Banken raten weiter zur Übergewichtung
Telekombonds geht die Puste aus

Mit ihren Tipps für Telekomanleihen haben Analysten in diesem Jahr richtig gelegen. In ihren Ausblicken für 2003 hatten fast alle großen Häuser die Bonds von Telekomunternehmen zum Kauf empfohlen, und tatsächlich haben sich die Anleihen extrem gut entwickelt. Die Kurse der Bonds sind seit Oktober fast unaufhaltsam gestiegen. Im Gegenzug sanken die Renditen der festverzinslichen Wertpapiere.

FRANKFURT/M. Im Oktober vergangenen Jahres brachten Telekomanleihen nach Indizes von FTSE im Schnitt noch 2,4 Prozentpunkte mehr Rendite als deutsche Staatsanleihen. Inzwischen liegen die Risikoaufschläge (Spreads) nur noch bei 1,09 Prozentpunkten über Bundesanleihen. Die Spreads sind zwar in den vergangenen Tagen schon leicht gestiegen, dennoch sind sie so niedrig wie zuletzt vor drei Jahren.

Trotz der Spitzen-Performance empfehlen Banken wie Lehman Brothers, Commerzbank, Deutsche Bank und HSBC, Telekombonds weiter im Vergleich zu anderen Unternehmensanleihen überzugewichten. Der Großteil der Rally sei zwar gelaufen, und hier und da könne es - wie in den vergangenen Tagen - Gewinnmitnahmen geben. Dennoch sollten sich die Bonds weiter besser entwickeln als der Markt, heißt es bei den Banken unisono.

Hauptgrund für den Optimismus sind die guten Fundamentaldaten. "Die Telekomunternehmen werden weiter ihre Schulden abbauen", sagt zum Beispiel Satyajit Chatterjee, Analyst für Unternehmensanleihen bei HSBC. Dass die Unternehmen mit dem Schuldenabbau vorankommen, haben auch die in den vergangenen Wochen veröffentlichten Geschäftszahlen gezeigt. Deutsche Telekom, Telefónica, KPN und British Telecom verringerten ihre Verbindlichkeiten deutlich und erwirtschafteten Gewinne. France Télécom verschafft sich durch eine Kapitalerhöhung über 15 Mrd. Euro Luft.

"Weiterhin zu Gute dürfte den Telekomanleihen auch kommen, dass sie als defensiv gelten", sagt Chatterjee. Das werde den Bonds gerade dann helfen, wenn die Konjunktur weiter schwach bleibe.

Den Ruf als defensive Anlage haben Telekombonds, weil das Festnetzgeschäft der Konzerne als konjunkturunabhängig gilt. Außerdem können die Firmen leichter als zum Beispiel Autokonzerne ihre Fixkosten senken und Investitionen zurückfahren. Oft werden Telekombonds deshalb - und wegen der praktisch noch vorhandenenen Monopolstellung im Festnetzgeschäft - mit Versorgerbonds verglichen.

Telekomfirmen würden sich voraussichtlich aber nur zeitweise wie Versorgerunternehmen verhalten, meinen Rick Deutsch von BNP Paribas und Mattias Soderberg von JP Morgan. In den nächsten Jahren könnten die Telekomfirmen wieder versuchen, ihr Wachstum durch höhere Investitionen und möglicherweise durch Übernahmen zu steigern. Zu einem Rückfall in die hohe Verschuldung wie zu Zeiten der Versteigerungen der UMTS-Lizenzen sollte es jedoch nicht kommen, meint Deutsch. "Viele Telekomunternehmen haben sich komplett gewandelt", sagt er. Deshalb sei es nicht angemessen, die historisch niedrigen Risikoaufschläge als ein Argument gegen Telekombonds zu verwenden. Deutsch rät Investoren, Telekomanleihen noch leicht im Bondportfolio überzugewichten.

Soderberg von JP Morgan ist skeptischer und bewertet Telekomanleihen seit Ende April mit der Einstufung "neutral". Goldman Sachs teilt diese Einschätzung. "Die fundamentalen Daten für Telekomanleihen sind weiter gut", sagt Soderberg. "Die meisten professionellen Investoren haben aber Telekomanleihen gemessen an ihren Vergleichsindizes bereits übergewichtet", sagt er. "Dafür, dass der Sektor weiter überdurchschnittlich gut abschneidet, gibt es einfach nicht mehr genug Käufer."

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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