Banken locken mit guten Kennzahlen
Suche nach unterbewerteten Titeln

Während der Talfahrt an den Börsen werden einige europäische Schwergewichte zu Unrecht abgestraft. Deshalb lohnt in der Krise ein Blick auf die Bewertung. Dabei fallen Finanztitel mit niedrigem KGV und hoher Dividendenrendite auf. Die Aktien sind mit hohen Risiken behaftet, doch Mutige sehen auch die großen Kurschancen.

DÜSSELDORF. Wer seit 1999 nicht an der Börse eingestiegen ist und das schon immer nachholen wollte, bekommt jetzt die zweite Chance. Die Baisse von inzwischen 19 Monaten hat den europäischen Stoxx-Index auf das Niveau aus der Zeit vor Beginn des großen Booms gestutzt. In der langen Talfahrt sind einige Werte zu Unrecht mit in die Tiefe gerissen worden und deshalb auch noch nach der kurzen Aufwärtsbewegung auf einem "ausgesprochen attraktiven Niveau für ein langfristiges Engagement", sagt Walter Sommer von der Vermögensberatung Grossbötzl und Schmitz.

Der Gründe, die zu den Kursrückgängen und damit zu dem für einige Analysten "attraktiven Niveau" führen, sind bekannt: Rezessionssorgen in den USA, Europa und Japan. Hinzu kommt die Ungewissheit über die Folgen der militärischen Gegenschläge nach den Attentaten in den USA. Dementsprechend beurteilen Experten die kurzfristige Entwicklung skeptisch. So sieht die Fondsgesellschaft Adig den Stoxx-Index in vier bis acht Wochen zwischen 3 200 und 3 500 Punkten und in sechs bis acht Monaten zwischen 3 500 und 4 000 Zählern. Gestern notierte der Stoxx bei 3 370 Punkten.

Während die Prognosen für die kurzfristige Entwicklung düster bis verhalten ausfallen, beurteilen die Experten die Aussichten auf Jahressicht deutlich optimistischer. Umso wichtiger sind Regeln, mit denen der Anleger jetzt Unterbewertungen aufspüren und nutzen kann. Als Kriterien für einen möglichen Einstieg wenden Analysten die typischen Profil-Kennzahlen an: Das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) sollte günstig sein, das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) niedrig. Es lohnt sich vor allem ein Blick auf die Dividendenrendite und das Kurs-Buchwert-Verhältnis. So muss man auf dem Parkett momentan gerade mal das zweifache des Cashflows für VW bezahlen. "Das ist so günstig wie seit sechs Jahren nicht mehr", sagt Walter Sommer.

Das niedrigste KGV und die höchste Dividendenrendite weisen in Europa fast durchweg Finanztitel auf (siehe Tabelle). Sie litten in den vergangenen Tagen besonders unter der Furcht vor neuen Terroranschlägen und daraus resultierenden Schäden. Hinzu kommen spezifische Probleme wie Schieflagen im Kreditgeschäft, beispielsweise mit angeschlagenen Fluggesellschaften. "Kurzfristig wird es sicher noch Enttäuschungen geben", meint Reiner Osbild von Sal. Oppenheim. So präsentierte die Credit Suisse erst gestern schlechte Zahlen und einen negativen Ausblick. Nur einen Tag zuvor überraschte Zurich Financial mit einer Gewinnwarnung. "Die Risiken sind beträchtlich, aber die Chancen überwiegen", urteilt Osbild dennoch. So sei keinesfalls sicher, dass Europa und die USA in eine Rezession schlidderten. Zudem helfe die expansive Geldpolitik den Banken.

"Banken laufen mit dem Zyklus, deshalb kann man ruhig den ein oder anderen Bankentitel ins Depot aufnehmen", empfiehlt David Kohl von Julius Bär ein antizyklisches Verhalten - also ein Schwimmen gegen den Strom. Als nützlichen Hinweis für Unterbewertungen sieht Kohl die Dividendenrendite. Sie beschreibt die Rückflüsse im Vergleich zum eingesetzten Kapital bei einer Aktie. "Bei den momentanen Bewertungsniveaus liegen die Dividenden teilweise über dem Geldmarkt- und Bondsatz. Das macht einzelne Aktien attraktiv".

Nachteil solch hilfreicher Kennzahlen wie KGV und Dividendenrendite ist aber, dass sie künftige Entwicklungen nicht berücksichtigen. Sobald ein Unternehmen seine Ertragsprognosen herabsetzt, erhöht sich das KGV. Und auch die Dividende ist nicht statisch: So errechnet sich für die Daimler-Chrysler-Aktie eine Rendite von über 6 % (ohne Steuergutschrift) - auf Basis der letzten Ausschüttung von 2,35 Euro. Doch die Chance, dass der Automobilkonzern wieder so tief in seine Schatulle greift, ist gering.

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