Banken gaben grünes Licht
Milliardengrab Premiere kommt ohne Pleite davon

Nach dem Zusammenbruch fast des gesamten Kirch- Imperiums kommt ausgerechnet der große Verlustbringer Premiere wohl ohne Pleite davon. Die Banken haben grünes Licht für eine dringend nötige Zwischenfinanzierung von rund 100 Millionen Euro gegeben.

dpa MÜNCHEN. Damit hat Premiere-Chef Georg Kofler jetzt drei bis vier Monate Zeit, neue Investoren zu finden. Experten gehen davon aus, dass dies gelingen kann. "In Deutschland sind die Bedingungen zwar etwas schwieriger als in anderen Ländern, Pay-TV kann aber auch hier profitabel betrieben werden", meint Medienwächter Wolf-Dieter Ring, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien (BLM).

Leo Kirch versenkte in den vergangenen Jahren Milliarden, um seinen Traum vom Monopol im Pay-TV zu verwirklichen. Allein im vergangenen Jahr machte Premiere einen operativen Verlust von 989 Millionen Euro. Die Muttergesellschaft Kirch Pay-TV hat Insolvenzantrag gestellt. "Unter Kirch gab es bei Premiere eine große Kundenferne und eine völlige Selbstüberschätzung", heißt es in Unternehmenskreisen. Kirch habe Spielfilme und Sportrechte zu teuer eingekauft, sagt Ring. Zudem sei das Angebot schlecht vermarktet worden und beim Einstieg zu teuer gewesen. Auch die Decoder, bei denen Kirch auf ein Monopol setzte, seien nicht ausgereift gewesen.

Kofler hat seit seinem Amtsantritt im Februar bereits versucht, das Ruder herumzureißen. Er strich hunderte von Arbeitsplätzen und steht mit Fußball-Bundesliga und Filmstudios in Verhandlungen über Preisnachlässe. Die Banken knüpfen ihre Kreditzusage an Fortschritte bei diesen Gesprächen. Kofler muss schnell Erfolge vorzeigen. "Ohne Bundesliga-Liveberichterstattung will sich Kofler Premiere nicht vorstellen", sagt ein Branchenexperte. Allerdings sei Premiere der einzige Abnehmer in Deutschland für Pay-TV-Rechte. Daher müssten beispielsweise auch die Bundesliga und die Fußball-Sponsoren an einem Abschluss interessiert sein. "Ein Spiel wie 1860 gegen Wolfsburg gibt es sonst live nirgendwo zu sehen."

Kritiker sind der Ansicht, dass Bezahlfernsehen in Deutschland wegen der hohen öffentlich-rechtlichen Gebühren und des großen frei empfangbaren Angebots überhaupt nicht funktionieren kann. Medienwächter Ring ist aber überzeugt, dass exklusive Angebote ohne Werbung immer ihre Abnehmer finden werden. Zudem seien schon die 2,4 Mill. Abonnenten, die Premiere derzeit hat, ein Pfund, mit dem Kofler bei einer günstigeren Kostenstruktur wuchern könne. "Alle Zeitungen und Zeitschriften wissen ja, wie wichtig ein fester Abonnentenstamm ist." Im übrigen würden Bayerische Landesbank und Hypo-Vereinsbank, die derzeit als Kirch-Gläubiger kritisch beäugt würden, ohne Aussicht auf Erfolg keine neue Finanzspritze geben.

Kofler verweist zudem darauf, dass Deutschland beim Bezahlfernsehen noch hinterherhinkt. Hier zu Lande haben nur etwa gut sechs Prozent der Haushalte einen Pay-TV-Anschluss. In Großbritannien sind es 44 Prozent, in Frankreich und Spanien jeweils rund ein Drittel. Laut einer Studie der Beratungsfirma Mercer sind 23 Prozent der Deutschen an einem Pay-TV-Abonnement interessiert. Mit einem Schnupperangebot ab fünf Euro, mehr Erotik im Programm und einem kundenfreundlicherem Service will Kofler sie auch zum Abschluss bewegen. "Wenn das einer hinbringt, dann der Kofler", heißt es bei einer Gläubigerbank. Mit dem Überbrückungskredit hat er erst einmal Zeit gewonnen. Durch die Pleite der Muttergesellschaft ist Premiere von vielen Altlasten befreit.

Wenn im Herbst neue Investoren einsteigen sollten, wäre der Neustart endgültig auf den Weg gebracht. Als Kandidaten für einen Einstieg gelten die "üblichen Verdächtigen" wie Silvio Berlusconi, Rupert Murdoch oder deutsche Verlage. "Es spricht zudem viel dafür, dass sich die Unternehmen beteiligen, die an einer zusätzlichen Verwertung über das Pay-TV interessiert sind", sagt Ring. Dies dürften vor allem die großen US-Filmstudios sein. Ein Ende des Bezahlfernsehens wäre nach Einschätzung Rings ein Verlust für die Medienlandschaft. "Premiere und das Pay-TV sind ein wesentlicher Motor für die Entwicklung der digitalen Technologien in Deutschland."

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