Banken und Management im Zwist
Streit um Swissair-Debakel wird schärfer

Der Streit zwischen den Schweizer Grossbanken auf der einen und dem Management der Swissair auf der anderen Seite, wer die allgemein als Debakel und Imageschaden für das ganze Land empfundene Unterbrechung des Swissair-Flugbetriebs verursacht habe, hat am Freitag an Schärfe zugenommen.

Reuters ZÜRICH. Die Grossbank UBS , die bei der gemeinsam mit Credit Suisse in die Wege geleiteten Rettungsaktion die Federführung hat, wies den Vorwurf zurück, sie habe das Swissair-Debakel in Kauf genommen. Die Regierung (Bundesrat) in Bern, die alle Beteiligten zur Beendigung des Streites aufrief, wollte am Freitag insgesamt 320 Mill. der versprochenen Finanzspritze in Höhe von 450 Mill. sfr überweisen, um den Flugbetrieb der Swissair aufrecht zu erhalten.

Die Swissair selbst bemühte sich am Freitag, ihren Mitte der Woche unterbrochenen Flugbetrieb weiter auf etwa die Hälfte des Normalbetriebes hochzufahren. Insgesamt würden am Freitag wohl 235 Flüge durchgeführt, sagte ein Sprecher. Davon solle die Swissair selbst 137 Flüge übernehmen. Den Rest will die frühere Tochtergesellschaft Crossair im Auftrag bedienen.

Am späten Nachmittag wollten die zwei zuständigen Richter über den Antrag auf Nachlassstundung (Vergleichsverfahren) entscheiden, den die Swissair für Holding und einige Gruppenfirmen im Flugbericht eingereicht hat. Der Richter dürften den Antrag genehmigen, da die Alternative nur darin bestünde, Swissair in den Konkurs zu schicken. Die flugnahen, rechtlich selbständigen Gruppenfirmen sind davon nicht betroffen; sie sollen verkauft werden. Nach Schweizer Recht kann in einem Nachlassverfahren nicht auf das Vermögen der Tochterfirmen zugegriffen werden.

Über 17 Mrd. sfr Schulden

Die Swissair, die unter den Folgen einer misslungenen Expansionspolitik leidet, hat Schulden von mehr als 17 Mrd. sfr und und stellte Mitte der Woche den Betrieb ein, weil das Geld etwa für Treibstoff fehlte. Am Donnerstag konnte die Gesellschaft den Flugbetrieb wieder aufnehmen, nachdem der Erlös aus dem Verkauf ihres Crossair-Anteils an die beiden Grossbanken UBS und CS von knapp 260 Mill. sfr eingegangen war. Die Banken übernahmen Crossair mit dem Ziel, ihr Ende Oktober einen Teil des Swissair-Fluggeschäftes zuzuschlagen und sie zur neuen nationalen Schweizer Fluglinie auszubauen. Das Geld traf erst am Dienstagabend ein und das war nach Swissair-Angaben der Grund, warum die Swissair-Flugzeuge am Boden bleiben mussten. Der Rest des Konzerns wird gemäss dem Plan der Banken verkauft oder im Zuge des Nachlassverfahrens geschlossen.

Für viele Schweizer gelten die Grossbanken als die Schuldigen des Debakels. Swissair-Chef Mario Corti sprach in einem Interview in der Freitagausgabe der "Neuen Zürcher Zeitung" von einem "Komplott" und sagte: "Ich fühlte mich am Ende der vergangenen Woche betrogen."

UBS-Chef Marcel Ospel erklärte dagegen erneut, die UBS habe schon lange vor dem Debakel gewarnt, das Swissair-Management habe aber nicht darauf reagiert. Zudem habe die Swissair noch Liquidität gehabt. "Es ist mir völlig schleierhaft, warum Corti zu diesem Zeitpunkt den Flugverkehr eingestellt hat," erklärte Ospel. Auch am Freitagmittag setzte sich der Streit zwischen UBS-Management und Swissair fort. Dabei ging es um Verhandlungen über einen Überbrückungskredit, den die Banken Swissair für die flugnahen Bereiche zugesagt hatten.

Finanzminister: An einem Strang ziehen

Finanzminister Kaspar Villiger rief alle Beteiligten dazu auf, den Streit zu vergessen und an einem Strang zu ziehen. Der forderte die Banken auf, sich an einem Sozialplan für die Swissair-Angestellten zu beteiligen. Die dafür nötige Summe liege wesentlich unter den zwei Mrd. sfr, die in der öffentlichen Diskussion genannt worden seien. Wirtschaftsminister Pascal Couchepin sagte, es sei im Zuge der Zerschlagung der Swissair mit mindestens 4000 Entlassungen zu rechnen.

Die Bundesräte machten deutlich, dass sie nur dem von den Banken entworfenen Sanierungsplan mit Crossair als neuer nationaler Schweizer Fluggesellschaft eine Erfolgschance einräumen. "Wir sind zum Schluss gekommen, das ist etwas machbares," sagte Villiger. Am Vortag gab es immer wieder Berichte über eine mögliche alternative Auffanggesellschaft, die von den Mitarbeitern mit Staatshilfe gegründet werden könnte.

Die Swissair-Aktie notierte rund eineinhalb Stunden vor Börseschluss mit 5,30 sfr um 13,1 % unter dem Vortagesschluss. Banken hatten wiederholt darauf hingewiesen, dass die Aktie eigentlich wertlos sei. Crossair, die in den Vertagen bereits massiv zugelegt hatten, legten 0,2 % auf 451 sfr zu.

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