Banken schließen weiteren Niedergang der gemeinsamen Währung nicht aus
Union will schwachen Euro zum Wahlkampfthema machen

Die Unionsparteien machen die Bundesregierung verantwortlich für die Schwäche des Euros. Diese werde ein Wahlkampfthema werden, wenn sich die Politik der Regierung nicht grundlegend ändere, sagte der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Friedrich Merz, der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe).

ap FRANKFURT/MAIN. Nach Einschätzung der Chefvolkswirte von sechs deutschen Banken wird sich an der Euro-Schwäche in diesem Jahr kaum etwas ändern, wie eine Umfrage der "Berliner Zeitung" ergab.

Der frühere Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff (FDP) sprach in der "Welt am Sonntag" von einer rückwärts gewandten Politik der rot-grünen Regierung. "Sie führt wieder neue Beschränkungen ein, zum Beispiel durch die Novelle des Betriebsverfassungsgesetzes, das Recht auf Teilzeitarbeit, die Abschaffung der 630-Mark-Jobs". Bundeskanzler Gerhard Schröder habe sich beim Abbau der Arbeitslosigkeit auf die Konjunktur verlassen, die ihn aber jetzt im Stich lasse. Mit Rücksicht auf die Gewerkschaften werde er aber vor der Wahl notwendige Reformen vermeiden.

Einige der von der "Berliner Zeitung" Befragten rechnen damit, dass der Wechselkurs der gemeinsamen europäischen Währung gegenüber dem US-Dollar auf neue Rekordtiefstwerte sinken könnte. Als Gründe wurden die abflauende Konjunktur, "unklare Zinspolitik" der Europäischen Zentralbank (EZB), zunehmender Kapitalabfluss vom Euro-Raum in die USA sowie Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Einführung des Euro-Bargeldes zu Beginn nächsten Jahres genannt. Die renommierte Schweizer Bank Credit Suisse schließt laut "Welt am Sonntag" nicht aus, dass der Euro in den nächsten Jahren auf bis zu 0,57 $ absacken könnte, was 3,43 DM pro Dollar entspräche.

Professoren: Bundestag soll sich mit dem Euro beschäftigen

EZB-Präsident Wim Duisenberg sagte am Montag bei einer internationalen Konferenz von Notenbankpräsidenten in Singapur, die Zinssätze im Euro-Raum seien relativ niedrig. Man könne sie nicht als Hindernis für ein Wirtschaftswachstum in Europa betrachten. Der Euro erholte sich am Montag um rund ein halbes Prozent auf etwa 0,8514 $.

Vier Wirtschaftsprofessoren, die sich 1998 beim Bundesverfassungsgericht vergeblich um eine spätere Einführung des Euros bemüht hatten, fordern, der Bundestag solle sich mit dem Abstieg des Euros beschäftigen. Laut "Welt am Sonntag" kritisieren Wilhelm Nölling, Karl-Albrecht Schachtschneider, Joachim Starbatty und Wilhelm Hankel in einem Schreiben an die Abgeordneten, "dass der Deutsche Bundestag als Sachwalter der Sorgen unserer Bevölkerung und der Interessen Deutschlands diese Probleme überhaupt nicht zur Kenntnis nimmt". Wie hypnotisiert gehe das Parlament davon aus, dass die Probleme des Euros von selbst verschwinden würden.

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