Banken fordern mehr Rechtsklarheit von der neuen Super-Aufsicht
Hedge Funds: Finanzplatz Deutschland hinkt hinterher

Die Branche der Hedge Funds boomt. Allerdings nicht am Finanzplatz Deutschland. Denn der ist zu streng reglementiert. Die Banken und die deutsche Finanzaufsicht wollen dies jedoch ändern.

FRANKFURT/M. Im harten internationalen Wettbewerb ist der Finanzplatz Deutschland ins Hintertreffen geraten. Bei Finanzinnovationen hat er nur auf wenigen Feldern mit der globalen Konkurrenz Schritt gehalten.

Das liegt vor allem darin begründet, dass die Aufsicht bislang nicht flexibel genug war. Sie hat sich mit neuen Produkten wie Hedge Funds und Private Equity zu spät auseinander gesetzt. Die Folge: Die boomende Branche der Hedge Funds hat sich außerhalb Deutschlands etabliert, der heimische Finanzplatz spielt in diesem Bereich international kaum eine Rolle. Im Gegensatz dazu steht nach Meinung von Alexander Ineichen von UBS Warburg jedoch das große Interesse deutscher Anleger an Hedge Funds.

Rund 85 Prozent der Hedge Funds-Manager sind in den USA angesiedelt, sagt Ineichen. Auf der anderen Seite stamme das in Hedge Funds und Hedge-Funds-Instrumente investierte Geld zu mehr als 50 Prozent aus Europa. Deutsche Banken haben innovative Finanzinstrumente wie Hedge Funds und Private-Equity-Produkte in einem weitgehend rechtsfreien Raum meist in die Form von Investment-Zertifikaten "verpackt" und ihren Kunden zum Kauf angeboten.

"Das bei deutschen Experten bestehende Wissen wird kaum genutzt, weil die Gesetzeslage die Schaffung reiner deutscher Hedge Funds und Private-Equity-Fonds unmöglich macht", klagt Wolfgang Stolz, Vorstand von UBS Warburg. "Wir müssen den Finanzplatz Deutschland fit für die Zukunft machen", fordert Michael Geier von Mellon Global Investments. "Der Gedanke zur Gründung eines reinen deutschen Hedge Funds ist im aktuell geltenden rechtlichen Umfeld nicht attraktiv", sagt auch Investmentrechtler Thomas Paul, Partner bei der Anwaltssozietät Hengeler Müller in Frankfurt/M.

Hedge Funds seien "kleine Investmentbanken" und keine Investmentfonds, meint Ineichen. Die flexiblen und anpassungsfähigen "Investment-Boutiquen" beschäftigen im Durchschnitt 25 Mitarbeiter. "Wenn Investmentbanken in Deutschland zugelassen sind, sollten auch Hedge Funds genehmigt werden", fordert Ineichen.

Problem erkannt

Die zum 1. Mai 2002 gegründete Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) hat dieses Problem offensichtlich erkannt. Die Umsetzung der EU-Investmentrichtlinie in nationales Recht und die damit einhergehende Reform des Gesetzes über Kapitalanlagegesellschaften (KAGG) soll zu einer grundlegenden Umgestaltung geltender Vorschriften genutzt werden. Innerhalb des BAFin soll eine Grundsatzabteilung mit der Aufgabe eingerichtet werden, bislang unbeaufsichtigte Alternativ-Investments wie Hedge Funds und Private Equity in die hiesige Aufsicht einzubeziehen.

Dieses Ansinnen wird von Bankern zwar begrüßt, doch zeigen sich die Experten allgemein skeptisch, ob es rasch umzusetzen ist. "Eine Realisierung der Pläne würde nicht nur das Abwandern fähiger Köpfe nach London und Dublin verhindern, sondern auch dem hiesigen Finanzplatz großes Ansehen in der Welt bringen", sagt Geier. "Wird das Thema jedoch erst im 5. Finanzmarktförderungsgesetz behandelt, dürfte der Zug bereits abgefahren sein und der Finanzplatz Deutschland auf der Strecke bleiben", befürchtet Dirk Söhnholz, geschäftsführender Partner bei der Beratungsfirma Feri in Bad Homburg.

"Es ist wichtig, die Talente am hiesigen Finanzplatz zu halten", sagt Stolz, der sich im Hinblick auf die Realisierung der Pläne jedoch ebenso skeptisch zeigt. Der Vorstoß von Finanzminister Eichel, Leerverkäufe verbieten zu wollen, zeige die falschen Denkstrukturen. "Das hätte katastrophale Folgen für den Finanzplatz Deutschland", sagt Stolz.

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