Banken kritisieren Rettungsplan
Holzmann geht das Geld aus

Die Situation bei Holzmann ist noch angespannter als erwartet. Nach einem hohen Verlust 2001 droht das Geld knapp zu werden. Doch das Rettungspaket der Deutschen Bank ist umstritten.

FRANKFURT/M 10.03.02. Die erneute Schieflage der Philipp ist offenbar dramatischer als von vielen Gläubigerbanken erwartet. Ohne neues Hilfspaket würde dem Baukonzern spätestens Ende des Jahres das Geld ausgehen. Das geht aus Unterlagen hervor, die den Banken am vergangenen Freitag präsentiert wurden. Dem Ende 1999 spektakulär von Bundeskanzler Gerhard Schröder geretteten Unternehmen bliebe dann nur der Gang zum Insolvenzrichter.

Wie aus Bankkreisen zu hören ist, musste das Holzmann-Management seinen geschockten Kreditgebern am Freitag gleich mehrere Hiobsbotschaften mitteilen. So rechnet der Vorstand für 2001 offensichtlich mit einem Verlust von 237 Millionen Euro. In den Tagen vor dem Treffen waren noch 199 Millionen Euro kolportiert worden. Ursache für den Verlust ist zum einen das Scheitern von Immobilienverkäufen, die das Ergebnis aufbessern sollten. Zum anderen lastet die schlechte Baukonjunktur auf dem Geschäft und verursacht weitere Umstrukturierungskosten.

Mit 237 Millionen Euro würden die Verluste das Eigenkapital des Konzerns dramatisch übersteigen, das Ende 2000 bei 126 Millionen Euro lag. "Ohne Hilfsmaßnahmen würde es bei Holzmann spätestens Ende dieses Jahres eng werden", sagte ein Bankmanager dem Handelsblatt.

Um dies zu vermeiden, haben die größten Kreditgeber, allen voran die Deutsche Bank, ein Hilfspaket geschnürt, das als erste Geldspritze dienen soll. Sein Umfang ist nicht bekannt. Im Gegenzug erhalten die Banken als Sicherheit den Baudienstleister HSG Philipp Holzmann Technischer Service GmbH, der im Jahr 2000 ein Ergebnis von rund 5,3 Millionen Euro erzielte. Dieses Paket sei bereits weitgehend vereinbart, hieß es.

Dagegen stößt das eigentliche Rettungskonzept der Deutschen Bank, das den Namen "Gazelle" trägt, bei einigen Instituten auf wenig Gegenliebe. Danach sollen die Banken alle Problemfälle von Holzmann - darunter vor allem die mit völlig überhöhten Mietgarantien belasteten Immobilien - über eine eigenständige Gesellschaft übernehmen. Die gesamte Transaktion hätte ein Volumen von rund einer Milliarde Euro.

Diesem Konzept stehen vor allem die kleineren Kreditgeber skeptisch gegenüber. Sie sehen durch die "Gazelle"-Gesellschaft neue Risiken auf sich zukommen. Die Deutsche Bank bringe als größter Kreditgeber und Anteilseigner von Holzmann unnötigen Druck in die Angelegenheit, nur um Holzmann schnell verkaufen zu können, hieß es. Bei einem erneuten Treffen, dessen Termin noch nicht feststeht, wollen die Banken weitere Schritte beschließen.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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