Banken führen Kreditkarten ein: Smart Cards erhalten in Ägypten Einzug

Banken führen Kreditkarten ein
Smart Cards erhalten in Ägypten Einzug

Auf sanften Druck der internationalen Kreditkartenunternehmen beginnen die ägyptische Banken bereits mit der Einführung entsprechender Systeme. Da die Smart Cards bislang nur sporadisch benutzt wurden, bieten sich auch für deutsche Spezialanbieter gute Geschäftschancen.

bfai KAIRO. Der Anstoss zur Anwendung von "intelligenten Kreditkarten", den sogenannten Smart Cards, in Ägypten geht von den international führenden Kreditkartenfirmen Europay, MasterCard und Visa aus. Denn diese Firmen haben schon seit einiger Zeit mitgeteilt, dass ihre Geschäftspartner, eben Banken und Kreditinstitute, bis 2005 über eine Technologie verfügen, die die Nutzung von Smart Cards nach dem Standard EMV ermöglichen kann. Ansonsten könnte mit diesen Partnern aus Sicherheitsgründen heraus keine Geschäfte mehr getätigt werden.

Erst zwei der mehr als 15 in Frage kommenden ägyptischen Finanzinstitute haben bislang reagiert und damit begonnen, ihre Technologie entsprechend umzustellen. Es handelt sich um die Commercial International Bank (CIB) und die Arab-African International Bank (AAIB). Erst im September 2003 haben diese Banken erstmals in Ägypten Smart Credit Cards eingesetzt. Die CIB hat dabei MasterCard als Partner, bislang sollen 70. 000 intelligente Karten an die Kunden ausgegeben worden sein. Der Partner von AAIB ist Visa, wobei bislang 10. 000 der smarten Karten den Weg zu Kunden gefunden haben.

Aus der genannten Lage ergibt sich, dass in den kommenden Monaten die verbleibenden 13 Finanzinstitutionen mit der Umstellung auf die entsprechende Technik beginnen werden. Dies kann nur in Kooperation mit ausländischen Systemlieferanten gelingen. Dabei eröffnen sich für deutsche Lieferanten gute Perspektiven. Denn der führende Pionier für Smart Card-Anwendungen in Ägypten ist das deutsche Unternehmen Giesecke und Devrient (GuD) mit Sitz in München. GuD hat seit 1996 die riesige Marktlücke in Ägypten erkannt und sich mit einer Niederlassung nach ägyptischem Recht, der Giesecke and Devrient Egypt Ltd, frühzeitig engagiert.

GuD Egypt liefert denn auch die Technologie an die CIB und managed die tiefgreifende Umstellung der Struktur der Bank. Zuvor hat die deutsche Niederlassung das Großvorhaben einer modernen persönlichen Identifikationskarte (ID-Card), also eines "Personalausweises", in Ägypten durchgeführt.

Der Bedarf an Smart Credit Cards in Ägypten wird zwar ständig zunehmen, aber keineswegs so rasch wie eigentlich notwendig. Denn es ist die tief verwurzelte Neigung der meisten Ägypter zu berücksichtigen, möglichst alle Transaktionen "Cash" abzuwickeln. Möglichst niemand, weder Bank und schon gar nicht der Staat und das Finanzamt, sollen über die persönlichen Finanzen Bescheid wissen. Ein sehr hoher Anteil der aktiven ägyptischen Geschäftsleute gehört darüber hinaus der ägyptischen Schattenwirtschaft an, die ihre Unternehmen erst gar nicht registriert haben und daher auch keine Steuern zahlen.

Einer Studie der Arab Banking Corporation zufolge beträgt die Bevölkerung etwa 70 Mio. Einwohner, davon halten nur etwa 2 Mill. Bankkonten. An den alten Kreditkarten mit Magnetstreifen sind lediglich 500. 000 Stück in den Händen von Kunden, was Ägypten als Stiefkind der Region ausweist. Im relativ Bevölkerungsarmen Saudi-Arabien sind es etwa 2,5 Mill. Karteninhaber. Trotzdem oder gerade deshalb sehen Experten künftig hohe Wachstumsraten für die Nutzung smarter Karten in Ägypten.

Der Boom kündigt sich auch in anderen Sektoren an. Besonders steigender Bedarf ist im Bereich der elektronischen Sicherheitstechnik zu registrieren. Die Ereignisse des 11. September 2001 in den USA waren der Initialzünder für einen weltweiten Boom an Smartcard-basierten IT-Lösungen bei der Personenidentifizierung und Authentifizierung, der nunmehr auch Ägypten erreicht hat. Vorreiter einer breiten Entwicklung sind die drastisch gesteigerten Sicherheitserfordernisse der ägyptischen Behörden. Davon ausgehend erhält das E-Government einen Schub, der sonst so kaum denkbar gewesen wäre.

Der Einsatz von Smartcard-Lesegeräten und-Terminals wird in Einsatzbereichen von Industrie, Telekommunikation und Handel stark ansteigen. Dabei kommt es den Kunden auf komplette Lösungen an, in denen der Sicherheitsaspekt eine dominierende Rolle spielen wird. E-Commerce und E-Banking werden nur dann in der Nahostregion breite Akzeptanz finden, wenn die Vertraulichkeit überzeugend geschützt werden kann. Ausländische Solutions-Provider werten ebenso wie die im Markt führende deutsche GuD Ägypten als potenziell lukrativen Markt und als Basis in die Märkte der Region, in denen man präsent sein sollte.

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