällt jeder Bank - mehr oder weniger verschlüsselt - mindestens ein oder zwei Geldhäuser ein, denen der Schnitzer unterlaufen sein könnte. Doch auch ein Tag nach dem Schlamassel ist immer noch unklar, aus welchem Geldhaus die Verkaufsorder kam, die den gesamten deutschen Finanzplatz verschreckte.

Bei den hinter vorgehaltener Hand geraunten Adressen wiederholt sich das Spiel im Tagesverlauf mit einer gewissen Gleichförmigkeit: Das prompte Dementi, selbst für den Fehler verantwortlich zu sein, tief gekränkte Futures-Händler, die ihre Berufsehre auf dem Spiel stehen sehen, und immer mindestens ein dezenter Hinweis, es doch einmal bei diesem oder jenem anderen Geldhaus zu versuchen. Und bei ihren Aussagen lassen die Händler, die selbstverständlich unerkannt bleiben wollen, große Erleichterung spüren, selbst den Markt nicht in Unordnung gebracht zu haben. Offiziell wollte sich keine der Großbanken zu dem verunglückten Geschäft und dessen Urheber äußern.

Bis Dienstagabend hatten die wichtigsten Adressen in Deutschland mindestens ein inoffizielles Dementi abgegeben und mindestens einmal auf einen anderen Marktteilnehmer gezeigt. Wer die falsche Order tatsächlich eingegeben hatte, blieb für die Öffentlichkeit daher weiter im Dunklen. Gut so, befindet ein Händler, denn die Sache sei an sich schon unangenehm genug. "Es ist besser, sie bleibt in der Familie." Also: innerhalb des betroffenen Instituts.

Ein teures Missgeschick

Die falsche Order ist für die Marktteilnehmer aber nicht nur unangenehm, sondern kann auch teuer werden. Die Terminbörse Eurex annullierte später im Rahmen ihrer so genannten Mistrade-Regelungen eine Reihe von Futures-Geschäften. Aus diesen Annulierungen könnten den beteiligten Banken nicht unerhebliche Kosten entstanden sein.

Dennoch werden die betroffenen Banken nach Informationen aus Marktkreisen wohl nicht gegen den möglichen Verursacher der Fehleingabe oder die Terminbörse klagen. Annulierungen gehörten zum Instrumentarium der Börse, um den Markt bei Fehlern zu schützen, hieß es. Auch sei letztlich keine Bank davor gefeit, selbst einmal auf der Verursacherseite zu stehen.

Fehler kommen in der Tat im Tagesgeschäft der Märkte immer wieder vor. Bereits legendär ist beispielsweise die Geschichte eines Händlers, der bei einer Order versehentlich die Wertpapier-Kennnummer in das für das Handelsvolumen vorgesehene Feld eintrug. Als Folge sollen statt einigen hundert einige hunderttausend Papiere den Besitzer gewechselt haben. "Solange Menschen an den Händlertischen sitzen, werden Fehler passieren", sagt ein Händler. Das Risiko müsse eben von den Marktteilnehmern einkalkuliert werden.

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