Banken gewähren der Fluggesellschaft 1,5 Milliarden Dollar Kredit – Partner Lufthansa strebt keine Beteiligung an
United fliegt weiter – trotz Pleite

Die größte Pleite der Luftfahrt ist besiegelt, doch der Patient fliegt weiter: Unter dem Gläubigerschutz des US-Konkursrechts will United Airlines gesunden. Lufthansa steht dem Partner zur Seite.

NEW YORK/DÜSSELDORF. Die Muttergesellschaft von United Airlines, UAL Corp., hat gestern Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Konkursrechts (Chapter 11) beantragt. Die Fluggesellschaft mit Sitz in Elk Grove Village strebt unter dem Schutz des Konkursgerichts im Northern District in Illinois eine rasche Sanierung an.

Für die Kunden der Deutschen Lufthansa, die mit United im Rahmen des Flugbündnisses Star Alliance kooperiert, soll der Konkursantrag zunächst keine Auswirkungen haben. Sämtliche Tickets sowie die Bonusmeilenprogramme blieben gültig, teilte der Konzern gestern mit. Lufthansa bekräftigte erneut ihre Bereitschaft zur Hilfe, ohne konkrete Zusagen zu geben. Spekulationen über die mögliche Beteiligung an einer neuen Eigentümerstruktur erteilte der Konzern eine Absage: "Es ist gemeinsamer Konsens in der Star Alliance, dass man sich nicht aneinander beteiligt", sagte ein Lufthansa-Sprecher dem Handelsblatt. Derzeit liefen allerdings Gespräche, in welcher Form ein finanzielles Engagement bei Absicherung des Risikos möglich sei. Der Kurs der Lufthansa-Aktie gab gestern weiter nach und lag am Abend mit 3,5 % im Minus bei 10,23 Euro.

Mit 83 000 Mitarbeitern ist United Airlines die größte Fluggesellschaft, die je um Gläubigerschutz nachgesucht hat. Auch traditionsreiche Linien wie Pan Am, Trans World Air (TWA) und zuletzt US Airways haben in der Vergangenheit Chapter 11 beantragt - die meisten von ihnen sind vom Markt verschwunden: Nur drei von insgesamt elf Anbietern, die in den vergangenen 20 Jahren um Gläubigerschutz baten, haben überlebt.

Bei UAL sind die Beobachter zuversichtlicher. Sie erwarten, dass die Gesellschaft, die in den vergangenen zwei Jahren Verluste von rund 4 Mrd. $ eingeflogen hat, nun drastischere Kostensenkungen durchsetzen kann. United sei vor allem beim Streckennetz allen früheren Pleite-Airlines weit voraus, sagen Analysten übereinstimmend.

Als historisches Beispiel dient die Genesung von Continental Airlines: Die zurzeit achtgrößte US-Fluggesellschaft hat bereits zweimal, 1983 und 1990, Gläubigerschutz beantragt und gilt inzwischen als eine von wenigen US-Fluglinien, deren Geschäft auf vergleichsweise solider Basis steht. "Viel hängt davon ab, ob die Menschen das bei United als Totenwache sehen oder ob es einen glaubwürdigen Plan für die Neuorganisation gibt", sagte Kevin Neels, Unternehmensberater bei Boston Charles River Associates.

Der UAL-Vorstandsvorsitzende Glenn Tilton kündigte an, den Geschäftsplan deutlich überarbeiten zu wollen, nannte jedoch noch keine konkreten Änderungen. Er ließ dabei durchblicken, dass United effizienter werden und sich dem Modell vieler Billigfluglinien annähern müsse. Tilton äußerte die Hoffnung, nach 18 Monaten wieder ohne Gläubigerschutz fliegen zu können. "Wir werden uns das gesamte Geschäft anschauen und jedes einzelne Element prüfen, um die Marge zu verbessern", sagte Tilton in Chicago. Der große Vorteil von Chapter 11 sei, "dass wir die Zeit bekommen, das systematisch zu tun". Seinen Mitarbeitern sagte er, sie sollten Chapter 11 als Kapitel Eins und damit als Chance für einen Neuanfang begreifen.

"Die Chancen stehen eindeutig gut für eine Reorganisation, aber vorherbestimmt ist das auf keinen Fall", sagte Gary Chase, Analyst der Investmentbank Lehman Brothers.

UAL hatte mit seinem Antrag auf Gläubigerschutz einige Tage gewartet, nachdem die US-Regierung die erhofften Kredithilfen in Höhe von 1,8 Mrd. $ abgelehnt hatte. United musste sich erst noch die Finanzierung im Konkursfall (Debtor-in-Posession) sichern. Nur mit den 1,5 Mrd. $, die ihnen Citibank, JP Morgan, Bank One und CIT Group zur Verfügung stellen, kann United auch während des Insolvenzverfahrens weiter operieren. Die Finanztochter des Mischkonzerns General Electric, GE Capital, war im letzten Moment abgesprungen und wurde von der CIT Group ersetzt. Gläubiger, die UAL unter Chapter 11 Geld leihen, werden zuerst bedient.

Tilton sagte, dass die Airline auf 300 Mill. $ sofort zugreifen werde. Zudem verfüge das Unternehmen noch über 800 Mill. $ an liquiden Mitteln. Die US-Fluggesellschaften und insbesondere United leiden vor allem unter hohen Personalkosten. Mit dem Konkursantrag von United wächst auch der Druck auf die anderen Airlines. Bei US Airways, die ebenfalls unter Chapter 11 fliegt, drängen die Kreditgeber auf weitere Lohnkürzungen. Die weltgrößte Fluggesellschaft American Airlines fordert von ihren Mitarbeitern im Jahr 2003 eine Nullrunde.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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