Banken und Sparkassen haben in letzter Minute noch Münzsets zusammengestellt
Endlich: Genug Geld für alle

Die Währungsunion wird greifbar: Am Freitag beginnt zum Beispiel in Frankreich der Verkauf der ersten Euro-Münzen. In Deutschland rechnen Banken und Sparkassen von Montag an mit langen Schlangen vor den Schaltern.

HB FRANKFURT/M. Sie sehen reichlich unscheinbar aus: Kleine flache Plastiktütchen mit einem schwarzen Bundesadler als Aufdruck, im Innern nur ein wenig Kleingeld. Dennoch werden sich die Bundesbürger um die schmucklosen Päckchen reißen, schließlich sind sie von historischem Wert: Zum ersten Mal lässt sich das neue Geld befühlen, beschnuppern, betrachten. 14 Tage vor der offiziellen Einführung der Scheine und Münzen verteilen Banken und Sparkassen die so genannten Starter-Kits.

In jedem Säckchen stecken einige Exemplare aller acht verschiedenen neuen Münzen vom Ein-Cent- bis zum Zwei-Euro-Stück. Kostenpunkt für die Verbraucher: 20 DM oder 10,23 Euro. Damit gibt es die Starter- Kits zum Schnäppchenpreis, denn präzise umgerechnet sind die 20 Münzen 20,01 DM wert.

Die Banken rechnen mit Scharen von Neugierigen. Nicht nur Privatleute werden die Starter-Kits als originelles Weihnachtsgeschenk und Sammlerobjekt schätzen. Auch Firmen wollen ihren Mitarbeitern die funkelnden Geldstücke als Präsent unter den Baum legen, seit klar ist, dass sie die Münzmischungen steuerfrei an ihre Beschäftigten abgeben dürfen. Skeptiker wie Klaus-Dieter Kühbacher, Chef der Landeszentralbank (LZB) Berlin/Brandenburg, befürchten deswegen, dass die Münzsets binnen kürzester Zeit vergriffen sein werden. Andere Banker wiegeln ab. "Es gibt genug Münzen für alle", beruhigt Reinhold Rickes, Euro-Beauftragter des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Allerdings haben alle Beteiligten eingeräumt, dass die Zahl von 53,5 Millionen Starter-Kits, die die Institute vor zweieinhalb Jahren bei der Bundesbank bestellt hatten, wohl etwas knapp kalkuliert war. Deshalb hat die Zentralbank das Kontingent kurzerhand verdoppelt. Damit jeder Euro-Fan auch wirklich zum Zuge kommt, dürfen die Banken aus ihren eigenen Euro-Beständen noch einmal 50 Millionen Sets selbst abpacken oder lose an Kunden verteilen.

Berlins LZB-Chef Kühbacher sieht dem Ansturm der Sammler dennoch nicht so gelassen entgegen. Spätestens am Mittwoch werde es in Berlin keine Starter-Kits mehr geben. Für den drohenden Mangel sind nach Meinung des Zentralbankers vor allem die Großbanken verantwortlich. Die hätten sich bei der Bestellung der Münz-Päckchen sehr bedeckt gehalten. Weniger Sorgen macht sich der LZB-Chef um die Ausstattung von Sparkassen, Volksbanken und Raiffeisenbanken.

"Das Problem ist bereits gelöst", betont dagegen Herbert Walter, Chef der Deutschen Bank 24. Von Ende September bis Anfang November hat die Filialtochter der Deutschen Bank Starter-Kits selbst nachproduziert. Auch Commerzbank und Hypo-Vereinsbank rechnen nicht mit Engpässen. Rund 450 000 Päckchen hat die Frankfurter Sparkasse 1822 (Fraspa) auf Lager. "Wir haben reichlich bei der Bundesbank bestellt, das sollte genügen", hofft Fraspa-Sprecher Adolf Albus.

Wer unter den Euro-Jägern in vorderster Front dabei sein will, muss sich warm anziehen und lange aufbleiben. Zahlreiche Banken werden ihre Schalter am Montag bereits um Mitternacht öffnen. Punkt 24.00 Uhr will auch die Fraspa mit einem Schlag auf den Euro-Gong vor der Frankfurter Börse die Verteilung der Münzsets in ihrer Filiale am Börsenplatz einläuten. Die Dresdner Bank eröffnet ebenfalls in der Nacht zum Montag ihren Starter-Kit-Weihnachtsmarkt in Frankfurt. Bei der Kölner Stadtsparkasse soll am Montagmittag Bundesbank Präsident Ernst Welteke persönlich die Euro-Münzen unters Volk bringen.

Der Rummel gaukelt vor, dass die Bundesbürger letztlich doch ihren Frieden mit dem bislang ungeliebten Euro gemacht haben - ein Trugschluss: Laut jüngster Statistik des Bundesverbandes deutscher Banken lehnt nach wie vor die Hälfte der Deutschen die Gemeinschaftswährung ab. 35 Prozent der Befragten erwarten vom Euro mehr Nach- als Vorteile, und 68 Prozent befürchten steigende Preise für die Lebenshaltung durch die Einführung des neuen Bargelds.

Für den Wirtschaftspsychologen Günter Wiswede liegt die Antwort auf die Frage, warum die Deutschen auch nach drei Jahren Währungsunion noch immer solche Euro-Muffel sind, auf der Hand: Die Bundesbürger seien einfach überdurchschnittlich stolz auf ihre alte Währung und die wirtschaftliche Stärke ihres Landes. Mit den Starter-Kits werden die Deutschen also jetzt auf Entwöhnungskur geschickt. Bundesfinanzminister Hans Eichel geht auch dabei mal wieder mit gutem Beispiel voran. Als Bundesbankpräsident Ernst Welteke am vergangenen Mittwoch dem Kabinett in Berlin die Euro-Scheine und Münzen präsentierte, zählte Eichel entgegen seiner Gewohnheit nicht erst lange sein Geld, sondern griff sofort zu. Für 20 DM erwarb er sein ganz persönliches Starter-Kit.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%