Banken und Softwareanbieter tüfteln an der virtuellen Geldüberweisung
Dem Internet fehlt das sichere Bezahlsystem

"E-Cash? Dieses Wort ist englisch und bedeutet auf deutsch so viel wie "elektronisches Bargeld", klärt das virtuelle Geldinstitut Bank4KidZ seit Anfang des Jahres ihre minderjährige Kundschaft auf. Dahinter steht die Deutsche Bank, die in Zusammenarbeit mit dem E-Commerce KidZ Vision AG, -Unternehmen ihre virtuelle Währung populär machen möchte.

STUTTGART. Dass das größte deutsche Geldhaus jetzt auf Kinder setzt, ist ein genauso verzweifelter wie folgerichtiger Schritt. Geld ist Gewohnheitssache: Obwohl bereits sehr elegante Lösungen für das Bezahlen im Internet entwickelt wurden, nimmt die Kundschaft sie nicht an. Die Shopper möchten sich nicht umstellen. Da macht es Sinn, das künftige Konsumentenverhalten frühzeitig zu beeinflussen.

E-Cash der Deutschen Bank ist ein Bezahlsystem ganz nach dem Gusto der Visionäre des Cyberspace. Das Geld existiert rein virtuell. Es besteht aus verschlüsselten Dateien. Die Files erzeugt der Bankkunde zunächst am heimischen PC. Anschließend schickt er sie übers Internet zu seiner Bank, die die virtuellen Geldscheine digital unterschreibt und sie dadurch zu einem Zahlungsmittel macht. Dann belastet sie das Konto des Kunden, mit dem Betrag, für den sie unterschrieben hat.

Elegante Bezahlverfahren im Web

Wird die signierte Datei anschließend an einen Webshop übertragen, so kann der leicht überprüfen, ob die Unterschrift der Bank und damit das virtuelle Geld echt ist. Eine Datei nämlich wird digital unterschrieben, indem sie mit einem kompliziertem Verfahren verschlüsselt wird. Ähnlich elegante Bezahlverfahren haben die heute zu Compaq gehörende Digital mit Millicent und IBM mit Micro Payments entwickelt.

Allein die E-Commerce-Kundschaft bleibt beim Alt-Bewährten: 30 % bezahlen per Kreditkarte. 26 % überweisen die fällige Summe. 22 % zahlen Mittels Lastschrift und 13 % per Nachnahme. Bei der Erhebung dieser Zahlen war sich das Marktforschungsunternehmen Forit sicher, dass der Anteil der Kreditkarte bald unter 20 % sinken und dass die Nachnahme weitgehend aus dem E-Commerce verschwinden wird. Das war Anfang letzten Jahres.

Shoppen per Mobiltelefon

"Am Bezahlverhalten hat sich noch nichts geändert", räumt der zuständige Berater Christian Lipski heute ein. Neue Ideen aber haben zwischenzeitlich auf sich aufmerksam gemacht. So ermöglichen die Wiesbadener Paybox und die Münchner Payitmobile die Bezahlung per Mobiltelefon. Wenn der Handy-Besitzer im Webshop den entsprechenden Button drückt, dann übermittelt der Shop den zu zahlenden Betrag an die Clearing-Stelle. Deren Sprachcomputer ruft auf dem Handy des Shoppers an, der dann die Richtigkeit der digitalen Rechnung nur noch zu bestätigen braucht.

"Wer setzt sich denn mit dem Mobiltelefon vor den PC?" kritisiert Christian Lipski die Handy-Methode. Ebenfalls sehr umständlich nimmt sich das Net-900-Verfahren der Mönchenglattbacher "in medias res" aus. Wenn der Surfer auf eine Bezahl-Seite kommt, dann wird die Verbindung ins Netz über seinen Provider gekappt und statt dessen eine kostenpflichtige 0900-Nummer angerufen. Der Net-900-Partner Telekom fakturiert dann mit der Telefonrechnung.

Die Marktforscher räumen derartigen holprigen Verfahren mittelfristig allenfalls ein Nischendasein ein. Nach dem universellen Zahlungsmittel im Web noch gesucht. Die Forit-Untersuchung trägt denn auch den Titel. "Bezahlen im Internet - Revolution auf Raten".

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