Banken und Versicherungen kooperieren verstärkt über Grenzen hinweg
Allfinanz bleibt Erfolg schuldig

Die europäische Banken- und Versicherungsbranche wurde in den vergangenen Monaten heftig durcheinander geschüttelt. Nun setzen die Institute verstärkt Kostensenkungsprogramme um und analysieren die Möglichkeiten von Zusammenarbeit. Mit einem wirklichen Aufschwung 2002 rechnet kaum jemand.

Die europäischen Banken und Versicherungen stehen nach einem katastrophalen Jahr 2001 und einem durchwachsenen Start in das laufende Jahr unter erheblichem Erfolgsdruck. Wenig Erträge aus dem in der Vergangenheit so erfolgreichen Kapitalmarktgeschäft und hohe Kosten prägen das Bild bei den Banken. Die Versicherer leiden immer noch unter den Auswirkungen der Anschläge in den USA vom 11. September.

Bei den Banken deckt die anhaltende Flaute an den Kapitalmärkten die Schwächen und Fehler der Vergangenheit gnadenlos auf. Allesamt haben die Institute während des Börsenbooms sehr große Kostenblöcke aufgebaut, die nun die Ergebnisse verhageln. Vor allem die deutschen Banken laufen bei der Restrukturierung hinterher. Ein Verhältnis von Aufwendungen zu Erträgen von mehr als 90 % wie bei der Deutschen Bank ist in der europäischen Großbankenlandschaft Spitze.

Die Institute versuchen nun vor allem über Personalabbau schnelle Einsparungseffekte zu erzielen. Bei den Großbanken alleine müssen innerhalb der kommenden zwei Jahre rund 30 000 Mitarbeiter ihren Hut nehmen. Hinzu kommen verstärkt Auslagerungstendenzen. So prüft die Deutsche Bank die Übertragung ihrer Informationstechnologie auf einen externen Dienstleister, wie dies bereits J.P. Morgan Chase oder American Express vorgemacht haben.

Infolge der schwierigen Rahmenbedingungen wird es auch zu einer Marktbereinigung kommen. Da die nationalen Fusionsmöglichkeiten weitgehend ausgereizt sind, erwarten die Experten die Zunahme grenzüberschreitender Fusionen. "Der nächste große grenzüberschreitende Zusammenschluss zwischen Banken in Europa kommt sehr bald", sagte der ehemalige Sprecher und jetzige Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Rolf-E. Breuer kürzlich. Hierbei werde es sich allerdings weniger um eine Totalfusion als vielmehr um das Zusammengehen einzelner Geschäftsfelder handeln.

Deutsche Banken dürften von dieser Marktbereinigung wenig betroffen sein, da sie allgemein auf Grund der niedrigen Eigenkapitalrenditen und hohen Aufwand-Ertragsrelationen als zu unattraktiv gelten. Als potenzielle Kandidaten werden Institute aus Spanien, Frankreich oder Großbritannien gehandelt.

Zu den verstärkten Fusionstendenzen kommt die Annäherung von Banken und Versicherungen. Die Allianz hat im vergangenen Jahr die Dresdner Bank übernommen, die Münchner Rück ist Großaktionär der Hypo-Vereinsbank.

Ob die enge Zusammenarbeit von Banken und Versicherern zum Erfolg führt, ist allerdings noch fraglich. Bislang sind die Ergebnisse der Übernahme von der Dresdner Bank durch die Allianz eher mau. Die Banktochter verursacht vor allem eins - Kosten und Verluste. Erfolgreiche Allfinanzkonzepte wie das der Benelux-Institute Fortis oder ING sind über viele Jahre gewachsen. Dafür bleibt heute aber keine Zeit. Kunden, Aktionäre und vor allem Investoren wollen schnelle Erfolge sehen.

Diese liegen in der Integration auf der operativen Ebene: Versicherer müssten möglichst weitgehend in die Aktivitäten des jeweiligen Bankpartners integriert werden, da die Kundenschnittstelle der Bank den Schlüssel zum Erfolg darstelle. Dies ergab eine Studie der amerikanischen Investmentbank J.P. Morgan und der Monitor Group.

Andere Banken reagieren allerdings auch mit dem Rückzug aus Nicht-Kerngeschäftsfeldern. So hat sich die Deutsche Bank im Tausch gegen den Vermögensverwalter Scudder von Zurich Financial von ihren Versicherungsaktivitäten getrennt.

Während im Versicherungssektor mit der Münchener Rück und der Allianz gleich zwei Institute von internationaler Bedeutung aus Deutschland kommen, erfüllt bei den Kreditinstituten lediglich die Deutsche Bank diesen Anspruch - auch wenn sie gemessen am Börsenwert der Konkurrenz weit hinterherhinkt.

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