Banken sind gesprächsbereit
Saban plant neues Angebot für Kirch Media

US-Milliardär Haim Saban plant nach Angaben aus mit der Situation vertrauten Kreisen ein neues Angebot für die Kerngeschäfte der insolventen KirchMedia-Gruppe. In Kreisen der Gläubigerbanken hieß es am Samstag, in der nächsten Woche würden mehrere Offerten auch von Finanzinvestoren erwartet.

Reuters MÜNCHEN. Sechs Wochen nach dem Scheitern des Versuchs, Deutschlands größten TV-Sender Pro Sieben Sat.1 und die umfangreiche Filmbibliothek der Kirch Media zu übernehmen, wolle Saban wieder Gespräche mit der Münchener Mediengruppe und ihren Gläubigern aufnehmen, verlautete aus Kreisen in New York. Er werde von mehreren Beteiligungsfirmen unterstützt. Vieles deute aber darauf hin, dass Finanzinvestoren den Deal auf eigene Faust - ohne einen Partner aus der Medienbranche - stemmen wollten, hieß es in Kreisen der Gläubigerbanken. Die Kreditinstitute, die eigentlich erklärt hatten, in den nächsten ein bis zwei Jahren keine Investorengespräche mehr führen zu wollen, würden sich attraktive Angebote sicher anschauen.

Eine Sprecherin von Saban und ein Kirch Media-Sprecher lehnten einen Kommentar zu den Angaben ab.

Kreise - Saban hat diesmal Unterstützung von Investoren

Nach einem Bieterwettstreit um die Reste des Medienimperiums von Unternehmer Leo Kirch, der mehr als ein Jahr dauerte, waren Anfang Juni die Verhandlungen mit dem letzten verbliebenen Kandidaten Saban gescheitert. Der in Ägypten geborene Medienunternehmer, der in den USA mit Kindertrickfilmen ein Vermögen verdient hat, hatte mit seiner Offerte unter anderem den Hamburger Bauer Verlag ausgestochen und wollte als erster Ausländer in großem Stil in den deutschen TV-Markt einsteigen.

Saban hatte nach dem Scheitern immer betont, weiter an Pro Sieben Sat.1 und der Bibliothek interessiert zu sein. Er wolle nun erneut 72 Prozent der Stammaktien von Pro Sieben Sat.1 und damit die Kontrolle über den TV-Konzern übernehmen, hieß es in den Kreisen. Saban bewerte die Stammaktien mit 625 bis 650 Millionen Euro. Bei seinem ersten Übernahmeversuch hatte er 525 Millionen Euro für 72 Prozent geboten. Die Gespräche waren im Juni vor allem an der Skepsis der Banken gescheitert, ob Saban den Kauf überhaupt finanzieren könne. Im Gegensatz dazu habe der Unternehmer nun die Unterstützung von Finanzinvestoren, darunter die Beteiligungsfirmen Providence Equity Partners, Hellman & Friedman, Thomas H. Lee, Quadrangle Group und Bain Capital, hieß es in den Kreisen.

Mehrere Interessenten erwartet

Diesmal könnten Finanzinvestoren wie Hellmann & Friedmann, Thomas H. Lee oder auch die Beteiligungsfirma Permira aber alleine zum Zug kommen, wenn sie genügend Geld mitbringen, hieß es in Bankenkreisen. "Der Deal ist viel einfacher geworden. Es geht jetzt praktisch nur noch darum, die Aktienmehrheit von Pro Sieben Sat.1 zu erwerben." Die Komplexität des Deals habe sich extrem verringert, weil sich Pro Sieben Sat.1 durch einen Vertrag den Zugang zu den wichtigsten Filmen aus der Kirch-Bibliothek für die nächsten zehn Jahre gesichert habe. Ein Kauf der Library sei nicht mehr notwendig, um die Sendergruppe mit Programm zu versorgen.

Bei den genannten Finanzinvestoren war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Permira übernahm im Frühjahr bereits den Abo-Sender Premiere, ein weiteres Überbleibsel der Kirch-Gruppe, und prüft nun nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" auch ein Engagement bei Pro Sieben. Einen Bericht des "Platow Briefs", wonach auch der Bauer Verlag ein neues Angebot plane, dementierte ein Sprecher des Hamburger Hauses. Wenn, dann müsse Kirch Media auf Bauer zukommen, sagte er. "Das ist bisher nicht geschehen."

Banken gesprächsbereit

Den Banken dürfte es nur Recht sein, ihr Engagement in der krisengeschüttelten Filmindustrie schnell zu beenden. "Wir haben immer gesagt, dass wir keine Medienmanager sind", hieß es in den Kreisen. Die BayernLB, HVB, DZ Bank und Commerzbank könnten mit einem Ausstieg ihre Belastungen aus der risikoträchtigen Beteiligung deutlich reduzieren.

Derzeit gilt noch der so genannte "Plan B", den die Banken und KirchMedia entwickelten, als die Verhandlungen mit Saban immer zäher wurden. Dabei soll die Senderfamilie, die unter einem Einbruch der Werbeeinnahmen leidet und im ersten Quartal Verluste über 33 Millionen Euro geschrieben hat, durch eine Kapitalerhöhung rund 300 Millionen Euro frisches Geld erhalten. Die Hälfte der Summe finanziert Kirch Media, die Mehrheitsaktionär bei dem TV-Konzern bleibt, den Rest übernehmen die Gläubigerbanken, wenn es nicht genug Interesse der Anleger an den neuen Aktien gibt.

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