Banken haben schlechte Erfahrungen gemacht
Lieber Pleite als falsche Sanierung

Das deutsche Kreditgewerbe setzt bei angeschlagenen Firmen zunehmend auf Insolvenz statt Sanierung. Das sagte Christopher Pleister, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) am Dienstagabend in Frankfurt.

HB/dpa FRANKFURT. "Die schlechte wirtschaftliche Situation zieht sich wie eine Blutspur durch die Kreditportfolios in allen Bankensektoren." Die "Rezession in den Kreditbüchern" ändere das Verhalten, erläuterte er im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten.

Die Institute hätten oft schlechte Erfahrungen mit gescheiterten Sanierungen gemacht, die auf zu optimistischen Konzepten basierten. Bei gefährdeten Krediten käme es mittlerweile häufiger zu Ausfällen. Deshalb habe die Bereitschaft, solche Rettungsmaßnahmen zu begleiten, übergreifend bei Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken abgenommen. Schwierig seien vor allem die Verhandlungen kritischer Fälle, an denen mehrere Geldhäuser beteiligt seien. Bei den Gesprächen dominiere das Misstrauen. Die Devise laute immer häufiger "Rette sich wer kann" statt "Lasst uns gemeinsam kämpfen".

Abhilfe könne eine Spezialbank schaffen, an die Problemkredite abgegeben werden könnten. Mit einer ähnlichen Einrichtung hätten die Institute des Genossenschaftssektors gute Erfahrungen gemacht. "Für den verbleibenden Teil der Bank ist es gut, das kranke Geschäft herauszunehmen."

Die Fusion der genossenschaftlichen Spitzeninstitute DG- und GZ- Bank zur heutigen DZ Bank bezeichnete Pleister als "Glücksfall". Durch den Zusammenschluss habe es 2002 höhere Einsparungen gegeben als vorgesehen. Bei den Planungen wäre man mittelfristig von Sparmöglichkeiten in Höhe von etwa 128 Mio Euro ausgegangen. Doch allein 2002 seien die Kosten dadurch um rund 200 Millionen Euro niedriger ausgefallen.

Eine Fusion zwischen Volksbanken und Sparkassen oder Privatbanken lehnte Pleister kategorisch ab. In Bereichen, die für den Wettbewerb nicht entscheidend wären, sei er jedoch "zu jeglichen Kooperationen" bereit. Das gelte beispielsweise für den Zahlungsverkehr. Bei der Auslagerung von Geschäftsbereichen und Kooperationen hätten die Genossenschaftsbanken mehr Erfahrung als alle anderen Bankgruppen.

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