Banken rechnen mit weniger Gewinn
Welthandel wächst nur noch halb so schnell

Der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) erwartet ein deutlich langsameres Wachsen des Welthandels. Dessen Zunahme werde sich in diesem Jahr von zwölf auf sechs Prozent halbieren, sagte BGA-Präsident Anton F. Börner am Montag in Berlin.

ddp-vwd BERLIN. Trotz der Terroranschläge in den USA sei aber "jedes Gerede über Weltwirtschaftskrisen" unseriös. Für den deutschen Außenhandel prognostizierte Börner eine nominale Steigerung der Ex- und Importe um acht Prozent. Er beweise sich damit als robust und behaupte sich in schwierigem Umfeld. Die Tendenz sinkender Zuwächse werde sich jedoch auch im kommenden Jahr fortsetzen.

Die Auswirkungen der Anschläge in den USA auf die Weltwirtschaft seien bisher nur schwer einzuschätzen, räumte Börner ein. Eine Rezession in Euroland werde es aber nicht geben, eine Rezession in den USA erscheine "noch unwahrscheinlich". Die Zukunft des freien Handels sieht Börner durch die Attentate nicht gefährdet. Weltweit gebe es "deutliche Anzeichen für Zuversicht". Auf den Märkten herrsche keine Panik. Die geldpolitischen Schritte der Notenbanken sorgten weiterhin für Liquidität. Auch die OPEC habe besonnen reagiert. Da sich der Aufschwung der US-Konjunktur nach den Terroranschlägen um "ein bis zwei Quartale" verzögern werde, müssten "Deutschland und Europa die Lokomotivfunktion in der Weltwirtschaft übernehmen".

Die deutschen Banken müssen nach Einschätzung der Bundesbank wegen der abgebremsten Konjunktur, der andauernden Talfahrt der Aktienmärkte und den verstärkten Turbulenzen nach den Terroranschlägen mit einem weiteren Ertragrückgang rechnen. Bereits im Vorjahr seien die Erträge der deutschen Kreditinstitute verstärkt unter Druck geraten, heißt es in dem jüngsten Monatsbericht. Die "Riester-Rente" zum Aufbau einer zusätzlichen kapitalgedeckten Altersvorsorge lasse künftig zwar eine zunehmende Nachfrage nach provisionsträchtigen Wertpapierdienstleistungen aller Art erwarten, schreibt die Bundesbank weiter. Vorerst sei jedoch wegen der Schwäche an den Aktienmärkten und der gesunkenen Risikobereitschaft der Anleger mit einer "eher moderaten Entwicklung" zu rechnen.

Nach den Zahlen der Bundesbank ist die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal nicht mehr gewachsen. In diesem Zeitraum war das saison- und kalenderbereinigte Bruttoinlandsprodukt nicht höher als in den Monaten Januar bis März, schreibt das Institut in seinem Monatbericht. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes sei der Vorjahresstand nur noch um ein halbes Prozent übertroffen worden. Im Trend habe damit die Konjunktur in Deutschland seit Mitte 2000 deutlich an Dynamik verloren.

Industrieproduktion im Minus

Auch in der Eurozone und der gesamten Europäschen Gemeinschaft lag die Industrieproduktion (ohne Baugewerbe) im Juli im Minus. Gegenüber dem Vormonat wurde nach den Angaben von Eurostat ein Rückgang um 1,4 Prozent und in der EU-15 um 1,3 Prozent registriert. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sank die Industrieproduktion in der Eurozone im Juli um 1,1 Prozent und in der EU-15 um 1,4 Prozent. Die Industrieproduktion im Juli war im Vergleich zum Vormonat in allen zehn Staaten rückläufig, für die bislang Daten bei Eurostat vorliegen.

Diese Eurostatt-Angaben bleiben deutlich hinter den Prognosen der Volkswirte führender Kreditinstitute zurück. Sie hatten für die Eurozone im Juli einen Rückgang der Industrieproduktion von nur 0,7 Prozent im Monatsabstand erwartet. Im Jahresvergleich war sogar ein Plus von 0,5 Prozent vorausgesagt worden. Dennoch warnen die Analysten vor einer Überbewertung der Zahlen. Sowohl Experten der Commerzbank als auch der Dresdner Bank sehen für das vierte Quartal für die europäische Industrieproduktion die Trendwende als möglich an.

Auch Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) warnte erneut vor Konjunkturpessimismus. Dafür gebe es "objektiv keinen Grund", sagte Müller bei einem Wirtschaftsempfang der Arbeitsgemeinschaft der Selbstständigen in der SPD (TAGS). Auch für Unternehmer müsse das Motto der Stunde deshalb "Jetzt erst recht" heißen. Der Wirtschaftsminister forderte die Firmenchefs auf, ihren Teil zur Meisterung der Lage beizutragen und Investitionsentscheidungen nicht zu verzögern.

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