Banken lehnen Sanierungsplan ab
Holzmann verliert den Überlebenskampf

Am Abend gab das Management der Philipp den Überlebenskampf auf. Nachdem Commerzbank, Dresdner Bank und Hypo-Vereinsbank den Rettungsplan ablehnten, blieb nur noch der Insolvenzantrag. Zwei Jahre nach der Beinahe-Pleite ist der Traditionskonzern damit am Ende.

jkn FRANKFURT/M. Für die 23 000 Mitarbeiter des Baukonzerns Philipp Holzmann sieht es düster aus. Gut zweieinhalb Jahre nachdem das Unternehmen nur knapp der Pleite entkommen konnte, war die Insolvenz am Ende unvermeidbar. Bereits am Mittag erklärte Holzmann Finanzvorstand Johannes Ohlinger, ohne eine Einigung der Banken hätte der Traditionskonzern keine Chance mehr.

Vieles deutete im Laufe des Nachmittages schon darauf hin, dass dem Vorstand dieser Schritt kaum erspart bleiben sollte. Bis zum Schluss blieben die Dresdner Bank, die Commerzbank und die Hypo-Vereinsbank bei ihrer Ablehnung des vorgelegten Rettungsplans.

Er sah einen Forderungsverzicht sowie eine Finanzspritze mit einem Volumen von insgesamt 200 Mill. Euro vor. Im Gegenzug hätten die Banken das Zugriffsrecht auf die Holzmann-Servicetochter HSG bekommen. Holzmann hätte mit einer solchen Lösung die bilanzielle Überschuldung vermeiden können.

Doch die Gläubiger spielten nicht mit: "Aus Sicht der Commerzbank konnte ein tragfähiges Fortführungskonzept zur Rettung des Baukonzerns nicht einmal in Grundzügen entwickelt werden", hieß es etwa bei der Commerzbank.

Wie aus Bankkreisen zu hören war, stießen sich die kritischen Banken vor allem an dem zweiten Rettungsschritt, dem so genannten Projekt "Gazelle". Es sah vor, sämtliche Problembereiche von Holzmann, in erster Linie mit hohen Mietgarantien belastete Immobilien, in eine von Banken getragene Gesellschaft einzubringen. Nur nach einen solchen Schritt hätte Holzmann überhaupt "verkaufsfähig" gemacht werden können.

Am Mittag versuchte Holzmann-Finanzvorstand Ohlinger verzeifelt, für das Konzept zu werben. Zwar räumte er ein, dass das vorgelegte Konzept mit Risiken behaftet sei. "Es handelt sich aber um ein Konzept der wirtschaftlichen Vernunft, das unnötigen Schaden von der Gesellschaft, den Menschen im Unternehmen, den Banken und anderen Gläubigern, wie unsereren Nachunternehmen abwendet", sagte Ohlinger.

Doch selbst eine zusätzlich in Aussicht gestellte Finanzspritze der Deutschen Bank über 50 Mill. Euro änderte an der Meinung der opponierenden Banken nichts. Darüber hinaus räumte der größte Anteilseigner und Kreditgeber des Baukonzerns eine Bürgschaft über 10 Mill. Euro ein. Bedingung wäre gewesen, dass auch die übrigen Banken ihren Teil zur Rettung des Unternehmens beitragen würden, hieß es bei dem deutschen Bankenprimus.

Gleichzeitig hatte Ohlinger einen Forderungsverzicht von Investoren einer Wandelanleihe bestätigt, der einen bilanziellen Effekt auf das Eigenkapital von rund 120 Mill. Euro gehabt hätte. Das hätte zwar insgesamt eine erhebliche Entlastung der Bilanz zur Folge gehabt. Trotz all dieser Maßnahmen hätte jedoch kein Weg an der Zustimmung aller Gläubigerbanken zum Rettungsplan vorbeigeführt, sagte Ohlinger.

Nach Ansicht des Holzmann-Finanzchefs hätten die Banken durch einen Forderungsverzicht und durch Risiken aus der Übernahme von Immobilien etwa 250 Mill. Euro verloren. Dem stehen jetzt im Falle einer Insolvenz Verluste von 1,3 Mrd. Euro gegenüber. Dabei bezieht sich das Holzmann-Management vor allem auf so genannte Avallinien, die sich bei Holzmann auf rund 1,8 Mrd. Euro belaufen. Diese Bürgschaften können Bauherrn von Banken einfordern, wenn es auf der Baustelle zu einem Stillstand kommt. "Avale sind bei Pleiten in der Bauindustrie ein sehr heikles Thema. Da könnte auf die großen Banken noch einiges zukommen", erklärte ein Bauexperte einer Bank.

Für Heiko Stiepelmann, Sprecher des Hauptverbandes der deutschen Bauindustrie, ist die Entwicklung bei Holzmann nicht überraschend. Die gesamte Bauwirtschaft befände sich in einem Niedergang. "Die Hoffnungen auf eine Stabilisierung wurden bitter enttäuscht", sagte Stiepelmann. Bundesweit rechne die Branche im laufenden Jahr mit einem Rückgang der Bauleistung um ein bis zwei Prozent.

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