Banken setzen verstärkt auf breiteres Fondsangebot
Anleger suchen beim Fondskauf Beratung

Immer mehr Banken bauen so genannte Fonds-Supermärkte auf. Ihr Vorteil: Über die Filialen vor Ort können sie eine persönliche Beratung anbieten. Erste Versuche zeigen, dass das Geschäftsmodell funktioniert.

FRANKFURT/M. Ein Blick auf die Zahlen zerstreute unter den Strategen der Privatbank Lampe die letzten Zweifel. Obwohl in diesem Jahr bei Investmentfonds der Mittelzufluss zurückging, stieg gleichzeitig die Anzahl der Fondsbesitzer um stattliche 1,3 Mill. an. Knapp 7,5 Mill. Fondsbesitzer gibt es nun in Deutschland, die sich in einem unübersichtlichen Angebot von über 5000 Produkten zurechtfinden müssen. Für die Bank der Oetker-Gruppe war Beratungsbedarf offensichtlich - und sie reagierte. Gemeinsam mit der Banque de Luxembourg gründete sie das Gemeinschaftsunternehmen Fund-Market. "Das persönliche Beratungsgespräch und die intensive laufende Betreuung stehen bei uns im Mittelpunkt", beschreibt Fund-Market-Geschäftsführer Gerhard Kloos das Konzept. Das Bankhaus Lampe will damit von einem Trend profitieren, der sich mit der schwierigen Lage an den Aktienmärkten noch verstärkt hat: Die Anleger kaufen Fonds zur Risikostreuung; sie wollen aber eine gute Beratung und eine breite Auswahl.

Vor diesem Hintergrund gewinnen die so genannten Fonds-Supermärkte, in denen eine Vielzahl an Fonds-Produkten angeboten wird, für Banken immer mehr an Bedeutung. Im Gegensatz zu den Fondsangeboten im Internet können sie in ihren Filialen die persönliche Beratung anbieten und bei der Auswahl helfen. Damit machen Banken den freien Fondsvermittlern Konkurrenz. Doch gerade die Großbanken, Volksbanken und Sparkassen müssen über ihren eigenen Schatten springen. Schließlich heißt das, sie bieten nicht wie bislang üblich nur die eigene Fondsprodukte an.

Doch der Kulturwandel ist wohl nicht mehr aufzuhalten. Dies zeigt das Beispiel der Citibank. Im Frühjahr 2000 startete sie mit "CitiChoice" als erste Bank einen Fonds-Supermarkt. Mittlerweile sind nur noch 20 % der verkauften Fonds hauseigene Produkte. Dafür nahm gegen den Trend von April 2000 bis April 2001 das Anlagevolumen um 5,3 % zu. Der Verkauf von Fremdfonds über den Bankschalter funktioniert also. Andere Kreditinstitute ziehen bereits nach.

So bietet die Hypo-Vereinsbank seit über einem Jahr nicht mehr nur die Produkte ihrer Fondstochter Activest an. Und seit Mai dieses Jahres experimentiert auch die Commerzbank mit dem Fonds-Supermarkt-Modell. "Ich rechne damit, dass sich demnächst alle Banken für Fremdfonds öffnen werden", sagt Commerzbank-Experte Peter Knacke. Die Berater in den Filialen gewöhnten sich allmählich daran, auch Fremdfonds aktiv anzubieten. Bei der eigenen Fondstochter Adig nimmt man die tief greifenden Veränderungen sportlich. "Uns war lange klar, dass das irgendwann mal kommen würde", sagt Adig-Sprecher Josef Wild. Ein Drittel des Mittelzuflusses komme ohnehin schon von Vertriebspartnern außerhalb der Commerzbank.

Anbieter von guten Fonds mit einer bekannten Marke werden auf jeden Fall von den neuen Aktivitäten der Banken profitieren, meint Peter Engel, Partner bei KPMG Consulting. Anleger müssten aus seiner Sicht jedoch darauf achten, dass zu jedem Anlageuniversum mindestens drei Fonds als Angebot vorliegen. Als wichtiges Qualitätskriterium nennt Engel auch die reibungslose Abwicklung. So seien etwa die Steuerbescheinigungen eine echte Herausforderung für die Anbieter.

Das Modell des Fund-Market von Lampebank und Banque de Luxembourg unterscheidet sich von den anderen nicht nur darin, dass sie keinen Interessenkonflikt mit einer eigenen Fondsgesellschaft hat, weil sie keine besitzt. Fund-Market unternimmt auch den Versuch, für die Beratung Honorar zu verlangen. Die Gebühr kostet 0,5 % des Depotvolumens. Entscheidet sich der Kunde für eine Fonds-Vermögensverwaltung, beträgt das Honorar 1 % des Depotvolumens. Eine Reduktion der Ausgabeaufschläge sei zudem im Einzelfall Verhandlungssache.

"Unsere Zielkunden verlangen erstklassigen Service und qualifizierte Beratung, sind aber auch bereit, dies zu honorieren", sagt Kloos zu diesem Modell. Die Konkurrenten blicken nun gespannt darauf, ob das Lampe-Projekt Erfolg haben wird.

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