Banken reagieren mit neuen Produkten auf das Sicherheitsbedürfnis der Anleger: Produkte mit Kapitalgarantie sind gefragt

Banken reagieren mit neuen Produkten auf das Sicherheitsbedürfnis der Anleger
Produkte mit Kapitalgarantie sind gefragt

In der derzeit schwierigen Marktphase kreieren die Banken so genannte strukturierte Produkte, die exakt auf die Bedürfnisse der Anleger abgestellt werden. Die Angebotspalette reicht von kapitalgarantierten Finanzprodukten bis hin zu wesentlich riskanteren Hebelprodukten.

DÜSSELDORF. Die derzeitig schwierige Situation im Irak verstärkt die seit nunmehr fast drei Jahren zunehmende Unsicherheit an den internationalen Aktienmärkten und trübt die Aussicht auf eine schnelle Kurserholung an den Finanzmärkten. Anleger reagieren äußerst verhalten und scheuen Risiken, so dass das Thema Geldanlage immer kritischer gesehen wird. Dabei entsteht der Eindruck, als gäbe es kaum sichere Alternativen. Beobachtet man jedoch die Produktentwicklung der Emissionshäuser, wird mit so genannten strukturierten Produktinnovationen, also Zertifikaten bzw. Bonds, ein interessanter Weg aufgezeigt, der die Bedürfnisse nach Sicherheit, Ertrag und Liquidität vereint.

Dieser reicht von Produkten mit Kapitalgarantie bis hin zu Discount- und Hebelzertifikaten, die den risikoreicheren Anlagen zuzuordnen sind. Alle Produkte berücksichtigen die individuellen Anlagepräferenzen und erleben eine fortlaufende Entwicklung und Optimierung. Der Kreativität der Emissionshäuser, die auf eine langjährige Erfahrung am Markt zurückblicken können, sind dabei in der Produktgestaltung kaum Grenzen gesetzt. Die unterschiedlichen Zertifikate und Bonds sind börsennotiert und können somit während der Börsenhandelszeit jederzeit ge- und verkauft werden.

Kapitalgarantie bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der verbriefte Nominalwert (in der Regel 1 000,00 ) zur Endfälligkeit des Zertifikates zu 100% zurückgezahlt wird. So kann der Anleger zur Fälligkeit jegliches Verlustrisiko des eingesetzten Kapitals, unabhängig von der Marktentwicklung, ausschließen. Auch bei einem Absturz der Aktienmärkte ist das Nominalkapital gesichert. Die Kapitalgarantie ergibt sich aus einer Anleihen-Komponente, während alle weiteren zusätzlichen Ausstattungen wie Partizipation und/oder Verzinsung durch Optionskonstruktionen abgebildet werden.

So bleibt es der individuellen Anlegerpräferenz überlassen, ob ein breit diversifizierter Weltindex oder ein speziell konstruierter Aktienkorb gewählt wird. Meist basiert die Index- bzw. Aktienauswahl auf fundiertem Research des jeweiligen Bankhauses oder auf neutralen Kriterien wie beispielsweise der Marktkapitalisierung einer Aktie. Je nach Zertifikat steht die Teilnahme an der Wertentwicklung eines zugrundeliegenden Basiswertes (Aktien oder Indizes) im Vordergrund. Diese Partizipation kann unterschiedlich hoch ausfallen.

Als Ausgleich für eine niedrigere Partizipationsrate kann zum Beispiel eine garantierte Basisverzinsung eingebaut werden. In diesem Fall erhält der Anleger zusätzlich zur Kapitalgarantie eine feste Verzinsung des Kapitals und gleichzeitig die Chance, an positiven Entwicklungen des Basiswertes zu partizipieren. Eine weitere sehr erfolgreiche Entwicklung am Markt ist die garantierte Mindestverzinsung, vereint mit einer Bonus-Chance am Laufzeitende. Dieser Bonus wird in Abhängigkeit von der Entwicklung eines aus Aktien bestehenden Korbes zusätzlich zur Verzinsung und Tilgung des Kapitals gezahlt.

Neben diesen eher konservativ ausgestatteten Zertifikaten enthalten Produkte, deren Verzinsung in hohem Maße von der Entwicklung einzelner in einem Aktienkorb enthaltener Aktien abhängt, einen variablen Zinskupon. Hier wird für jede Aktie ein Referenzwert festgestellt, der einen bestimmten Prozentsatz (bis zu 50 %) unter dem Anfangswert der Aktie zum Zeitpunkt der Emission des Zertifikates liegt. In fest definierten Intervallen wird untersucht, ob eine der Aktien diesen Referenzwert unterschritten hat. Ist keine Aktie unter diesen Referenzwert zum Intervallstichtag gefallen, erhalten die Anleger eine Auszahlung des maximalen Zinskupons, der deutlich über dem Marktzinsniveau liegt. Hat eine Aktie den Referenzwert "verletzt", hängt es von der Produktgestaltung ab, ob und in welcher Höhe ein Zins gezahlt wird. Hier sind sehr vielfältige Zinsstaffeln möglich, so dass je nach Anzahl der Aktien, die den Referenzwert erreicht oder unterschritten haben, der Zins unterschiedlich hoch ausfallen kann.

Wurden in vergangenen Zinsperioden keine Zinsen oder nur verringerte Zinsen gezahlt, können bei einigen Produkten die ausgefallenen Zinszahlungen gesammelt und rückwirkend ausgezahlt werden, sofern die Kriterien in den folgenden Perioden wieder erfüllt sind. Die Auszahlung einer garantierten Mindestverzinsung ist wiederum abhängig von den Zertifikatsbedingungen.

Einige kapitalgarantierte Produkte beinhalten ein vorzeitiges Kündigungsrecht des Emittenten. Grundsätzlich profitiert der Anleger von der positiven Entwicklung eines Index. Sollte dieser jedoch ein gewisses Niveau überschreiten, ist es für den Emittenten günstiger, das Produkt zu kündigen. Als Entschädigung für die vorzeitige Kündigung erhält der Kunde eine attraktive, über dem Nominalwert liegende Tilgungszahlung, deren Höhe vom Zeitpunkt der Kündigung abhängt. Eine nicht mit einer 100 %igen Garantie versehene interessante Variante ist das "Best End"-Zertifikat.

Es garantiert den Verkauf zum höchsten monatlichen Durchschnittskurs, der während der Laufzeit ermittelt wurde, zu einem vorher festgelegten Prozentsatz. So wird das eingesetzte Kapital von Anfang an bis zu einem fest definierten Prozentsatz garantiert.

Die hohe Dynamik im Markt deutet auf eine spannende Zukunft mit weiteren Varianten hin. So lange die Märkte weiterhin ein ausgeprägtes Unsicherheitspotenzial in sich bergen, werden kapitalgarantierte Produkte weitere Erfolge feiern und den Anlegern die ersehnte Sicherheit der Geldanlage bieten.

Marc Pawlak ist Produktspezialist im Bereich Global Equity Derivatives bei der WestLB in Düsseldorf.

Quelle: HANDELSBLATT

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