Banken verstoßen gegen die Eurex-Regelungen
Terminbörse Eurex - Option auf Erfolg

Die Terminbörse Eurex ist für viele Privatanleger neues Terrain. Bevor sie sich auf das Spiel einlassen, sollten sie wissen, wo Chancen winken und Risiken lauern.

Jens Arndt* ist verzweifelt. Um an der Eurex zu handeln, hatte er ein Wertpapierdepot und Bankgarantien über 820 000 DM als Sicherheiten bei seiner Bank hinterlegt. Mit seinen Geschäften hatte er Pech, rutschte bis über 2 Millionen DM in die Verlustzone. Die Bank ließ ihn gewähren, obwohl die Kreditlinie - und damit das von der Eurex geforderte Kapitalpolster - weit überschritten war. Jetzt muss der 50-Jährige auch noch die in drei Jahren aufgelaufenen 600 000 DM Sollzinsen aufbringen.

Arndt ist in zweierlei Hinsicht kein Einzelfall: Erstens können viele Anleger die Risiken von Terminbörsen-Engagements nicht einschätzen. Sie wissen nicht, dass einige Geschäfte mit Optionen wesentlich risikoreicher als solche mit Optionsscheinen sind; denn dabei kann man mehr verlieren als den Einsatz. Zweitens gibt es in einigen Fällen Ärger in Zusammenhang mit den Sicherheitsleistungen (Margins). Diese verlangt die Eurex von ihren Mitgliedern; das sind in der Regel Banken. Die Geldhäuser wiederum kassieren von ihren Kunden auch Margins - aber oft zu geringe, um die Verluste abzufedern. Wer jedoch diese Risiken kennt und sich entsprechend verhält, hat an der Eurex teils bessere Gewinnchancen als am Optionsscheinmarkt.

Allerdings ist es kein Wunder, dass viele Anleger so wenig über die Produkte der Terminbörse Eurex, also Futures und Optionen, wissen. Schließlich empfehlen Banker ihren Kunden lieber hauseigene Produkte wie Optionsscheine. Die Optionen funktionieren genauso wie die Scheine: Mit Kaufoptionen (Calls) setzt man auf steigende Kurse, mit Verkaufsoptionen (Puts) auf sinkende. Der wichtige Unterschied: Mit Optionen können Anleger auch in die Rolle des Verkäufers schlüpfen.



Ein Vorteil ist die Preisfindung

Ein weiterer Vorteil der Eurex, die 1998 aus der Deutschen Terminbörse und der schweizerischen Soffex hervorging, ist die Preisfindung. Während die emittierende Bank die Preise der Optionsscheine beeinflussen kann, stellen am Terminmarkt mehrere so genannte Market-Maker Preise; selbst bei kleinen Optionskontrakten sind mindestens drei Market-Maker am Werk. Und auf dem Markt tummeln sich zahlreiche Institutionelle wie Fondsgesellschaften; das sichert den Wettbewerb. Anleger können die Preise im Internet mit einer Verspätung von 15 Minuten verfolgen (Link zu "Eurex Prices" )

Allerdings ist das Angebot der Börse limitiert: Derzeit können Anleger in rund 80 Optionen auf deutsche, schweizerische, finnische, niederländische und italienische Aktien investieren.

Daneben werden Optionen auf den Dax und die Indizes Euro Stoxx 50 sowie Nemax 50 angeboten. Von Futures sollten Anleger lieber die Finger lassen - Kontraktwerte und Hebel sind zu groß, die Geschäfte daher zu risikoreich. Eine Ausnahme ist der Nemax-50-Future mit einem Kontraktwert von einem Euro pro Indexpunkt.



Verkäufer von Optionen haben ein unbegrenztes Verlustrisiko

Der Knackpunkt bei Optionsgeschäften ist aber nicht eine limitierte Auswahl, sondern unterschiedliche Risikoprofile: Wer Optionen kauft, geht wie bei Optionsscheinen das Risiko ein, den Kapitaleinsatz - die Optionsprämie - zu verlieren. Berücksichtigt man Preisfindung und Transparenz, ist es für Anleger oft sinnvoller, Optionen als Optionsscheine zu kaufen. Wer Optionen verkauft, sollte aber wissen, dass er ein unbegrenztes Verlustrisiko hat. Denn der Optionsverkäufer hat sich verpflichtet, eine bestimmte Menge des Basiswertes (zum Beispiel der Aktie) zum Basispreis zu kaufen oder zu verkaufen. Entwickeln sich die Preise für ihn ungünstig, muss sicher gestellt sein, dass er dieser Verpflichtung nachkommen kann, wenn der Käufer die Option ausübt. Daher erhebt die Eurex Margins. Allerdings sind gedeckte und ungedeckte Verkaufspositionen (Shortpositionen) zu unterscheiden. Bei gedeckten Short-Positionen hat der Anleger die zu Grunde liegenden Basiswerte wie Aktien bei der Bank hinterlegt, so dass keine Margins geleistet werden müssen. Bei Optionen mit Barabgeltung (beispielsweise Optionen auf Indizes) ist eine gedeckte Position nicht möglich, da keine effektive Lieferung von Wertpapieren vorgesehen ist.

Übt ein Anleger seine Option aus, wird unter den im System erfassten Short-Positionen ein Stillhalter mit Hilfe eines Zufallverfahrens ausgelost. Diesen Vorgang bezeichnet die Börse als Zuteilung. Auf jeden Halter einer ungedeckten Short-Position können deshalb Kosten für das Beschaffen der Basiswerte zukommen. Das ist der Grund dafür, dass der Stillhalter zunächst einmal eine so genannte Premium Margin zu hinterlegen hat, die in der Höhe genau mit der Optionsprämie übereinstimmt.

Darüber hinaus müssen Anleger das Risiko der Kursschwankungen der Kontrakte bis zum nächsten Tag absichern. Dazu ermittelt die Eurex täglich, wie hoch der maximale, am nächsten Börsentag eintretende Glattstellungsverlust ist (Additional Margin). Werden Verluste erzielt, muss Kapital nachgeschossen werden, bis das Ursprungsniveau der Margin erreicht ist. Die genannten Sicherheitsleistungen fordert die Eurex von den Banken. Vorsichtige Geldhäuser bitten die Investoren dann mit 150 Prozent der Gesamt-Margin zur Kasse - zur eigenen Sicherheit.



Banken verstoßen gegen die Eurex-Regelungen

"Allerdings verstoßen einige Banken sogar gegen die Eurex-Regelungen, und zwar drastisch", sagt Andreas W. Tilp, Rechtsanwalt der Kanzlei Tilp & Kälberer in Kirchentellinsfurt bei Tübingen. Die Rechtsanwälte bearbeiten zurzeit etwa 50 Fälle, in denen Anleger auf die Nase gefallen sind, weil die Banken von ihnen nicht ausreichende Kapitalpolster verlangt hatten. Wie Jens Arndt. Ob Anleger von der Bank Schadenersatz bekommen, ist höchstrichterlich noch nicht entschieden. Dies hängt davon ab, ob die Margin-Pflichten, die die Eurex den Banken auferlegt, auch dem Anlegerschutz - und nicht nur dem Schutz der Finanzinstitute - dienen. Vor bösen Überraschungen können sich Anleger übrigens mit Stop-Loss-Aufträgen schützen. Das heißt: sofort verkaufen, wenn ein festgelegtes Mindestniveau erreicht oder unterschritten wird. Arndt hätte sich damit einen Berg von Schulden erspart. * Der Name wurde von der Redaktion geändert.

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