Banken und Irakkrise belasten
Dax deutlich unter 3000 Punkten

Kursverluste in der deutschen Finanzbranche und Furcht vor einem Irakkrieg haben den Deutschen Aktienindex am Donnerstag deutlich unter die wichtige Marke von 3000 Punkten gedrückt.

Reuters FRANKFURT. Die Angst vor einem Krieg in Irak sei weiter präsent, sagten Händler. "Wir sehen viele institutionelle Anleger auf der Verkäuferseite", kommentierte ein anderer Börsianer die Situation. Das wichtigste deutsche Börsenbarometer schloss die Sitzung mit einem Abschlag von 2,03 Prozent bei 2961 Punkten, nachdem es zwischenzeitlich um über drei Prozent auf den tiefsten Stand seit Mitte Oktober gefallen war. Die Preise für Öl und Gold reagierten mit einem starken Anstieg auf die Kriegssorgen.

Im Frankfurter Aktienhandel wurde die Verliererliste des Dax von den Papieren des Finanzdienstleisters MLP angeführt, was unter anderem mit neuerlichen Spekulationen um einen möglichen Abstieg von MLP aus dem Dax erklärt wurde.

Dax technisch angeschlagen

Technisch orientierte Analysten sehen den Dax derzeit akut absturzgefährdet an. Von einer Jahresendrally ist seit den Kursverlusten vom Vortag keine Rede mehr, hieß es. Mit dem Durchbrechen der Marke bei 3000 Punkten sei der Weg nach unten praktisch frei zum Oktobertief von 2519 Punkten, so die Einschätzung von SEB-Analyst Holger Galuschke.

Angstfaktor Irak

"Die Irakkrise hängt weiter wie ein Damoskles über dem Markt", sagte ein Frankfurter Aktienhändler. Am Mittwoch hatte US-Präsident George W. Bush von Lücken im irakischen Rüstungsbericht gesprochen. Diese Aussage hatte die Sorge vor einem bevorstehenden Krieg genährt und zu stark steigenden Öl- und Goldpreisen sowie zu fallenden Aktiennotierungen geführt. Eine offizielle Reaktion von US-Außenminister Collin Powell zur Frage, ob diese Lücken als "schwerwiegender Verstoß" gegen die jüngste Resolution der Vereinten Nationen (UNO) zu werten ist, wurde noch für Donnerstag erwartet. Bei einem solchen Verstoß haben die USA mit einem Militärschlag gedroht. Am späten Nachmittag hatte der UNO-Gesandte der USA, John Negroponte, diesen Begriff verwendet.

Am Donnerstag stieg der Preis für ein Barrel (159 Liter) Öl der Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im Februar um 0,37 Dollar auf 28,86 Dollar, nachdem er zwischenzeitlich über 29,02 Dollar gelegen hatte. Gold, das traditionell als Kriseninvestment gilt und in diesem Jahr eine Renaissance erlebte, kostete zeitweise so viel wie seit fast sechs Jahren nicht mehr. Die Feinunze wurde am Abend mit 344 Dollar gehandelt. Gold hat damit seit Jahresbeginn mehr als 20 Prozent an Wert gewonnen.

Finanzwerte im Minus

Zu den größten Kursverlierern im Dax zählten die Papiere des Versicherers Münchener Rück, die mehr als fünf Prozent auf 119,58 Euro verloren. Am Morgen hatten die Analysten der Investmentbank Goldman Sachs die Aktie des Unternehmens heruntergestuft. Außerdem senkte Merrill Lynch die Allianz-Gewinnprognose für die beiden kommenden Jahren um 25 bis 30 Prozent. Allianz-Papiere verloren vier Prozent auf 97,44 Euro. Commerzbank-Papiere verloren 5,3 Prozent auf 7,90 Euro, nachdem sich Vorstandschef Klaus-Peter Müller skeptisch zu möglichen Erholungen des Geschäftes 2003 geäußert hatte.

Die Anteilsscheine des Finanzdienstleisters MLP verloren fast neun Prozent auf 9,86 Euro. "Offenbar fürchten einige, dass nach der voraussichtlich geplatzten Degussa-Übernahme durch die RAG Degussa wieder in den Dax aufsteigen könnte. Dann wäre MLP erster Abstiegskandidat", sagte der Analyst Arne Jockusch vom Bankhaus Merck Finck. Indexexperten halten eine Rückkehr von Degussa in den Dax jedoch für eher unwahrscheinlich. Die Börse ist dafür bekannt, dass sie ihre Indizes nicht ständig umbauen will.

Metro leidet

Die Aktie des Einzelhandelskonzerns Metro fiel um 3,4 Prozent auf 23,37 Euro. Zuvor hatte die Ratingagentur S&P die langfristige Einstufung von Metro gesenkt. Als Grund für die Rückstufung nannten die Experten das Ausbleiben einer auf kurze Sicht deutlich verbesserten Schuldenstruktur. Das Weihnachtsgeschäft des weltweit fünftgrößten Einzelhändlers habe aber nichts mit der Neubewertung zu tun.

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