Banken planen Auffanggesellschaft
Murdoch und Berlusconi stehen vor der Tür

Das Schicksal der Kirch-Gruppe scheint besiegelt. Die Banken bereiten bereits eine Auffanggesellschaft vor, die den Film- und Sportrechtehandel der Kirch-Media weiter betreiben und die Mehrheitsbeteiligung an der Pro Sieben Sat 1 Media AG halten soll. Daran will sich auch der Springer-Verlag beteiligen.

DÜSSELDORF. Der Grund liegt auf der Hand: Die Banken und Springer wollen beim Ausverkauf des Medienunternehmens ein Wörtchen mitreden und so ihre Interessen wahren. Die der Banken sind in erster Linie finanzieller Art - der Ausschluss der Medienzaren Rupert Murdoch und Silvio Berlusconi dürfte für die Kreditinstitute allenfalls zweitrangig sein. Das haben Bankenvertreter bereits angedeutet. Es wird wenig nützen, dass Gerhard Schröder und Edmund Stoiber einmütig vor ausländischem Einfluss auf dem deutschen TV-Markt warnen. Denn auch der Insolvenzverwalter ist den Interessen der Gläubiger verpflichtet, nicht der Politik - er muss aus der Kirch-Gruppe so viel wie möglich herausholen. Wenn Murdoch und Berlusconi gute Angebote machen, erhalten sie auch den Zuschlag. Springer wird das nur verhindern können, wenn er zu mindestens 25,1 Prozent an der Auffanggesellschaft beteiligt ist. Die Banken haben allerdings signalisiert, dass der Verlag dafür Geld hinlegen muss. Zu Recht: Die Put-Option, die Springer einbringen will, ist nur eine gesellschaftsrechtliche Vereinbarung zwischen Springer und der Kirch-Gruppe und kann keineswegs mit dem Anteil an einer völlig neuen Gesellschaft "verrechnet" werden.

Auch andere Investoren werden sich nicht dem Kampf gegen Murdoch und Berlusconi verschreiben, sondern genau überlegen, ob und - vor allem - wann sie ihr Interesse an den Filetstückchen des Unternehmens bekunden. Bei einer Firma wie Holzmann macht es durchaus Sinn, schon im vorläufigen Insolvenzverfahren einzusteigen. Denn noch läuft der Betrieb auf den Baustellen weiter, weil Lieferanten mit Hilfe eines Massekredits vorrangig bezahlt werden können. Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens springen sie ganz sicher ab - und im Gefolge die Auftraggeber. Dann wird der Baukonzern zwar billiger, aber auch uninteressant für Investoren.

Die "Big Assets" der Kirch-Gruppe - etwa das Pro-Sieben-Sat-1-Aktienpaket oder die Filmbibliothek - werden jedoch im Zweifel nur billiger, je länger das Verfahren dauert. Außerdem gibt es gute Gründe für Investoren, die Eröffnung des Insolvenzverfahrens abzuwarten: Denn danach gilt die Haftung des Käufers für Altverbindlichkeiten und Steuerschulden eines Unternehmens nur eingeschränkt. Vor allem: Im Insolvenzverfahren kann der Verwalter Arbeitnehmer mit verkürzter Frist entlassen oder mit dem Betriebsrat einen Kündigungsplan vereinbaren. Davon wird der Verwalter bei Kirch Gebrauch machen: Da ein Käufer alle Mitarbeiter übernehmen muss, lässt sich ein Betrieb mit abgespecktem Personalstand leichter verkaufen.

Der vorläufige Insolvenzverwalter wird einer Kirch-Auffanggesellschaft sicher zustimmen. Die Banken könnten sonst auf die Idee kommen, Kreditsicherheiten selbst zu verwerten. Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens kann dies nur noch der Verwalter. Schon die offenbar beschlossene Übertragung der lukrativen TV-Rechte an den Fußball-Weltmeisterschaften 2002 und 2006 an die Kirch AG-Sport in der Schweiz schmälert die Masse der Kirch-Gruppe. Der Ausverkauf hat begonnen. Murdoch und Berlusconi scharren bereits mit den Füßen.

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