Banken signalisieren grundsätzliches Interesse
Zertifikateverband steht vor schwieriger Geburt

Die Herausgeber von Zertifikaten und Optionsscheinen überlegen zurzeit, die gemeinsamen Interessen innerhalb eines eigenen Verbandes zu bündeln. Uneinigkeit gibt es noch in der Frage, für welche Produkte der Verband zuständig sein soll.

DÜSSELDORF. Eingeladen durch den Makler Spütz Börsenservice haben sich die in Deutschland vertretenen Banken bereits zu zwei Sitzungen getroffen. Bislang gab es allerdings keine Einigkeit über die genaue Ausgestaltung der geplanten Institution. Nächste Woche Dienstag soll das nächste Treffen stattfinden.

Über die Notwendigkeit eines Interessenverbandes besteht bei den meisten Teilnehmern Einigkeit. "Es wäre extrem sinnvoll, einen Ansprechpartner für Presse und Öffentlichkeit zu haben, der nicht nur die Meinung einer Bank vertritt", sagt Werner Humpert von UBS Warburg. Auch die Lobbyarbeit in Berlin und Brüssel könnte gemeinsam betrieben werden. Für die Banken geht es bei den Produkten um wichtige Geschäftsinteressen: Nach Angaben der Deutschen Bank setzen die Institute mit Zertifikaten pro Monat zurzeit etwa 3,5 Mrd. Euro um.

Als Lobby-Vorbild gilt allgemein der Bundesverband Deutscher Investment- und Vermögensverwaltungs-Gesellschaften (BVI), der die Interessen der Fondsbranche vertritt. Der Zertifikateverband würde in direkter Konkurrenz zu dieser Institution treten.

Ob es allerdings tatsächlich zur Gründung eines Verbandes kommt, ist momentan noch unklar. Bislang besteht zwischen den 30 Emittenten noch keine Einigkeit darüber, welche Produkte überhaupt in den Zuständigkeitsbereich der Institution fallen sollen. Die Banken sind dabei in zwei Lager gespalten: Institute wie die Citibank oder Commerzbank wollen auch risikoreichere Papiere mit einem Hebeleffekt wie Optionsscheine berücksichtigt wissen. Eine Gruppe um UBS Warburg tritt hingegen dafür ein, möglichst nur relativ konservative Produkte wie Index- oder Garantie-Zertifikate zu vertreten. "Diese Papiere könnte man sehr gut als preisgünstige Alternative zur Fondsanlage herausstellen", sagt Holger Bosse von der Dresdner Bank. Optionsscheine und Turbozertifikate werden hingegen in erster Linie von sehr risikobereiten Kurzfristspekulanten nachgefragt. Ihre Berücksichtigung würde nach Meinung des anlagekonservativen Lagers das Profil des Verbandes verwischen.

Ursache des Konflikts ist unter anderem die unterschiedliche Produktausrichtung der Institute. Während einige Banken den sehr aktiven Anleger anvisieren, setzen andere eher auf den Langfristinvestor. "Es wird jetzt darauf ankommen, beide Lager unter einen Hut zu kriegen", sagt Spütz-Experte Dirk Schernikau.

Während die Deutsche Bank bislang eine abwartende Haltung signalisiert, hat ABN Amro angesichts der Detail-Diskussionen bereits abgewunken: "Ich vermute sehr viel Mühsal für relativ wenig Ertrag", sagt ABN-Mann Stefan Armbruster.

In Branchenkreisen wird vermutet, dass einige Institute dem Verband zunächst fern bleiben, um dann später doch noch mitzumachen - sofern sich die Institution als erfolgreich erweist. Schließlich waren an der BVI-Gründung 1970 auch nur sieben Gesellschaften beteiligt, heute hat der Verband 74 Mitglieder.

In vielleicht wirtschaftlich einfacheren Zeiten dürfte es manchem Bankenvorstand außerdem leichter fallen, Mittel für den Verband zu bewilligen. Bislang rechnet Schernikau mit Kosten von "insgesamt deutlich unter einer Million Euro pro Jahr". Eine preiswertere Lösung sei jedoch ebenfalls denkbar.

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