Banken lehnen Forderungsverzicht ab
Investoren wollen Kirch zum Nulltarif

Bei den Rettungsversuchen der angeschlagenen Kirch-Gruppe gibt es unerwartet große Hindernisse. Die Kirch-Media- Gesellschafter wollen bisher zum Nulltarif einsteigen, was die Banken aber ablehnen.

cbu MÜNCHEN. Zur Rettung der Kirch-Gruppe zeichnet sich eine gemeinsame Lösung von Banken und Kirch-Gesellschaftern ab. Allerdings wird um die Einzelheiten noch gerungen. Nach letztem Stand könnte die Mehrheit an die Investoren gehen, die Banken würden über 25 % übernehmen, um den Erfolg der Restrukturierung sicher zu stellen. Am Montag Abend platzte kurzfristig eine entscheidende Sitzung zwischen Banken und Kirch-Media-Gesellschaftern, weil die die Vertreter der Berlusconi-Firmen Mediaset und Fininvest nach Mailand gereist, um sich zu beraten. Mediaset und Fininvest halten zusammen knapp 5 % an Kirch Media. Daneben sind Rewe, Lehman Brothers, Rupert Murdoch, Capital Research und der saudische Prinz Al Waleed beteiligt. Mediaset-Manager Claudio Sposito tritt in den Verhandlungen derzeit als Sprecher aller übrigen Gesellschafter auf. Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist selbst nicht persönlich involviert.

"Der Poker hat begonnen", hieß es in München zu den am Dienstag wieder aufgenommenen Gesprächen. Die Gesellschafter möglichst viel herausholen. Rupert Murdoch könnte zudem die operative Führung übertragen werden. Die Banken sollen offenbar nach den Vorstellungen der Gesellschafter auch einen weit reichenden Forderungsverzicht leisten. Die Geldinstitute, insbesondere die Bayerische Landesbank, sind dazu aber nicht bereit. "Letztlich wird den Banken keine andere Wahl bleiben, als mit den Investoren gemeinsam einzusteigen", hieß es.

Banken finden gemeinsame Linie

Dabei sind die bisher zerstrittenen Banken aber offenbar auf einer Linie. Unter Führung der Bayern LB gehören zum Verhandlungskreis die Hypo-Vereinsbank (HVB), die Commerzbank und die DZ-Bank. Alle vier Institute, die zusammen mehr als 3 Mrd. Euro an Kirch vergeben haben, verfügen über relativ schlechte Sicherheiten (etwa Film- und Sportrechte). Am weitaus stärksten betroffen ist dabei die Bayern LB, die allein nahezu 2 Mrd. Euro an Kirch verliehen hat. Die Bank, zu 50 % in Besitz Bayerns, steht zudem unter politischem Druck, eine schonende Lösung zu finden. Zudem haben die Münchener noch im vergangenen Jahr den Einstieg Kirchs in die Formel 1 finanziert.

Aber auch die in Turbulenzen steckende Frankfurter DZ Bank hat ein großes Interesse an einer Lösung. Das Institut, das ohnehin schon hohe Wertberichtigungen in ihrem Kreditportfolio vornehmen musste, hat zuletzt offenbar bereits einen fälligen Kredit gestundet. HVB-Chef Albrecht Schmidt, der Kredite von knapp unter 500 Mill. Euro an Kirch bewilligte, ist dagegen in einer besseren Position. Er hatte dem Medienkonzern die Option eingeräumt, das Axel-Springer-Paket für etwa 1,1 Mrd. Euro zu übernehmen. Das Angebot steht weiterhin, unabhängig welche Lösung in den laufenden Gespräche gefunden wird.

Nicht aktiv nach einer Lösung suchen nach wie vor die beiden Großbanken Deutsche und Dresdner Bank. Die Dresdner betonte gestern wieder, dass sie nicht mit verhandeln wolle. Ein Großkredit der Frankfurter über 460 Mill. Euro wird im April fällig, ist aber durch das 25 %-Paket Kirchs am spanischen TV-Sender Telecinco gesichert. Auch die Deutsche Bank hat für ihr Engagement von etwa 700 Mill. Euro Zugriff auf das Springer-Paket von Kirch.

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