Banken-Krise
Analyse: Japan ist weit weg – noch

Deutschlands Großbanken stecken in der tiefsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Der Zusammenfall von Konjunkturflaute und Börsencrash spielt der Branche übel mit. Die Gewinne brechen weg, einige Institute rutschten zuletzt operativ sogar in die roten Zahlen.

Leider ist dieses an sich schon triste Panorama, gepaart mit der hochgradigen Nervosität der Finanzmärkte, auch ein idealer Nährboden für Gerüchte der gefährlichen Art. So mutiert in ominösen Marktkreisen eine - in der Tat vorhandene-- Ertragskrise plötzlich in eine Liquiditäts- oder Bonitätskrise. Opfer solcher Spekulationen ist derzeit die Commerzbank. Die schwächste der heimischen Großbanken musste sich jetzt Unterstellungen über hohe Verluste im Geschäft mit Kreditderivaten erwehren. weisen. Zuvor waren sogar Spekulationen über Liquiditätsprobleme in die Welt gesetzt worden. Zwar sehen weder die internationalen Ratingagenturen noch andere seriöse Analysten Anzeichen für eine solche Katastrophe. Aber trotz energischer Dementis der Bank reichte schon das Aufkeimen der Gerüchte, um Aktien und Anleihen des Instituts auf Talfahrt zu schicken.

Andere, vornehmlich angelsächsische Analysten sehen sogar Deutschlands Bankenwelt insgesamt auf dem Weg, demnächst in japanische Verhältnisse zu schlittern. Dort steckt nicht nur ein Institut, sondern das komplette Finanzsystem in einer Dauerkrise. Dies ist der Hauptgrund dafür, dass die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt seit Jahren darniederliegt. Kein Wunder also, dass die deutsche Finanzwelt den Vergleich mit Japan erbost zurückweist. Zu Recht, denn das hiesige Bankensystem ist von japanischen Verhältnissen weit entfernt. Die Finanzkrise dort wurde durch das Platzen einer gewaltigen Immobilienblase ausgelöst. Seitdem sitzen die Banken auf derart hohen Bergen von faulen Krediten, wie sie in Deutschland trotz der aktuellen Pleitewelle nicht einmal ansatzweise vorstellbar sind.

Dennoch muss alleine die Tatsache, dass Gerüchte à la Commerzbank überhaupt in Umlauf kommen, in Frankfurt alle Alarmglocken schrillen lassen. Auch wenn sich die Spekulationen im Einzelfall als falsch oder vielleicht sogar böswillig erweisen - gedeihen können sie nur vor dem Hintergrund der miserablen Ertragslage der deutschen Banken. Deren Grundproblem sind ihre im europäischen Vergleich viel zu hohen Kosten. Jetzt rächt sich, dass die Manager in den Frankfurter Glaspalästen diese altbekannte Weisheit zu lange verdrängt haben. In den neunziger Jahren konnten Sondereinflüsse die Malaise noch halbwegs kaschieren. Wiedervereinigung und Börsenboom verhalfen zu üppigen Erträgen. Erst seit dem abrupten Ende der Aktienhausse versuchen die Banken, mit einem massiven Stellenabbau ihre Kosten in den Griff zu kriegen. Doch stecken sie mittlerweile so tief im Schlamassel, dass diese Schritte zu kurz greifen könnten. Vermutlich muss auch über eine weitere Marktbereinigung mittels Übernahmen und Fusionen - möglichst auch im Lager der Sparkassen und Genossenschaftsbanken - nachgedacht werden. Denn nur ein solides Maß an Ertragskraft der deutschen Finanzdienstleister garantiert, dass sich Vergleiche mit Japan auch künftig als Schimäre erweisen.

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